*ARM UND REICH*

*Die Reichen werden in Deutschland immer reicher, die Armen dagegen immer ärmer. Hinzu kommt, dass die Ost deutschen bei der Verteilung von Einkommen und Vermögen immer weiter zurückfallen. Man mag es geahnt haben - aber jetzt hat auch der Sachverständigenrat der Bundesregierung diese Entwicklung in seinem Jahresgutachten beschrieben: Demnach verfügte das reichste Zehntel der Bevölkerung, das sind Haushalte mit mindestens 223000 Euro auf der hohen Kante, im Jahr 2007 über ein durchschnittliches Vermögen von 543771 Euro, das war ein Anstieg gegenüber 2002 von 23,4 Prozent. Die unteren zwei Drittel der Bevölkerung wurden in diesem Zeitraum im Schnitt etwas ärmer. Vom gesamten Eigentum ein schließlich der selbstgenutzten Immobilien gehört den oberen zehn Prozent mehr als 60 Prozent. 27 Prozent der Bevölkerung verfügen dagegen über keine Ersparnisse oder andere Besitztümer oder sind sogar verschuldet. Auch bei den laufenden Einkommen nimmt die Kluft zu. Das betrifft in erster Linie das sogenannte Markteinkommen (Löhne, Gewinne, Zinsen). 1991 verfügte die ärmere Hälfte aller Haushalte in Westdeutschland noch über 22,5 Prozent der Markteinkommen, während es im Jahr 2007 nur noch 18,4 Prozent waren. In Ostdeutschland hat der "Aufholprozess" in der Ungleichheit der Verteilung ein beachtliches Tempo. Verfügten kurz nach der Wende die unteren 50 Prozent der Haushalte noch über 24,1 Prozent der Einkommen, schrumpfte dieser Anteil auf inzwischen nur noch 12,4 Prozent und damit weniger als im Westen. In den ersten drei Jahren nach der Vereinigung sei zwar ein leichter Angleichungsprozess zu verzeichnen gewesen, danach kehrte sich diese Entwicklung allerdings um. Mittlerweile beträgt das Haushaltseinkommen im Osten nur noch 64 Prozent des Westniveaus. Der Staat hat den Prozess wachsender Ungleichheit zwar etwas gebremst - vor allem im Osten -, konnte ihn aber nicht umkehren. Die Zunahme der Ungleichheit, schreibt der Sachverständigenrat, "ist sowohl vor als auch nach Steuern und Transfers festzustellen". Noch stammen knapp 30 Prozent der Ost-Einkommen aus Renten und Sozialleistungen und sorgen für eine gewisse Umverteilung. "Dies wird sich aber allmählich umkehren, wenn immer mehr Geburtsjahrgänge ins Rentenalter kommen, die die überwiegende Zeit ihres Erwerbslebens im vereinigten Deutschland verbracht haben", schreibt der Rat.rb

fr 14.11.09