Das Preisgeld fließt in ein Kreditprogramm für Bettler

Friedensnobelpreisträger Yunus aus Bangladesch nennt bei der Feier in Oslo den Kampf gegen Armut einen Kampf gegen Terror

In Oslo und Stockholm haben am Sonntag die Träger der diesjährigen Nobelpreise ihre Auszeichnungen entgegengenommen. Friedenspreisträger Mohammed Yunus forderte bei der Zeremonie in der norwegischen Hauptstadt dazu auf, die „Armut ins Museum zu verbannen.“

Kopenhagen · Der 66-jährige Banker aus Bangladesch, der für seine Idee der Vergabe von Kleinstkrediten ohne Sicherheit an Arme den Nobelpreis erhielt, bezeichnete Armut als eine direkte Bedrohung des Friedens. Ihre Abschaffung sei nur eine Frage des Willens. 60 Prozent der Weltbevölkerung lebten von sechs Prozent des Einkommens, die Hälfte der Menschen habe nur zwei Dollar täglich, über eine Milliarde Menschen weniger als einen Dollar. Das Jahrtausend habe mit dem „globalen Traum“ begonnen, die Armut bis 2015 auf die Hälfte zu reduzieren. Dann habe der Krieg gegen den Terror die Verwirklichung dieses Traums aus der Spur gebracht.

„Aber gegen den Terror kann man nicht mit militärischen Mitteln gewinnen“, sagte Yunus, „die Lebensbedingungen der Armen zu verbessern, ist eine bessere Strategie.“ Um stabilen Frieden zu bauen, müsse man den Menschen ermöglichen, ein anständiges Leben zu führen. Ein Weg seien die Mikrokredite, die von der von Yunus gegründeten Grameen-Bank vergeben werden. Durch den Kauf einer Ziege, eines Webstuhls oder eines Mobiltelefons würde den Armen die Möglichkeit zur Selbstversorgung gegeben. In Bangladesch hat die Bank nun sieben Millionen Kunden, 97 Prozent sind Frauen. Neun von ihnen brachte Yunus zur Preisverleihung nach Oslo mit. Er bezeichnete den Nobelpreis als historischen Moment für die „Hunderte von Millionen Frauen, die täglich für ihr Auskommen und die Hoffnung auf ein besseres Leben für ihre Kinder kämpfen“.

Der Komitee-Vorsitzende Ole Danbolt Mjøs sagte in seiner Laudatio, dass man mit der Preisvergabe nicht nur den Kampf gegen Armut als Kampf für Frieden anerkennen und die Bedeutung der Grameen-Bank für die Frauen würdigen, sondern auch der „Dämonisierung des Islam“ entgegenwirken wollte. „Viel zu oft sprechen wir davon, wie viel die Moslems vom Westen lernen müssen. Bei den Mikrokrediten ist es umgekehrt: Der Westen hat von Bangladesch und der muslimischen Welt gelernt.“

Die umgerechnet 1,1 Millionen Euro Preisgeld will Yunus in neue Projekte der Grameen-Bank investieren wie den Vertrieb von billigem, gesundem Yoghurt an Arme und die Vergabe von zinsfreien Krediten, die Bettlern helfen sollen, einem anderen Erwerb nachzugehen.

In Stockholm erhielten der türkische Schriftsteller Orhan Pamuk und die aus den USA stammenden Preisträger in Physik, Chemie, Medizin und Wirtschaft ihre gleichfalls mit je zehn Millionen Kronen dotierten Auszeichnungen. Hannes Gamillscheg

 

GAMILLSCHEG



© Copyright Frankfurter Rundschau
Ausgabe: Stadtausgabe (Nr. 288)
Datum: Montag, den 11. Dezember 2006
Seite: 6