Vermögensbarometer
Jede Menge auf der hohen Kante
Den Deutschen geht es besser: 50 Prozent der Bundesbürger sind mit ihrer
finanziellen Lage sehr zufrieden. Eine Folge der höheren verfügbaren Einkommen,
vermutet der .
Für Luxus ist selbst in der Krise Geld übrig: Der Konzern
LVMH macht mit der Marke Louis Vuitton gute
Geschäfte.
Foto: Bloomberg/Simon Dawson
Die Bundesbürger mögen sich große Sorgen wegen der Schuldenkrise machen –
was ihre persönliche finanzielle Situation angeht, sind sie so optimistisch wie
selten: Dem am Dienstag in Berlin von den Sparkassen vorgestellten
Vermögensbarometer 2011 zufolge bewerten 50 Prozent der Bundesbürger ihre
finanzielle Lage als gut oder sogar als sehr gut. Zum Vergleich: Bei der
gleichen Umfrage vor sechs Jahren äußerten sich nur 40 Prozent der Befragten
derart positiv.
Als wichtigsten Grund für diese optimistische Einstellung nannte
Sparkassen-Präsident
die Zunahme des verfügbaren Einkommens, die wiederum im wesentlichen
mit der ausgesprochen positiven Lage am Arbeitsmarkt zusammenhänge. So sei das
insgesamt verfügbare Einkommen allein im vergangenen Jahr um 44,4 Milliarden
Euro auf fast 1,6 Billionen Euro gestiegen. Und einen großen Teil dieses Geldes
verwenden die Bundesbürger der Studie zufolge, um ihre finanziellen Polster
aufzustocken. So wurden 2010 über 186 Milliarden Euro an neuen Ersparnissen
gebildet. Das waren 9,4 Milliarden Euro mehr als 2009. Daraus errechnet sich
für 2010 eine von 11,4 Prozent – 0,3
Prozentpunkte mehr als 2009.
„Damit verhalten sich die privaten Bürger sehr intelligent und
verantwortungsbewusst“, lobte Haasis. Davon
profitieren natürlich auch die Sparkassen in hohem Maße, denen ein Großteil
dieser Spargelder zufließen.
Was Haasis bei der Vorstellung der Zahlen indes
ausklammerte, war die - und Vermögensverteilung:
Dabei ist diese höchst ungleich. So verfügen 10,5 Prozent der privaten
Haushalte über gar kein Vermögen. Weitere 57,4 Prozent – also die große
Mehrheit – besitzen weniger als 25000 Euro. Sie können also keine großen
Sprünge machen. Lediglich knapp sechs Prozent der Haushalte haben 125000 Euro
oder mehr auf der hohen Kante. Ähnlich groß sind die Unterschiede bei den :
16,3 Prozent der Haushalte verdienen weniger als 1000 Euro. Sie leben also
buchstäblich von der Hand in den Mund und können nur davon träumen, elf Prozent
ihres Einkommens zu sparen, so wie das der Durchschnitt der Bevölkerung tut.
Lediglich ein gutes Drittel der Haushalte (33,9 Prozent) verfügt über ein
monatliches Einkommen in Höhe von 2500 Euro oder mehr. Dort kann deshalb
kräftig gespart werden.
Geringe Risikobereitschaft bei Geldanlagen
Die Durchschnittszahlen sehen jedoch sehr positiv aus, auch was die
Konsumbereitschaft angeht. So haben zwei Drittel der
laut der Studie ihr Konsumverhalten in den vergangenen zwölf Monaten
beibehalten und wollen dies auch in Zukunft tun. Fast jeder Zehnte hat sogar
mehr konsumiert als im Vorjahr, ebenfalls jeder Zehnte plant, seinen Konsum
auszuweiten. Das ist eine signifikante Änderung im Vergleich zum Jahr 2005:
Damals wollte noch fast jeder zweite Befragte seinen Konsum einschränken.
Worin sich indes die große Mehrheit der Deutschen ähnelt – egal wie viel sie
verdienen oder gespart haben – ist die ausgesprochen geringe Risikobereitschaft
bei der Geldanlage: So ist für 97 Prozent der Sparer die Sicherheit ihre Anlage
sehr wichtig oder wichtig. Das bedeutet aber nicht, dass sie auf hohe Erträge
verzichten wollen: So ist 77 Prozent der die Rendite von größerer
Bedeutung. Ein Widerspruch, sagt Haasis. Denn
größtmögliche Sicherheit und eine hohe Renditeerwartung ließen sich nun einmal
nicht in Einklang bringen.
Was die Anlageformen angeht, liegt die selbstgenutzte
Immobilie in der Gunst der Befragten weit vorn. Das verwundere kaum, denn ein
Eigenheim vermittle seinem Besitzer ein hohes Maß an Sicherheit, sagte Haasis. Vergleichsweise schlecht schneide dagegen die
Riester-Rente ab. Sie sei vielen einfach zu kompliziert, bemängelte Haasis. Dabei sei sie im Prinzip für viele Menschen sehr
sinnvoll.
Insgesamt sind ist der Großteil der Sparer optimistisch, die eigenen
finanziellen Ziele erreichen zu können: Unter denen, die bereits vorsorgen oder
dies planen, glauben 71 Prozent, dass sie ihre gewünschte finanzielle
Absicherung im Alter erreichen werden.
Ein wichtiges Ergebnis der Umfrage war auch, dass die Sparer zunehmend an
nachhaltigen Anlageformen interessiert sind – also an Produkten, die besondere
ökologische oder ethische Kriterien erfüllen. So wolle jeder dritte
heute genau wissen, was mit seinem Geld geschieht. Insbesondere Frauen seien
es, denen dieses Thema besonders am Herzen liege.
SO SPAREN DIE DEUTSCHEN
Quote: Durchschnittlich verfügten die Deutschen 2009 über ein
Pro-Kopf-Einkommen von 18 983 Euro. Davon sparten sie im Schnitt 11,1 Prozent
(2159 Euro). Am höchsten lag die Sparquote in Baden-Württemberg mit 12,4
Prozent. Sehr eifrige Sparer sind auch die Hessen: Sie kommen auf eine
Sparquote von 12,0 und teilen sich damit den zweiten Platz mit den Bayern.
Schlusslicht ist Bremen mit nur 8,5 Prozent.