Creditreform-Studie: 72 000 Düsseldorfer sind pleite

 

 

    Düsseldorf ist eine Hochburg der Schuldner. Eine der Ursachen: Im

    Schatten der Glitzerwelt leben viele über ihre Verhältnisse.

 

*Düsseldorf.* Wer irgendwo in Deutschland einen wildfremden Menschen

nach einem Attribut für Düsseldorf fragt, hört fast immer ein Wort:

Reichtum.

 

Die Landeshauptstadt mit ihrer Glitzerwelt auf der Königsallee gilt eben

gemeinhin als sehr wohlhabend. Falsch ist das nicht. Wie die Sparkasse

am Donnerstag präsentierte, verfügen 12 000 Düsseldorfer über ein

Jahreseinkommen von 100 000 Euro und mehr. 1000 verdienen sogar mehr als

500 000 Euro pro Jahr.

 

Doch dabei wird gerne übersehen, dass ein ganz großer Teil der

Düsseldorfer eher wenig Geld hat. Jeder siebte Düsseldorfer gilt sogar

als dramatisch überschuldet. Behauptet zumindest die

Wirtschaftsauskunftei Creditreform mit Sitz an der Heesenstraße in Heerdt.

 

Seit fünf Jahren gibt die Firma ihren bundesweiten "Schuldneratlas"

heraus. Zum vierten Mal hat die Creditreform die aufwändig ermittelten

Zahlen auch auf Düsseldorf heruntergebrochen -- bis in die einzelnen

Stadtteile.

 

 

      Jeder siebte Düsseldorfer gilt als überschuldet

 

Das erschreckende Ergebnis: 14,81 Prozent aller Düsseldorfer über 18

Jahren -- das sind etwa 72000 -- geben mehr Geld aus, als sie einnehmen.

Sie gelten damit als überschuldet. "Uns überrascht, dass sich die Zahl

der Verschuldeten trotz des seit 18 Monaten anhaltenden tollen

Konjunkturklimas weiter erhöht hat", sagt Rainer Bovelet,

wissenschaftlicher Leiter der Creditreform-Studie.

 

2006 lag die Quote noch bei 14,55 Prozent, 2005 bei glatt 14 Prozent.

Noch düsterer ist die Entwicklung bei den Verbraucherinsolvenzen. Den

Gang zum Konkursrichter werden 2007 hochgerechnet 939 Menschen antreten

müssen.

 

Diese Nachfolgeform der Eidesstattlichen Versicherung erlaubt den

Schuldnern immerhin nach sieben Jahren einen Erlass ihrer

Verbindlichkeiten zu erhalten.

 

Doch warum ist Düsseldorf so verschuldet? Die These von Bovelet klingt

hart: Die Düsseldorfer können nicht mit Geld umgehen. Hier gebe es in

einer soziologischen Einordnung der Milieus sehr viele "Hedonisten" und

"Konsum-Materialisten".

 

Diese Milieus würden Geld ausgeben, ohne darüber nachzudenken, ob sie es

haben oder nicht. "Die Hedonisten wollen Spaß, die Materialisten mit

Konsumgütern ihren sozialen Status erhöhen", sagt Bovelet.

 

Heißt im Klartext: Man kauft auf Pump ein teures Auto, einen riesigen

Fernseher oder Juwelen, um im Umfeld der Schönen und Reichen mithalten

zu können -- wortwörtlich um jeden Preis.

 

 

      Der Aufschwung hat die Armen nicht erreicht

 

Dazu kommen andere Faktoren: Der wirtschaftliche Aufschwung ist nicht in

die einkommensschwachen Schichten vorgedrungen -- "die Spaltung in der

Gesellschaft wächst", sagt Bovelet. Die Reichen werden reicher, die

Armen trotz starker Konjunktur immer ärmer.

 

Dazu komme die "mangelnde finanzielle Allgemeinbildung." Es fehle an

Aufklärung schon in der Schule. Die Menschen könnten deshalb nicht mit

Geld umgehen.

 

Auch zur Schuldnerberatung gehen die meisten erst, wenn es eigentlich

schon zu spät ist. "Aus einer Überschuldung kommt man eigentlich nicht

mehr heraus", sagt Bovelet.

 

Der Stadtteil mit den meisten Schuldnern ist übrigens der Hafen. Das

liegt aber daran, das es dort so wenige Einwohner gibt und die

Ergebnisse verfälscht würden.

 

Es gibt Schulder, die lassen an ihre Büroadresse im Hafen liefern, weil

unter der Privatanschrift schon lange keine Bestellungen mehr angenommen

würden.

 

 

  Hintergrund

 

*Quellen:* Die Creditreform nutzt Daten des statistischen Bundesamtes

und natürlich ihrer eigenen Datenbanken. Als Wirtschaftsauskunftei ist

es ihr Kerngeschäft, Firmen vor Schuldnern zu warnen.

 

*Bundesvergleich:* Düsseldorf schneidet im landesweiten Vergleich der

Städte über 400000 Einwohner schlecht ab. Nur noch in Duisburg (1.) und

Berlin (2.) gibt es prozentual mehr Schuldner.

 

 

  Die Flop 10

 

*Rangliste:* Die zehn Stadtteile mit der höchsten Verschuldung

(Schuldnerquote in Prozent):

 

1. Hafen 49,57

 

2. Flingern-Süd 30,33

 

3. Lierenfeld 27,06

 

4. Stadtmitte 26,86

 

5. Altstadt 26,39

 

6. Oberbilk 24,82

 

7. Friedrichstadt 21,48

 

8. Reisholz 20,51

 

9. Flingern-Nord 20,44

 

10. Rath 19,44

 

 

  Die Top 10

 

*Rangliste:* Die zehn Stadtteile mit der geringsten Verschuldung

(Schuldnerquote in Prozent):

 

1. Himmelgeist 5,75

 

2. Kalkum 6,35

 

3. Lörick 6,76

 

4. Volmerswerth 7,34

 

5. Niederkassel 7,39

 

6. Oberkassel 7,57

 

7. Stockum 7,62

 

8. Angermund 7,77

 

9. Unterbach 7,84

 

10. Urdenbach 8,39

 

16.11.2007

Von Marc Herriger wz