01.03.2008 / Inland / Seite 5

 

Zum Inhalt dieser Ausgabe <http://www.jungewelt.de/2008/03-01/index.php> |

 

------------------------------------------------------------------------

 

 

 AIDS-Hilfe kritisiert Bundesregierung. Finanzielle Förderung für heroingestützte Behandlung Schwerstabhängiger gestoppt

 

Von Markus Bernhardt

 

Die Bundesregierung hat entschieden, bereits im März die finanzielle

Förderung für eine Modellstudie zur heroingestützten Behandlung

Schwerstabhängiger einzustellen. In dem Projekt, an dem insgesamt sieben

Großstädte teilnahmen, wurden Abhängige mit synthetischem Heroin

(Diamorphin) behandelt.

Sabine Bätzing (SPD), Drogenbeauftragte der Bundesregierung,

beschwichtigt und behauptet, daß die Diamorphinbehandlung in den

bestehenden Ambulanzen unverändert fortgeführt werden könne. Der

stellvertretende Bundesgeschäftsführer der Deutschen AIDS-Hilfe e.V.

(DAH), Peter Stuhlmüller, befürchtet hingegen, daß mit der Einstellung

der finanziellen Förderung die Einstufung von Diamorphin als

verschreibungsfähiges Medikament sowie eine Überführung in die

Regelbehandlung in weite Ferne rücken. Offenbar seien gesundheitliche

Stabilisierung und soziale Integration von Heroinkonsumenten nicht

wichtig genug, um politischen Druck auszuüben, konstatierte er im

Gespräch mit jW. In einigen Städten könnte die Streichung der Gelder zur

Einstellung der Projekte führen, da diese die Kosten der

heroingestützten Behandlung dauerhaft nicht alleine tragen können,

befürchtet auch Dirk Schäffer, DAH-Referent für Drogen und Menschen in

Haft. Er forderte die Bundesregierung auf, eine zeitnahe Abstimmung im

Bundestag zu ermöglichen und auf die Aufhebung des Fraktionszwangs zu

drängen.

Auch die Partei Die Linke fordert ein Votum des Bundestags über die

kontrollierte Abgabe von Heroin. »Die SPD muß sich endlich aus der

Umklammerung der CDU/CSU lösen und vor allem im Interesse von Städten

und Kommunen, die von der Heroin-problematik direkt betroffen sind, mit

den Oppositionsfraktionen den Weg zu einer gesetzlichen Regelung

freimachen«, forderte Monika Knoche, drogenpolitische Sprecherin der

Linksfraktion im Bundestag.

Informationen: jes.aidshilfe.de/ <http://jes.aidshilfe.de/>