Zwei neue Richterstellen gegen Hartz-IV-Klageflut
Kassel · Angesichts der Flut von Klagen
im Zusammenhang mit den Hartz-IV-Gesetzen werden am
Bundessozialgericht in Kassel zwei zusätzliche Richterstellen geschaffen. Ein
neuer Senat solle aber nicht eingerichtet werden, teilte der Sprecher des
Gerichtes, Thomas Voelzke, am Montag mit. Durch die
vor zwei Jahren in Kraft getretene Hartz-IV-Gesetzgebung
sei das Arbeitsaufkommen für die Kasseler Richter stark gewachsen, sagte Voelzke der FR.
Nach Angaben des Sprechers wird der
Richterwahlausschuss des Bundestags und der Länder Ende März über die Besetzung
der beiden neuen Richterstellen entscheiden. Gleichzeitig werde der Ausschuss
die Nachfolger für vier frei werdende Stellen an dem Kasseler Gericht
bestimmen.
Bislang gibt es am obersten deutschen
Sozialgericht 13 Senate, denen jeweils drei beziehungsweise vier Richter
angehören. Bei der Zahl der Senate soll es laut Voelzke
bleiben. „Mit zwei Richtern kann man keinen zusätzlichen Senat zimmern“, sagte
er. Stattdessen würden die beiden neuen Kollegen vom Präsidium des Gerichtes
auf die bestehenden Senate verteilt.
Deutschen Sozialgerichten liegen mehr
als 100 000 Klagen gegen Hartz IV vor. Allein beim
bundesweit größten Sozialgericht in Berlin gingen im vergangenen Jahr 12 000
Klagen gegen die vor zwei Jahren gestartete Arbeitsmarktreform ein. Das war
fast die Hälfte der Neueingänge. süm/dpa
SÜMER
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Ausgabe: Stadtausgabe (Nr. 25)
Datum: Dienstag, den 30. Januar 2007
Seite: 4