Arbeitnehmer büßen
Kaufkraft ein
Kluft bei den
Einkommen wächst / Tarifgehälter stagnieren
preisbereinigt /
Private Gewinne steigen
Die Wirtschaft
boomt und die Gewinne galoppieren davon, doch für
einen großen
Teil der Bevölkerung verschlechtert sich die
Einkommenslage
in diesem Jahr. Das betrifft sowohl Beschäftigte,
die nicht von
den etwas höheren Tarifabschlüssen profitieren,
als auch
Rentner.
Frankfurt a.M. · In der kommenden Woche dürfte die wachsende
Kluft bei den
Einkünften ein wichtiges Thema der 1.-Mai-Reden
sein --
gekoppelt an die Forderung nach Mindestlöhnen. Doch noch
übler dran als
die Arbeitnehmer sind die 20 Millionen Rentner.
Trotz der
ersten Rentenanpassung seit 2003 wird sich auch 2007
deren
Einkommenslage weiter verschlechtern. Die geplante
Anpassung von
0,54 Prozent in diesem Jahr "reicht nicht einmal
für den
Ausgleich der Preissteigerungsrate und wachsender Kosten
bei Gesundheit
und Pflege", erklärt der Präsident der
Volkssolidarität, Gunnar Winkler zu der jüngsten Rentenanpassung.
Rentner werden
abgekoppelt
"Rentner
bleiben von positiven Wirkungen des wirtschaftlichen
Aufschwungs
weitgehend abgekoppelt", betont Winkler. "Mit Sorge
sehen wir
einen verstärkten Trend zur Herausbildung von
Altersarmut." Arbeitslosigkeit, stagnierende Einkommen bei den
Beschäftigten
und Renten-Nullrunden der vergangenen Jahre
schlagen immer
mehr auf die Höhe der gesetzlichen Rente durch.
Seit 2003 ist
deren Kaufkraft um fast zehn Prozent gesunken.
Die stärkeren
Einbußen der Rentner im Vergleich zu Arbeitnehmern
hängen mit der
veränderten Rentenformel zusammen. So bleibt zwar
im Prinzip die
Rentenanpassung an die Entwicklung der
Bruttolöhne
gekoppelt, doch sorgen verschiedene Abschläge dafür,
dass die
Ruhegelder immer mehr hinterherhinken.
Nach Angaben
des Statistischen Bundesamtes stiegen die
tariflichen Monatsgehälter der Angestellten im Januar um 1,4
Prozent
gegenüber dem Vorjahr. Bei den tariflichen Stundenlöhnen
der Arbeiter
betrug das Plus 2,2 Prozent. Die Verbraucherpreise
stiegen im
Januar um 1,6 Prozent. Im Schnitt stagnierten damit
die Reallöhne.
Dahinter
verbergen sich jedoch Einbußen zahlreicher Gruppen. In
den einzelnen
Branchen war die Entwicklung nämlich
unterschiedlich. Überdurchschnittlich erhöhten sich
beispielsweise
die tariflichen Gehälter der Angestellten im
Maschinenbau
(plus 2,9 Prozent). Keine Tariferhöhungen gab es
dagegen in der
Luftfahrt, bei den Eisenbahnen, dem
Friseurgewerbe
sowie bei Bund, Ländern und Gemeinden.
Lücke wird
größer
Hinzu kommt:
Die Lücke zwischen den tariflich vereinbarten und
tatsächlichen
Lohnerhöhungen wächst -- "mit dem Ergebnis, dass
die tariflich
ausgehandelten Löhne die gesamtwirtschaftliche
Lohnentwicklung immer weniger steuern", so der
Verteilungsbericht 2007 des DGB. Die Tariflöhne stiegen seit
1991 real um
26 Prozent, bei den tatsächlichen Bruttolöhnen
betrug das
Plus nur sieben Prozent.
Besonders
deutlich fallen beide Größen in Ostdeutschland
auseinander:
Beträgt das durchschnittliche Tarifniveau
ostdeutscher Arbeitnehmer mittlerweile 95
Prozent des
Westniveaus,
sind es effektiv erst 78 Prozent. Ursache dafür ist
die geringe
Tarifbindung im Osten, die nur für die Hälfte aller
Beschäftigten
gilt.
Gleichzeitig
sind die privaten Gewinne und Vermögenseinkommen
zwischen 1991
und 2006 mehr als sechsmal so stark gestiegen wie
die
Arbeitnehmerentgelte. So kletterten die operativen Profite
um 61 Prozent.
Folge der geringen Lohneinkommen: 3,2 Millionen
Erwerbstätige
suchen derzeit aktiv einen neuen oder zusätzlichen
Job, 360 000
mehr als vor zwei Jahren, berichtet das
Statistische Bundesamt. Roland Bunzenthal
RBUNZENTHAL
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Ausgabe: Stadtausgabe (Nr. 99)
Datum: Samstag, den 28. April 2007
Seite: 11