Vermögensbarometer
Jede Menge auf der hohen Kante

Den Deutschen geht es besser: 50 Prozent der Bundesbürger sind mit ihrer finanziellen Lage sehr zufrieden. Eine Folge der höheren verfügbaren Einkommen, vermutet der Sparkassenpräsident Heinrich Haasis.

Für Luxus ist selbst in der Krise Geld übrig: Der Konzern LVMH macht mit der Marke Louis Vuitton gute Geschäfte.
Foto: Bloomberg/Simon Dawson

Die Bundesbürger mögen sich große Sorgen wegen der Schuldenkrise machen – was ihre persönliche finanzielle Situation angeht, sind sie so optimistisch wie selten: Dem am Dienstag in Berlin von den Sparkassen vorgestellten Vermögensbarometer 2011 zufolge bewerten 50 Prozent der Bundesbürger ihre finanzielle Lage als gut oder sogar als sehr gut. Zum Vergleich: Bei der gleichen Umfrage vor sechs Jahren äußerten sich nur 40 Prozent der Befragten derart positiv.

Als wichtigsten Grund für diese optimistische Einstellung nannte Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis die Zunahme des verfügbaren Einkommens, die wiederum im wesentlichen mit der ausgesprochen positiven Lage am Arbeitsmarkt zusammenhänge. So sei das insgesamt verfügbare Einkommen allein im vergangenen Jahr um 44,4 Milliarden Euro auf fast 1,6 Billionen Euro gestiegen. Und einen großen Teil dieses Geldes verwenden die Bundesbürger der Studie zufolge, um ihre finanziellen Polster aufzustocken. So wurden 2010 über 186 Milliarden Euro an neuen Ersparnissen gebildet. Das waren 9,4 Milliarden Euro mehr als 2009. Daraus errechnet sich für 2010 eine Sparquote von 11,4 Prozent – 0,3 Prozentpunkte mehr als 2009.

„Damit verhalten sich die privaten Bürger sehr intelligent und verantwortungsbewusst“, lobte Haasis. Davon profitieren natürlich auch die Sparkassen in hohem Maße, denen ein Großteil dieser Spargelder zufließen.

Was Haasis bei der Vorstellung der Zahlen indes ausklammerte, war die Einkommens- und Vermögensverteilung: Dabei ist diese höchst ungleich. So verfügen 10,5 Prozent der privaten Haushalte über gar kein Vermögen. Weitere 57,4 Prozent – also die große Mehrheit – besitzen weniger als 25000 Euro. Sie können also keine großen Sprünge machen. Lediglich knapp sechs Prozent der Haushalte haben 125000 Euro oder mehr auf der hohen Kante. Ähnlich groß sind die Unterschiede bei den Einkommen: 16,3 Prozent der Haushalte verdienen weniger als 1000 Euro. Sie leben also buchstäblich von der Hand in den Mund und können nur davon träumen, elf Prozent ihres Einkommens zu sparen, so wie das der Durchschnitt der Bevölkerung tut. Lediglich ein gutes Drittel der Haushalte (33,9 Prozent) verfügt über ein monatliches Einkommen in Höhe von 2500 Euro oder mehr. Dort kann deshalb kräftig gespart werden.

Geringe Risikobereitschaft bei Geldanlagen

Die Durchschnittszahlen sehen jedoch sehr positiv aus, auch was die Konsumbereitschaft angeht. So haben zwei Drittel der Befragten laut der Studie ihr Konsumverhalten in den vergangenen zwölf Monaten beibehalten und wollen dies auch in Zukunft tun. Fast jeder Zehnte hat sogar mehr konsumiert als im Vorjahr, ebenfalls jeder Zehnte plant, seinen Konsum auszuweiten. Das ist eine signifikante Änderung im Vergleich zum Jahr 2005: Damals wollte noch fast jeder zweite Befragte seinen Konsum einschränken.

Worin sich indes die große Mehrheit der Deutschen ähnelt – egal wie viel sie verdienen oder gespart haben – ist die ausgesprochen geringe Risikobereitschaft bei der Geldanlage: So ist für 97 Prozent der Sparer die Sicherheit ihre Anlage sehr wichtig oder wichtig. Das bedeutet aber nicht, dass sie auf hohe Erträge verzichten wollen: So ist 77 Prozent der Befragten die Rendite von größerer Bedeutung. Ein Widerspruch, sagt Haasis. Denn größtmögliche Sicherheit und eine hohe Renditeerwartung ließen sich nun einmal nicht in Einklang bringen.

Was die Anlageformen angeht, liegt die selbstgenutzte Immobilie in der Gunst der Befragten weit vorn. Das verwundere kaum, denn ein Eigenheim vermittle seinem Besitzer ein hohes Maß an Sicherheit, sagte Haasis. Vergleichsweise schlecht schneide dagegen die Riester-Rente ab. Sie sei vielen einfach zu kompliziert, bemängelte Haasis. Dabei sei sie im Prinzip für viele Menschen sehr sinnvoll.

Insgesamt sind ist der Großteil der Sparer optimistisch, die eigenen finanziellen Ziele erreichen zu können: Unter denen, die bereits vorsorgen oder dies planen, glauben 71 Prozent, dass sie ihre gewünschte finanzielle Absicherung im Alter erreichen werden.

Ein wichtiges Ergebnis der Umfrage war auch, dass die Sparer zunehmend an nachhaltigen Anlageformen interessiert sind – also an Produkten, die besondere ökologische oder ethische Kriterien erfüllen. So wolle jeder dritte Bundesbürger heute genau wissen, was mit seinem Geld geschieht. Insbesondere Frauen seien es, denen dieses Thema besonders am Herzen liege.

 

SO SPAREN DIE DEUTSCHEN

Quote: Durchschnittlich verfügten die Deutschen 2009 über ein Pro-Kopf-Einkommen von 18 983 Euro. Davon sparten sie im Schnitt 11,1 Prozent (2159 Euro). Am höchsten lag die Sparquote in Baden-Württemberg mit 12,4 Prozent. Sehr eifrige Sparer sind auch die Hessen: Sie kommen auf eine Sparquote von 12,0 und teilen sich damit den zweiten Platz mit den Bayern. Schlusslicht ist Bremen mit nur 8,5 Prozent.

 

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