Bettelverbot - keine Mehrheit
OB Erwin bleibt beim Thema Bettler am
Ball: Ein Bericht der Verwaltung soll die Fraktionen überzeugen, warum die
Straßenordnung verschärft werden muss. SPD und Grüne sind dagegen. Die FDP
auch.
VON DENISA RICHTERS
Wenn es um Bettler im Straßenbild geht, hat Oberbürgermeister Joachim Erwin
(CDU) eine klare Position: Er will sie nicht. Besonders bettelnde Kinder sind
dem Stadtoberhaupt ein Dorn im Auge, denn dahinter steckten organisierte
Banden. „Ich kann nicht Kinder missbrauchen, um Bettelbetrug zu begehen“, sagt
Erwin und möchte deshalb die in Düsseldorf geltende Straßenordnung verschärfen.
Doch dafür fehlt die Mehrheit: SPD und Grüne sind strikt dagegen, auch die FDP
verweigert die Gefolgschaft.
Morgen ist das Thema im Ordnungs- und Verkehrsausschuss: Ordnungsdezernent
Werner Leonhardt hat die Erfahrungen mit der bestehenden Straßenordnung
analysiert und stellt das Ergebnis vor. Demnach haben Städte wie Aachen,
Frankfurt/M. oder Bremen das Betteln von, mit oder mittels Kindern ausdrücklich
verboten und mit dem Verbot gute Erfahrungen gemacht. In Düsseldorf sei es
bisher gängige Praxis, Kinder, die beim Betteln oder Ähnlichem erwischt werden,
dem Jugendamt zu überstellen. Mit Erfolg. Weshalb eine gesetzliche Verschärfung
nicht als zwingend, wohl aber als abschreckend empfohlen wird.
Bandenmäßiges Betteln und Vortäuschen von Gebrechen könne, so heißt es, bereits
jetzt mit strafrechtlichen Mitteln bekämpft werden. Münster etwa sei
erfolgreich gegen Banden aus Osteuropa vorgegangen, indem gegen jeden
Betroffenen 20 Euro Verwarngeld verhängt worden sei - womit das Betteln offenbar
als wenig lukrativ galt.
„Das ist ein soziales und kein ordnungspolitisches Problem“, sagt Günter Karen-Jungen (Grüne). Es sei auch kein neues Problem - und
eine Verschärfung der Satzung ein ungeeignetes Instrument. So in etwa sieht es
auch die SPD.
Von der FDP kann Erwin in diesem Punkt jedoch ebenfalls keine Unterstützung
erwarten: „Ich halte nichts vom Schreien nach neuen Gesetzen, obwohl man die
bestehenden nicht nutzt“, sagt FDP-Fraktionschefin Marie-Agnes
Strack-Zimmermann. Eine Verschärfung sei nicht nötig.
„Was passiert denn, wenn Kinder gegen das Verbot verstoßen?“, fragt
Strack-Zimmermann. Es sei nämlich sehr schwierig an die Erziehungsberechtigten
heranzukommen. Darauf zielen jedoch die Liberalen ab: „Diese Kinder müssen als
allererstes vor ihrer eigenen Familie geschützt werden“, so die
Fraktionschefin. Das Sorgerecht zu entziehen sei aber eine der schärfsten
Waffen - „das können wir nicht städtisch lösen“. Man müsse sich auch fragen,
wie weit es zu ertragen sei, wenn auf der Königsallee gebettelt wird. Eine
Stadt wie Düsseldorf müsse diese Toleranz leisten.
Für OB Erwin ist das Ausdruck falsch verstandener Liberalität: „Wenn die
Politik nicht mitmacht, müssen die Bürger das ertragen.“
- /VON DENISA RICHTERS
Quelle:
Verlag: Rheinisch-Bergische Druckerei- und
Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Düsseldorf
Ausgabe: Nr.32
Datum: Dienstag, den 07. Februar 2006
Seite: Nr.15