Der Verlierer heißt: Afrika

Trotz einiger Erfolge fürchten die Vereinten Nationen, den Kampf gegen die Armut zu verlieren

Von Brigitte Kols

Die Vereinten Nationen schlagen Alarm: trotz beachtlicher Erfolge droht die Weltgemeinschaft im Kampf gegen die Armut zu scheitern. Von ihrem im Jahr 2000 vereinbarten Ziel, die Armut weltweit bis 2015 zu halbieren, sind die UN noch sehr weit entfernt. Das gilt vor allem für die Länder Afrikas südlich der Sahara, in denen viel zu langsam Forschritte gemacht werden.

Abseits einiger „erzielter Effekte“ müsse die Welt noch viel leisten, warnte UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon am Montag in Genf bei der Vorlage des Halbzeitberichts für die acht UN-Millenniumsziele. Dem Versprechen der Industriestaaten, die Entwicklungshilfe zu erhöhen, scheint der UN-Chef nicht so recht zu trauen. Zuletzt war es beim G8-Gipfel in Heiligendamm bekräftigt worden. Geradezu inständig mahnte Ban Ki- Moon nun an, die Zusagen auch einzuhalten.

Fortschritt in Indien und China

Der UN-Bericht zieht eine zwiespältige Bilanz. So lebten 1990 noch 1,5 Milliarden Menschen (32 Prozent) in extremer Armut, das heißt von einem Dollar am Tag. 2004 waren es nur noch 980 Millionen (19 Prozent). Als Ursache gilt jedoch vor allem der ökonomische Aufschwung in China und Indien. Im subsaharischen Afrika dagegen sank die Zahl absolut Armer im selben Zeitraum nur geringfügig auf 41 Prozent (vorher 47 Prozent). Auch die Kinder-und Müttersterblichkeit ist dort nach wie vor erschreckend hoch.

Es sei zwar ermutigend, dass die Zahl extrem Armer weltweit um eine Milliarde gesunken sei. Sie sei aber immer noch zu hoch, kommentierte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD). Sie lobte Fortschritte bei der Einschulung von Kindern in Afrika. Doch müsse das Engagement für Afrika deutlich erhöht werden, sonst könnten die UN-Ziele für 2015 nicht erreicht werden. Der Bericht gebe in „keinster Weise Entwarnung“, urteilt auch Stephan Ohme, im Entwicklungsministerium Beauftragter für die UN-Millenniumsziele. Er bestätige auch die neuen Herausforderungen, die beim G8-Gipfel eine Rolle gespielt hätten, etwa die Frage der besonderen Bedrohung Afrikas und anderer armer Regionen durch den Klimawandel.

Helfer sind enttäuscht

Hilfsorganisationen und unabhängige entwicklungspolitische Institute beziehen kritisch Stellung. Ingeborg Schäuble, Vorsitzende der Welthungerhilfe, stimmt die Bilanz „nicht euphorisch“. Ohne Trendwende werde das Millenniumsziel Nummer eins der Armutshalbierung, nicht erreicht. Einen „Skandal“ nennt Heide Simonis von Unicef Deutschland den weiterhin „massenhaften, vermeidbaren Tod von Kindern“.

„Wenn man die Millenniumsziele noch halbwegs ernst nimmt, muss das Ruder um 180 Grad bei allen Beteiligten herumgerissen werden“, sagt Markus Loewe vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik der FR. Die Fortschritte in Subsahara-Afrika nennt Loewe „sehr bescheiden“. Bei der Bekämpfung von Aids sieht er aber eine „kleine gute Nachricht“. Zwar steige die Zahl der Aids-Opfer in Afrika, doch die Zahl der Neuinfektionen scheine in einigen Ländern dank Aufklärung zu stagnieren.

 

RKOLS



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Ausgabe: Stadtausgabe (Nr. 151)
Datum: Dienstag, den 03. Juli 2007
Seite: 1

 

Die Welt will keine neuen Versprechen

Im Kampf gegen die Armut gibt es noch viel zu tun, meldet der Zwischenbericht zu den Millenniumszielen. Der UN-Generalsekretär beschreibt die wichtigsten Aufgaben.

Ban Ki-Moon ist UN-Generalsekretär. Er schreibt in dem Zwischenbericht zur Umsetzung der Millenniums-

Entwicklungsziele ein mahnendes Vorwort. Wir dokumentieren daraus Auszüge.

Im Jahr 2000 einigten sich die Staats- und Regierungschefs der Vereinten Nationen in New York auf acht Ziele, die bis 2015 erfüllt werden sollen. Jetzt liegt die ernüchternde Zwischenbilanz vor. Die Armut soll halbiert werden, die Verbreitung der Immunschwächekrankheit Aids eingedämmt und allen Kindern der Besuch einer Schule ermöglicht werden. Doch von diesen Zielen ist die Welt noch weit entfernt.

Von Ban Ki-Moon

Wir sind nun an dem Punkt zwischen der Verabschiedung der Millenniumsziele und ihres Zieldatums 2015 angelangt. Unsere Zwischenbilanz ist zweispältig. Die Ergebnisse, die in diesem Bericht präsentiert werden, zeigen, dass einige Effekte erzielt worden sind und dass der Erfolg noch möglich ist in den meisten Teilen der Welt. Aber die Ergebnisse zeigen auch, wie viel noch zu tun ist. Die politischen Führer müssen jetzt dringend und abgestimmt handeln oder viele Millionen Menschen werden die Versprechen der Millenniumsziele nicht erleben.

Die Millenniumsziele sind erreichbar, wenn wir jetzt handeln. Das erfordert gute Regierungsführung, wachsende öffentliche Investitionen ins Wirtschaftswachstum, höhere Produktionskapazitäten und die Schaffung guter Arbeitsplätze. Der Erfolg in einigen Ländern zeigt, dass der schnelle und großangelegte Fortschritt auf die Millenniumsziele hin realisierbar ist, wenn wir starke Regierungen, gute Politik und praktische Strategien zu vermehrten öffentlichen Investitionen vereinen, die angemessen technisch und finanziell von der internationalen Gemeinschaft unterstützt werden. Um die Ziele zu erreichen, müssen nationale Entwicklungsstrategien und Haushalte auf die Vereinbarungen abgestimmt werden. (…)

Die Welt will keine neuen Versprechen. Zwingend ist, dass alle Interessenvertreter ihre Verpflichtungen einhalten, die sie 2002 auf der Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung und 2005 auf dem UN-Weltgipfel eingegangen sind. Seit die offizielle Entwicklungshilfe seit 2004 stagniert, wird es für gut regierten Länder unmöglich, die Millenniumsziele einzuhalten. Dieser Report zeigt deutlich, dass die Länder befähigt werden müssen, ihre Ressourcen auszuschöpfen. Sie müssen auf einem für sie berechenbaren Weg ihre Investitionen nach oben korrigieren können. Indes, diese Versprechen harren noch ihrer Erfüllung.

Ich betrachte diesen Report als einen Schlüssel dafür, zu erkennen, was erreicht werden kann und was wir noch tun müssen. Nur mit seriöser und rechtzeitige Information kann man die nötigen Strategien formulieren.

 

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Datum: Dienstag, den 03. Juli 2007
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