Deutsche Unruhe
Expertin teilt Sorge vor sozialen Verwerfungen
Von Markus Sievers
Die viel gescholtenen Warner vor sozialen Unruhen in
Deutschland bekommen Unterstützung aus der Wissenschaft. Man sollte „dieses
Risiko nicht kleinreden“, sagte die Präsidentin des
Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB), Jutta Allmendinger. Wenn es fünf Millionen Arbeitslose gebe und
Konzepte fehlten, diese Menschen wieder in die Gesellschaft zu integrieren,
seien soziale Unruhen nicht auszuschließen.
Die Sozialwissenschaftlerin Allmendinger
unterstützt damit in der heftigen Debatte den Chef des Deutschen
Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, und die
SPD-Präsidentschaftskandidatin, Gesine Schwan. Beide
hatten auf den sozialen Sprengstoff durch die Wirtschaftskrise hingewiesen und
waren dafür heftig kritisiert worden. So riefen Wirtschaftsvertreter und
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dazu auf, die Menschen nicht aufzuhetzen.
Im vergangenen Aufschwung haben sich durch die
Arbeitsmarktreformen die Chancen für Ältere erhöht, einen Job zu finden oder zu
halten. Auch Ostdeutsche zählten zu den Gewinnern, heißt es in einer WZB-Studie im Auftrag der arbeitgeberfinanzierten
Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Ihre Chancen auf einen Einstieg in
Arbeit hätte sich dem Niveau im Westen angenähert.
Keine Fortschritte ergab sich der
Untersuchung zufolge für Langzeitarbeitslose. Die Arbeitsmarktreformen hätten
für Teilgruppen wie die älteren Erwerbslosen Fortschritte gebracht, aber keinen
Durchbruch insgesamt, fasste Allmendinger die
Ergebnisse zusammen. In der Krise bestehe die Gefahr, dass die Reformen
zurückgenommen würden. Stattdessen müsse die Politik Kurs halten.
RSIEVERS
© Copyright Frankfurter Rundschau
Ausgabe: Stadtausgabe (Nr. 98)
Datum: Dienstag, den 28. April 2009
Seite: 20
NRW-Linkspartei ruft zu sozialen Unruhen auf
Düsseldorf (gmv) Die Linkspartei in NRW will
Neuwahlen in Deutschland durch soziale Unruhen erzwingen. Der Aachener
Bundestagskandidat der Linken, Andrej Hunko,
erklärte, nichts sei angesichts der aktuellen Wirtschaftskrise „mehr zu
befürchten als eine soziale Friedhofsruhe“. Der Aufbau einer „französischen
Kultur des sozialen Protestes“ sei auch in Deutschland „dringend notwendig“.
Straßenschlachten wolle er aber nicht herbeireden. „Ich bin für gewaltfreie Massenproteste“,
erklärte der 45-Jährige auf Anfrage. Hunko war lange
Jahre arbeitslos und arbeitet jetzt als Referent für den
Linken-Europaabgeordneten Tobias Pflüger. CDU, SPD, FDP und Grüne wiesen die
Aufforderung scharf zurück. CDU-Generalsekretär Hendrik Wüst sprach von
„Extremismus pur“. NRW-SPD-Generalsekretär Michael Groschek
sagte, die Linke verabschiede sich von dem Anspruch, eine „ernstzunehmende
Partei“ zu sein.
Hält Unruhen für ein Mittel der Politik: Andrej Hunko
(Die Linke). Foto: Klarman
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Quelle:
Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Düsseldorf
Ausgabe: Nr.98
Datum: Dienstag, den 28. April 2009
Seite: Nr.1