Schöne Welt der Statistik

Die meisten Langzeitarbeitslosen verschwinden nur auf dem Papier

Von Katharina Sperber

Gute Nachrichten vom Arbeitsmarkt werden neuerdings in Berlin verkündet, schlechte

von den Nürnbergern aus der Bundesagentur für Arbeit (BA). 400 000

Langzeitarbeitslose haben im ersten Halbjahr 2007 einen Job auf dem ersten

Arbeitsmarkt gefunden, verkündete am Mittwoch stolz Rudolf Anzinger, Staatssekretär

im SPD-geführten Bundesarbeitsministerium.

Wasser in den Wein goss gleich Heinrich Alt, BA-Vorstandsmitglied: 23 Prozent

derjenigen, die den Sprung aus dem Arbeitslosengeld II (ALG II) schafften, kehrten

nach drei Monaten wieder dahin zurück. Und so sieht die Halbjahresbilanz insgesamt

nicht so rosig aus, wie sie erscheinen soll. Es gibt zwar weniger Langzeitarbeitslose

als 2006, dennoch profitieren sie kaum von der guten Konjunktur. Denn während andere

in den Genuss des neuen Jobsegens kommen, fiel der Rückgang der Arbeitslosigkeit bei

den Empfängern von ALG II deutlich geringer aus.

Die Chancenlosen werden in die berühmt-berüchtigten Maßnahmen geschickt und damit

aus der Statistik entsorgt, die einen Rückgang der Langzeitarbeitslosigkeit von sage

und schreibe 17 Prozent ausweist. Aber rund 400 000 erhielten nur einen Ein-Euro-Job,

351 000 begannen eine Qualifizierung, 1,28 Millionen Frauen und Männer fanden sich in

so genannten Fördermaßnahmen wieder. Damit stiegen die Ausgaben für solcher Art

Fitness-Programme um 18 Prozent auf 1,88 Milliarden Euro. Und Herr Anzinger musste

auch zugeben, dass die für 2007 veranschlagten 21,4 Milliarden Euro für ALG II auf 23

Milliarden Euro steigen werden.

Auch die Kommunen leiden: Sie müssen fast einer halben Million Menschen die

Unterkunft finanzieren, weil deren Arbeitseinkünfte nicht reichen, sondern mit ALG II

aufgestockt werden müssen.

 

SPERBER

 

 

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Ausgabe: Stadtausgabe (Nr. 171)

Datum: Donnerstag, den 26. Juli 2007

Seite: 4