Die Reichen werden
reicher
Verschuldung der
Armen nimmt zu / Ost-West-Gefälle ist deutlich
steiler geworden
Von Roland
Bunzenthal
Reiche werden
reicher, Arme bleiben arm. Während das Vermögen
der
Bundesbürger zumindest in den Jahren vor der Finanzkrise in
der oberen
Schicht deutlich zugenommen hat, steigen am unteren
Ende nur die
Schulden. Immerhin zwei Drittel der Bevölkerung
verfügen über
kein oder allenfalls sehr geringes Geld- oder
Sachvermögen.
Das oberste ein Prozent der Bevölkerung besitzt
hingegen knapp
ein Viertel des gesamten Kuchens.
Das Deutsche
Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat in
einem von der
Hans-Böckler-Stiftung geförderten Projekt
ermittelt, wie
das Vermögen verteilt ist. Die Daten stammen
hauptsächlich
von der umfassenden Bevölkerungsbefragung SOEP.
Das
Sozio-ökonomische Panel vergleicht das Niveau der Jahre 2002
und 2007.
Ergebnis: Das Vermögen der erwachsenen Bundesbürger
ist im
Durchschnitt um zehn Prozent auf 88 000 Euro gestiegen.
Dies ist vor
allem auf die Zunahme des Geldvermögens sowie der
Vermögen aus
privaten Versicherungen zurückzuführen.
Im Gegensatz
zum steigenden Durchschnittsbesitz liegt jedoch der
Median des
Vermögens weiterhin bei nur etwa 15 000 Euro. Der
Median ist der
Wert, der die reichere Hälfte der Bevölkerung von
der ärmeren
trennt. Dies bedeutet, dass die Zuwächse desto höher
ausfielen, je
größer das vorhandene Vermögen bereits vorher war.
Dabei haben
sich auch die Unterschiede zwischen West- und
Ostdeutschland
weiter vergrößert. "Besonders besorgniserregend"
sei der
Rückgang des Vermögens der mittleren Altersgruppen in
Ostdeutschland, betont das DIW. "Wenn die Politik nicht
gegensteuert,
wird die Altersarmut in Ostdeutschland in Zukunft
deutlich zunehmen",
fürchten die Wissenschaftler Joachim Frick
und Markus
Grabka. Wegen der höheren Arbeitslosigkeit in
Ostdeutschland
waren dort mehr Menschen im Zuge der
Hartz-Reformen
gezwungen, ihr Vermögen aufzuzehren, bevor sie
staatliche
Hilfe in Anspruch nehmen konnten. Während im Westen
das Vermögen
um elf Prozent zulegte, ist es in Ostdeutschland um
knapp zehn
Prozent gesunken. Dazu beigetragen hat der
Preisverfall
selbstgenutzter Immobilien im Osten.
Die
Entwicklung zeige auch, dass die politischen Bemühungen um
eine
verstärkte private Altersvorsorge zumindest bei einem Teil
der
Bevölkerung Wirkung habe. So hat sich der Wert des in
Kapitalversicherungen angelegten Vermögens zwischen 2002 und
2007 um rund
18 Prozent vergrößert -- nicht zuletzt dank
staatlicher
Subventionen (Riester-Rente). Auch die Sparquote ist
von 9,9
Prozent auf 10,8 Prozent gestiegen
Brutto beträgt
das Vermögen in Deutschland rund acht Billionen
Euro, wovon
5,3 Billionen auf Grund- und Immobilienbesitz
entfallen.
Rechnet man die private Verschuldung in Höhe von 1,4
Billionen
gegen, bleibt ein Nettovermögen von 6,6 Billionen Euro.
Nach Ansicht
des DIW verschärft die Reform der Erbschaftsteuer
die
Vermögenskonzentration. Die Forscher schlagen deshalb vor,
die Reform
noch mal zu überarbeiten.
Für das DGB-Vorstandsmitglied
Annelie Buntenbach zeigt die
Studie, dass
sich seit 2002 die Spaltung der Gesellschaft
vertieft hat.
Auch die Mittelschicht, die ganz normalen
Arbeitnehmer,
habe verloren. Dies gelte verschärft für
Ostdeutschland. Buntenbach kritisiert denn auch die strengen
Regelungen bei
der Vermögensanrechnung im Hartz-IV-System.
RBÖRNECKE
© Copyright Frankfurter Rundschau
Ausgabe: Stadtausgabe (Nr. 18)
Datum: Donnerstag, den 22. Januar 2009
Seite: 16
Dazu auch:
http://www.boeckler.de/320_94199.html