Die Einkommen der deutschen Spitzenmanager sind wieder
kräftig gestiegen – bei den 30 größten an der Börse notierten Unternehmen im
Schnitt um satte 22 Prozent.
Politiker von CDU und SPD fürchten um die soziale
Marktwirtschaft und fordern ein „Stoppsignal“. Seiten 2/3, 13
Das haben sie verdient
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© Copyright Frankfurter Rundschau
Ausgabe: Stadtausgabe (Nr. 72)
Datum: Donnerstag, den 27. März 2008
Seite: 1
Kräftiger Schluck aus der Pulle
Das Einkommen von Führungskräften ist im vergangenen Jahr
meist stark gestiegen
Von Roland Bunzenthal
Deutschlands Konzernbosse müssen nicht darben. Im Zuge der
zum Teil kräftigen Profitsteigerungen ihrer Unternehmen legten die Vorstände
und die ihnen wohlgesonnenen Aufsichtsräte die
Steigerung der Vergütungen erneut großzügig fest. Sie reichen bei den
Spitzenverdienern der 30 Dax-Unternehmen von plus
sechs bis plus 168 Prozent (VW-Boss Martin Winterkorn) – und bewegen sich im
Schnitt damit um 22 Prozent nach oben – ebenso kräftig wie bereits im Jahr
2006.
Weniger Geld erhielten von der Spitzengruppe Michael
Diekmann von der Allianz und Hans Joachim Körber von der Metro, weil die
Gewinne der Aktienunternehmen sanken. Spitzenreiter im Kassieren ist weiterhin
Josef Ackermann von der Deutschen Bank mit einem Jahressalär von rund 14
Millionen Euro, ein im Vergleich mit den Kollegen eher bescheidenes Plus von
sechs Prozent. Ihm dürfte Henning Kagermann vom
Software-Konzern SAP folgen, doch liegen hier erst Zahlen für 2006 vor. Dicht
dahinter folgen Daimler-Chef Dieter Zetsche, der mit dazu beigetragen hatte, dass der Verkauf
der US-Gesellschaft Chrysler in die Geschichte als eine der größten
Kapitalvernichtungen eingeht. Er hat inzwischen Wolfgang Reitzle von Linde
überholt.
Mangelnde Transparenz
Die Vergütung der Vorstände besteht vor allem aus fünf
Komponenten: Ein fixes Grundgehalt, ein erfolgsabhängiger Bonus, Sachbezüge,
Aktienoptionen sowie – meist gesondert ausgewiesen – eine stattliche Altersversorgung.
Die variable Komponente nimmt ständig zu und macht bei den meisten Chefs
bereits mehr als die Hälfte der Gesamtvergütung aus.
Als Folge des neuen
„Vorstandsvergütungsoffenlegungsgesetzes“ von 2005 publizieren die meisten Dax-Unternehmen mittlerweile individuell, also jedes
Vorstandsmitglied einzeln. Das Gesetz lässt jedoch Ausnahmen zu, wenn zwei
Drittel der Aktionäre dem zustimmen. Dieses Schlupfloch nutzen sowohl die
Familienkonzerne Merck und Henkel als auch die Bank Hypo Real Estate.
Verlässt man den Kreis der Dax-Unternehmen,
dürften die Bezüge von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking noch über dem Gehalt von
Ackermann liegen. Doch weigert Wiedeking sich beharrlich, Vergütungszahlen zu
veröffentlichen.
Großzügige Altersvorsorge
Die Gesamtkosten eines Unternehmens für seine Führung hängt zum einen von der Größe des Vorstandes ab – er
schwankt bei den Dax-Unternehmen zwischen vier und
elf Mitgliedern. Trotz der im Gesetz geforderten Transparenz führen etliche
Konzerne die „aktienbezogene Vergütung“ (zum Beispiel Optionen mit einer
Sperrfrist von meist drei Jahren) gesondert auf. Sie argumentieren, es handle
sich dabei um keine direkten Zuflüsse, sondern nur um virtuelle Einkünfte. Im
Einzelfall, wie bei RWE, beträgt der Wert der Optionen bereits ein Mehrfaches
der Barvergütung.
Mit Bezeichnungen wie „Long Term Incentive
Plan Beat“ oder „Defined Benefit
Obligation“ soll die Bindung ans Unternehmen gefestigt werden. Offenbar
befürchtet man, dass die Top-Manager allzu rasch wieder wechseln.
Auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Job haben die Manager
gut für sich gesorgt. Zum einen erhalten sie kräftige Abfindungen, wenn der
Vertrag noch nicht zu Ende ist. So ging Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld mit
5,75 Millionen extra in der Tasche. Sein Nachfolger Peter Löscher ließ sich die
„Vermögensnachteile“ durch den Wechsel von Darmstadt (Merck) nach München mit
8,5 Millionen versüßen.
Gehen die Top-Manager in den Ruhestand, erhalten sie in der
Regel 60 Prozent ihres letzten Gehalts weitergezahlt. Einige können auch schon
im Alter von 60 Jahren aufhören (wie etwa Harry Roels
von RWE), ohne dass es, wie in der Rentenversicherung, bei ihnen zu Abschlägen
kommt.
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Ausgabe: Stadtausgabe (Nr. 72)
Datum: Donnerstag, den 27. März 2008
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