59000 Düsseldorfer über 18 Jahren sind verschuldet


(RP) Düsseldorf ist die erste schuldenfreie Großstadt in Deutschland, aber ihre Bürger machen stärker Schulden als beispielsweise die Münchner. Zu diesem Ergebnis kommen die Gutachter des gestern veröffentlichten „Schuldner Atlas Deutschland“ in einem direkten Vergleich. Einer der Gründe dafür sei die deutlich höhere Arbeitslosenquote Düsseldorfs, zum anderen wiesen die Menschen am Rhein „die mit Abstand höchste Nutzung von Dispositions- und sonstigen Krediten auf“. In einem Ranking der Großstädte kamen die Düsseldorfer auf den sechstletzten Platz - hinter Köln, aber noch vor Essen, Berlin, Dortmund, Bremen und dem Schlusslicht Duisburg. Die Düsseldorfer Schuldnerquote liegt bei fast zwölf Prozent, die der Münchner bei gut acht Prozent. Von 495000 Düsseldorfern über 18 Jahren sind 59000 verschuldet bis überschuldet.

 

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Quelle:
Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Düsseldorf
Ausgabe: Nr.258
Datum: Donnerstag, den 05. November 2009
Seite: Nr.26

 

 

 

Hoch lebe Spaß, Konsum und Show!

Düsseldorfer sind Schuldenmacher

Düsseldorf, 04.11.2009, Dieter Schneider nrz

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Düsseldorf. Die Landeshauptstadt wirtschaftet sich schuldenfrei, aber ihre Bürger machen leichtfertiger Schulden als anderswo. Sie erkaufen sich Lifestyle auf Pump! Da kommen selbst die Macher des "Schuldner Atlas Deutschland" ins Grübeln ...

Da kommt selbst eine Institution wie Creditreform in Erklärungsnöte: Bundesweit sinken die Schuldnerzahlen, Düsseldorf ist die erste schuldenfreie Großstadt - aber ihre Bewohner sind deutlich schuldenfreudiger als zum Beispiel die Münchner. Ja, das ist so, sagen die Gutachter in ihrem gestern veröffentlichten „Schuldner Atlas Deutschland”, und das hat vor allem zwei Gründe: Erstens hat die Stadt am Rhein eine deutlich höhere Arbeitslosenquote als die bayrische Metropole. Und zweitens sind die Düsseldorfer andere Menschen...

Die Forscher haben eine Milieustudie betrieben. Darin kommen Gruppen vor wie „Konsum-Materialisten”, „Experimentalisten”, „Moderne Performer”, spaßorientierte Hedonisten sowie das selbstbewusste Establishment vor. Alle diese Menschen, für die man auch bösartigere Begriffe finden kann, leben in großer Zahl in Düsseldorf, oft auf gehobenem Niveau - und: Sie weisen „die mit Abstand höchste Nutzung von Dispositions- und sonstigen Krediten auf”, so die Gutachter.

Zu der Hoch-die-Tassen-Mentalität zwischen und Rheinschlingen passt, dass auch finanzielle Vorsorge nicht das wichtigste Prinzip ist. Da sind wohl Bayern und Westfalen ganz anders. Im Großstadt-Ranking landeten die Landeshauptstädter auf dem sechstletzten Tabellenplatz, gleich hinter Köln, noch vor Essen, Berlin, Dortmund, Bremen und dem Schlusslicht Duisburg. Da spielen natürlich ganz andere Milieus und Arbeitslosenquoten die entscheidende Rolle.

Bezugsgröße waren die Einwohner über 18 Jahren: 495 000 Düsseldorfer, davon sind 59 000 verschuldet bis überschuldet. Die Düsseldorfer Schuldnerquote wird bei fast 12 Prozent angesiedelt, die der Münchner etwas über 8 Prozent.

Dort, wo mehr „Konservative” und „Traditionsverwurzelte” leben, wird quer durch alle Schichten das Schuldenmachen weniger auf die leichte Schulter genommen. Lifestyle auf Pump gilt in diesen Kreisen schlicht als „unredlich”.

