Der Düsseldorfer Schuldenatlas
Die Zahl der überschuldeten Menschen in der Landeshauptstadt
sinkt. Aber: Die Zahl der „harten“ Fälle steigt kontinuierlich. Im Gegensatz zu
vergleichbaren Großstädten sitzt das Geld in Düsseldorf besonders locker.
VON UWE REIMANN
Die Stadt Düsseldorf ist schuldenfrei. Für viele Bürger persönlich gilt das
keineswegs. Trotzdem: In Düsseldorf geht es abwärts mit der Zahl der
überschuldeten Menschen. Die Quote derer, die trotz Mahnungen in Zahlungsverzug
sind, bis hin zu Menschen, die bereits eidesstattliche Versicherungen abgegeben
haben, liegt zum Stichtag 1.Oktober bei 11,95 Prozent. Das ist eine
Verringerung gegenüber dem vergangenen Jahr von 1,89 Prozentpunkten. Vor drei
Jahren lag die Quote schon mal bei 14,55 Prozent. Mit der jetzigen Quote liegt
Düsseldorf deutlich über dem Bundesdurchschnitt (9,09 Prozent) und dem in NRW
(10,39).
Von 493800 Düsseldorfern über 18 Jahre gilt die Überschuldung für rund 59000
Menschen. Trotz des Minus von rund 8900 verschuldeten Personen in der
Landeshauptstadt stellt der neue Schuldenatlas von Creditreform
und Volksbank aber fest: Die Zahl der „harten Fälle“, die bereits kaum noch aus
der Schuldenfalle herauskommen, steigt kontinuierlich an. Für 32800
Düsseldorfer gilt diese Einschätzung. Trotz sinkender Gesamtzahlen ist diese
Gruppe um rund 200 Personen angewachsen.
Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen ist 2009 in Düsseldorf ebenfalls
angestiegen. Im ersten Halbjahr gab es 1070 Verbraucherinsolvenzverfahren
(1.Halbjahr 2008: 940; plus 14 Prozent). Die Experten erwarten in diesem Jahr
einen Anstieg um sieben Prozent. Den Grund sieht die Creditreform
ausschließlich in den gut funktionierenden Verfahren, die es einfacher machen,
schuldenfrei zu werden.
Die 59000 Menschen, die ihre Zahlungsaufforderungen nicht bedienen, haben einen
Schuldenberg von 1,68 Milliarden Euro angehäuft (2008: 1,93Mrd. Euro). Das sind
einerseits Menschen mit so genannten weichen Negativ-Merkmalen (Creditreform: nachhaltige Zahlungsstörungen) und
andererseits mit harten Negativ-Merkmalen (Eidesstattliche Versicherung,
Privatinsolvenz und unstrittige Inkassofälle).
Die Milliarden-Summe verteilt sich durchaus sehr unterschiedlich auf das
Düsseldorfer Stadtgebiet. Liegen die Schuldner-Quoten in Kalkum,
Lörick, Himmelgeist, Niederkassel und Volmerswerth verhältnismäßig niedrig, wohnen die meisten
säumigen Zahler in den Stadtteilen Hafen, Altstadt, Flingern-Süd,
Lierenfeld, Stadtmitte.
Ungeachtet der Wohnlage sitzt beim Düsseldorfer im Gegensatz zu Bewohnern anderer
deutscher Großstädte das Geld ziemlich locker, sagt der wissenschaftliche
Leiter der Untersuchung, Rainer Bovelet. Da die
Schuldner-Quote aller Millieus und Lebenswelten in
Düsseldorf weit über den Vergleichswerten für Bund und andere Städte liegt, bilanziert
die Studie: „Offensichtlich ist der soziale Druck zum Status bildenden und
erhaltenden Konsum in Düsseldorf als Medien- und Werbestadt und zugleich
internationalem Handels- und Produktionsstandort besonders groß.“ Das Fazit:
„Die Stadt Düsseldorf eignet sich bei diesen Millieus
offensichtlich besonders gut als ,Bühne’ zur
individuellen Selbstinszenierung durch Statuskonsum, der sich meist nicht am
individuell wirtschaftlich Möglichen, sondern am Wünschbaren orientiert.“ Mit
anderen Worten: Bei vielen Düsseldorfern sitzt das Geld zu locker
.
59000 Düsseldorfer haben einen Schuldenberg von 1,68
Milliarden angehäuft
- /UWE REIMANN
Quelle:
Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Düsseldorf
Ausgabe: Nr.276
Datum: Donnerstag, den 26. November 2009
Seite: Nr.27