Deutschlands Teilung vertieft

10.11.2009 / Inland / Seite 1Inhalt

Bertelsmann-Stiftung: Kluft zwischen niedrigen und mittleren Einkommen wächst weiter

Deutschlands soziale Teilung vertieft sich weiter. So ist die Kluft zwischen Beschäftigten mit mittleren und den mit niedrigen Löhnen in den vergangenen zehn Jahren weiter gewachsen. Ende der 90er Jahre erzielten Geringverdiener noch 64 Prozent des Einkommens eines Beschäftigten mit mittlerem Einkünften, heute sind es nur noch 53 Prozent, wie eine am Montag veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung ergab. Dieser Rückgang sei im internationalen Vergleich der stärkste in 20 Ländern der Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD).

Die Bundesrepublik, deren soziale Schaufensterfunktion gegenüber dem Osten seit 1990 überflüssig ist, findet sich jetzt offenbar in trauter Gesellschaft mit sozialdarwinistisch geprägten Staaten. Die Lohnungleichheit in Deutschland habe das Niveau Großbritanniens und anderer Länder erreicht, die bei der Beschäftigungspolitik weniger auf den sozialen Ausgleich achteten, hieß es in der Studie. In den meisten untersuchten Ländern habe sich die Einkommensschere dagegen nicht weiter geöffnet. Dies gelte auch für die USA, wo die Niedriglöhne allerdings weniger als die Hälfte mittlerer Einkommen erreichen.

Die Hartz-Gesetze und die gesamte Agenda 2010 hätten den Arbeitsmarkt flexibler gemacht, allerdings auch neue Risiken geschaffen, so die Studie weiter. Diese Risiken trügen vor allem Jugendliche, Ältere und Geringqualifizierte. Die »ohnehin stark ausgeprägte Kluft« zwischen gut abgesicherten Erwerbstätigen und Arbeitslosen oder geringfügig Beschäftigten vertiefe sich. In der Wirtschaftskrise zeige sich dies besonders am Rückgang der Zeitarbeit: Zwischen Juli 2008 und Juli 2009 sei sie um 25 Prozent eingebrochen. Mit der Möglichkeit, ehemals Beschäftigte im selben Unternehmen erneut nur befristet einzustellen, werde das Gefälle zwischen diesen beiden Gruppen voraussichtlich nochmals verstärkt, hieß es. (AFP/jW)