 

 

Schuldenfalle schnappt 2010 zu

Creditreform: Zahl verschuldeter Personen zunächst rückläufig / Beratungen überlastet

Von Jutta Maier

Die gute Nachricht zuerst: In Deutschland sind trotz Krise weniger Menschen verschuldet als noch vor einem Jahr. Die Düsseldorfer Wirtschaftsauskunftei Creditreform hat in ihrem Schuldenatlas zum 1. Oktober eine Schuldnerquote von 9,09 Prozent ermittelt, 680000 Personen oder rund einen Prozentpunkt weniger als 2008. Das bedeutet, dass derzeit etwa 6,2 Millionen Menschen über 18 Jahren jeden Monat mehr ausgeben, als sie einnehmen und sie ihre Rechnungen in absehbarer Zeit auch nicht werden bezahlen können. Die schlechte Nachricht: Das gilt nur für Privatleute mit geringen Schulden (minus rund eine Million gegenüber 2006). Erhöht hat sich dagegen die Zahl jener, die stark verschuldet oder bereits in der Privatinsolvenz sind, und zwar um 62000. Und: Der Schuldenatlas geht davon aus, dass ein deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit bis Ende 2010 und stagnierende Einkommen dazu führen werden, dass die Überschuldung wieder steigt. Drei Gründe für den Rückgang sehen die Forscher: Zum einen seien die deutschen Verbraucher in der Krise bisher glimpflich davongekommen - anders als in Großbritannien oder den USA: Während dort die Arbeitslosigkeit und damit auch die Überschuldung weiter zunahm, verhinderte der massive Einsatz von Kurzarbeit hierzulande, dass viele Menschen ihre Jobs verloren. Der zweite Grund sei der "deutliche Rückgang der Energie-, Rohstoff- und Lebensmittelpreise", wodurch die Verbraucher entlastet wurden. Dazu gekommen seien stabile Einkommen, außerdem seien die Bürger beim Aufnehmen neuer Kredite vorsichtig gewesen, sie verzichteten lieber und sparten ihr Geld. Die Caritas spürt nichts von einem Rückgang der KlientenzahlMarius Stark, Koordinator der Caritas-Schuldnerberatung, bewertet die Zahlen skeptisch. In den bundesweit knapp 1000 öffentlichen Schuldnerberatungsstellen - davon 300 von der Caritas - sei nichts von einem Rückgang der Klienten zu spüren. Im Gegenteil: Seit Einführung der Privatinsolvenz vor zehn Jahren würden die Berater dem Ansturm nicht mehr Herr: Die öffentlichen Stellen erreichten gerade mal 15 Prozent von drei Millionen überschuldeten Haushalten.Auch Marius Stark sieht einen Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Überschuldung. Deshalb fordert er für Fälle wie die Quelle-Insolvenz, entlassene Beschäftigte nicht nur von Arbeitsvermittlern, sondern auch von Finanz- und Budgetberatern betreuen zu lassen. Etwa ein Drittel der 4000 arbeitslos gewordenen Quelle-Mitarbeiter seien potenzielle Kandidaten für die Schuldnerberatung. So weit dürfe es nicht kommen, warnt Stark. "Wir müssen jetzt offensiv Rat und Hilfe anbieten und dürfen nicht warten, bis die Menschen in ihrer Existenz bedroht sind." Denn dann werde es für den Staat richtig teuer und habe für die Schuldner "fürchterliche Auswirkungen", etwa bei Zwangsräumung der Wohnung. Um genug Hilfe bereitzustellen, müsse das Budget für die Schuldnerberatungen verdoppelt werden, fordert Stark, der auch die Wirtschaft in der Pflicht sieht.
Zwei Tendenzen haben sich seit 2004 auch dieses Jahr fortgesetzt: Es gibt immer mehr junge Menschen und zunehmend Frauen, die sich Schulden aufbürden, wenngleich immer noch zwei Drittel der Schuldner männlich sind. Martin Trautwein, Schuldnerberater bei der Caritas Frankfurt, sieht einen Grund für die Überschuldung Jüngerer darin, dass teure Produkte zunehmend mit Ratenzahlung beworben werden, wofür Geringverdiener empfänglich seien. Die Zunahme weiblicher Schuldner sei ein "Aufholeffekt": Immer mehr Frauen verwalteten ihre Finanzen selbst.

Die Schuldnerquote in Ostdeutschland lag mit 9,08 Prozent erstmals unter der im Westen (9,1 Prozent). Die wenigsten Schuldner leben in Bayern, die meisten in Bremen.

fr