Armutsrisiko wächst

Die Schere zwischen Arm und Reich hat sich in Deutschland weiter geöffnet. Das obere Fünftel der Bevölkerung hat ein gut vier Mal so hohes Einkommen wie die am wenigsten begüterten 20 Prozent, teilt das Statistische Bundesamt ein Ergebnis der Umfrage „Leben in Europa 2006“ mit. Darin wurden EU-weit vergleichbare Daten über Armut und soziale Ausgrenzung im Jahr 2005 ermittelt.

Damit vergrößerte sich binnen Jahresfrist die Kluft zwischen Arm und Reich um 0,3 Prozentpunkte. Deutschland entwickelte sich gegen den Trend in der Europäischen Union (EU), in der die Einkommensunterschiede laut Europäischem Statistikamt insgesamt sogar leicht zurückgingen.

Allerdings ist das Gefälle in der EU insgesamt noch weit stärker ausgeprägt als in Deutschland, wo knapp 14 000 Haushalte an der Befragung teilnahmen. Gegen den Trend in den EU-Ländern nahm die so genannte relative Armutslücke in Deutschland zu: Das mittlere verfügbare Jahreseinkommen armutsgefährdeter Menschen lag demnach 2005 insgesamt 20 Prozent unterhalb der Schwelle von 9370 Euro, die ein Armutsrisiko signalisiert. Im Jahr zuvor war die Kluft noch einen Prozentpunkt geringer ausgefallen. Als armutsgefährdet gilt, wer mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung auskommen muss. In Deutschland betrug dieses mittlere Einkommen 2005 rund 15 617 Euro pro Person und Jahr.

Wegen des relativ eng geknüpften sozialen Netzes ist das Armutsrisiko in Deutschland jedoch niedriger als in vielen anderen europäischen Staaten: Während die Bundesrepublik in der Umfrage von 2006 bei der Armutsgefährdung auf eine Quote von 13 Prozent kommt, liegt sie in Spanien und Italien bei 20 und in Griechenland sogar bei 21 Prozent. Auch innerhalb Deutschlands tun sich Unterschiede auf: Die ältere Generation in Ostdeutschland ist laut der Umfrage von 2006 mit einer Quote von neun Prozent weniger stark von Armut betroffen als im Westen mit 14 Prozent.

Derweil sind trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs die Reallöhne laut einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung im Jahr 2007 nicht gestiegen. Im Branchen-Durchschnitt seien die tariflich vereinbarten Einkommen um 2,2 Prozent gewachsen. Weil das exakt dem Anstieg der Lebenshaltungskosten entspreche, ergebe sich kein realer Lohnzuwachs. Rtr

GHARTZ

 

 

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Ausgabe: Stadtausgabe (Nr. 18)

Datum: Dienstag, den 22. Januar 2008

Seite: 18

22.01.2008 / Inland / Seite 5

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2007 erneut Reallohnverluste

Düsseldorf. Ungeachtet der Tarif­erhöhungen in vielen Branchen haben viele abhängig Beschäftigte nach Berechnungen der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung im vergangenen Jahr zum vierten Mal in Folge Reallohnverluste hinnehmen müssen. Die effektiven Bruttoeinkommen seien 2007 im Durchschnitt real um fast ein Prozent gesunken, teilte das Tarifarchiv der Stiftung am Montag in Düsseldorf mit. »In vielen Wirtschaftszweigen haben die Beschäftigten bisher nicht vom Aufschwung profitiert«, kritisierte Reinhard Bispinck, Leiter des Tarifarchivs. Im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt sind die tariflichen Grundvergütungen 2007 laut Tarifarchiv auf Jahressicht um 2,2 Prozent gestiegen. Damit sei lediglich das Niveau der allgemeinen Preissteigerung von ebenfalls 2,2 Prozent ausgeglichen worden. In vielen Branchen habe es allerdings keine oder nur sehr geringe Zuwächse gegeben, mit denen die Inflation nicht kompensiert werden konnte. (AP/jW)