Bekommt Düsseldorf eine Heroinambulanz?
8. Februar 2009 - 18:41 Uhr wz
von Juliane Kinast
Die Droge könnte es für schwer Süchtige bald auf Rezept
geben. Die CDU in Düsseldorf ist skeptisch – die FDP aber aufgeschlossen.
Die Bonner Heroinambulanz zur Zeit der Modellstudie 2002. Inzwischen bezahlt
die Stadt die Arbeit dort – und den Stoff. (Foto: dpa)
Düsseldorf. Was lange als Tabu galt, wird wohl bald Wirklichkeit:
Heroin auf Rezept. Noch in diesem Jahr könnte die reine Droge – das Diamorphin
– für Schwerstabhängige als Medikament anerkannt werden.
Denn eine Modellstudie in verschiedenen Städten hat gezeigt: Für eine kleine
Gruppe von Süchtigen gibt es kaum eine andere Therapie. In Düsseldorf
verhinderte die restriktive Drogenpolitik in der Ära Erwin eine Teilnahme an
dem Projekt. Wenn der Gesetzgeber jetzt allerdings Ja zur staatlichen
Heroinabgabe sagt, signalisiert auch hier die Politik – zumindest teilweise –
Offenheit.
Zwischen 2002 und 2007 wurden
Schwerstabhängige in Ambulanzen in Köln, Hamburg, Frankfurt, Hannover,
Karlsruhe, Bonn und München mit Diamorphin versorgt. Die Forscher kommen zu dem
Ergebnis, dass die Behandlung für diese Gruppe sinnvoll ist.
Vorstöße zu einer rechtlichen Regelung gab es aus den Ländern schon
mehrfach. Jetzt haben 250 Bundestagsabgeordnete von SPD, Grünen, FDP und
Linkspartei einen Gruppenantrag eingebracht. Die erste Lesung steht
voraussichtlich Anfang März an. Die Unionsfraktion sträubt sich weiterhin –
dennoch gilt eine Mehrheit als relativ sicher. Diamorphin würde dann von der
Krankenkasse bezahlt.
„Das Thema gab es in Düsseldorf mal – vor Erwin“, sagt Joachim Alxnat von der Drogenhilfe. „Danach hat sich nichts mehr
getan.“ Mit dem Gesetz müsste sich das allerdings ändern. Denn, so findet Alxnat, die Vergabe des Heroins sollte in öffentlicher Hand
bleiben. Undenkbar, dass jeder Hausarzt die reine Droge in seinem Arzneischrank
lagerte.
In Köln und Bonn etwa finanziert die Stadt die Arbeit der Heroinambulanzen
seit dem Ende der Studie. „Wir würden es sehr begrüßen, wenn der Gesetzentwurf
Erfolg hätte“, sagt der Kölner Gesundheitsamtsleiter Jan Leidel.
Psychiaterin Iris Scholl hat in der dortigen Ambulanz positive Erfahrungen
gemacht.
„Es ist eine sehr kleine Gruppe von Patienten, aber für diese ist Diamorphin
der einzige Weg, überhaupt ein ,normales’ Leben zu
führen.“ Denn das reine Heroin bekommen nur Süchtige, die mit der Ersatzdroge
Methadon und anderen Therapieformen nicht zu behandeln sind. „Seitdem sie im
Programm sind, ist keiner der Patienten mehr straffällig“, berichtet Scholl.
Zudem seien die zahlreichen Begleiterkrankungen durch verunreinigten Stoff
stark zurückgegangen.
Argumente, die auch in Düsseldorf auf offene Ohren stoßen. Annette Steller,
Fraktionsgeschäftsführerin der SPD, hatte sich bereits vor 2002 für eine
Teilnahme Düsseldorfs an der Studie stark gemacht. „Aber die Mehrheiten sind
immer noch, wie sie waren. Die CDU wird das nicht zulassen – und die FDP keinen
Konflikt riskieren“, glaubt Steller. Tatsächlich sieht CDU-Fraktionsvize
Hildegard Kempkes die Ergebnisse der Studie skeptisch.
„Ich bin ausgesprochen offen“, sagt hingegen die FDP-Fraktionschefin
Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Gerade das Argument der geminderten
Beschaffungskriminalität zieht in ihren Augen.
Und, wie sie glaubt, hat auch in der Union ein Umdenken stattgefunden: „Die
Diskussion hatten wir auch bei dem Konsumraum. Die Kollegen in der CDU haben
erkannt, dass das, was so verteufelt wurde, letztlich eine gute Sache ist“,
sagt Strack-Zimmermann. „Ich bin bereit, diese Gespräche zu führen – und ich
denke, wir schaffen das.“