Riesenärger mit der ARGE

In Düsseldorf bekommen 61.000 Bürger Hartz IV. Viele klagen über Mängel in den Service-Stellen.

Von GÜNTHER CLASSEN

In den Service-Stellen der ARGE in Düsseldorf herrscht Chaos.
Foto: dpa

Seit es die ARGE (Arbeitsgemeinschaft) gibt, Sozial- und Arbeitslosenhilfe zusammengelegt wurden, hat sich viel sozialer Zündstoff angesammelt. Etliche der 61.000 Düsseldorfer Hartz-IV-Bezieher in 33.000 Familien sind unzufrieden mit der ARGE.

Ihre Vorwürfe: Die Mitarbeiter seien völlig überfordert und unhöflich, es gebe Endlos-Wartezeiten und kaum Hilfe am Telefon. Riesenärger mit der ARGE. EXPRESS sah sich in der ARGE Mitte an der Luisenstraße um.

In dieser Servicestelle warten täglich bis 500 Antragsteller und Bezieher stundenlang vor drei Schaltern. Schlangestehen in Reihen. Nummern werden ausgegeben, neue Wartezeiten. Mütter mit Kindern haben keine Betreuungsecke für die Kleinsten. Keine Getränkeautomaten, keine Wasserspender. Security-Mitarbeiter, die den Publikumsverkehr regeln, kriegen den Frust der Wartenden ab.

Kritisch wird es immer um 12 Uhr, wenn die Tür zugeht. Viele wollen noch rein. Auf den Gängen vor den Büros patrouillieren ebenfalls Securitys, sollen die ARGE-Mitarbeiter schützen: Bilder eines Krisenszenarios. Wir fragen Betroffene. Dany Richter (24): „Die Organisation hier ist unmenschlich. Zu wenig Schalter, rüder Ton. Ich bin immmer froh, wenn ich raus bin.“ Lucy Kwiek (26): „Ich suche eine neue Wohnung, brauche Hilfe, werde aber nur vertröstet. Ich weiß nicht mehr weiter.“

Sven Scherf (42): „Mehrfach sind Papiere von mir verschwunden. Hier anzurufen, ist sinnlos. Es gibt keinen Kontakt.“ Michael K. (33): „Gerade für uns sollte die Telefonhotline zur ARGE gebührenfrei sein. Stundenlang erreicht man keinen, aber es kostet trotzdem Geld.“ EXPRESS testete die Service-Leitungen mehrere Stunden: Bandansage. Kein persönliches Gespräch.

ARGE-Sprecher Jürgen Hennigfeld verteidigt seine Behörde: „Wir bemühen uns alle, mit einem komplizierten Gesetz gerecht umzugehen und in diesem Rahmen gut zu beraten, schnell mit Leistungen zu helfen oder Arbeit zu vermitteln. Bei den derzeit 61 000 Leistungsbeziehern, darunter auch deren Kinder, ist das eine gewaltige Aufgabe. Unsere Mitarbeiter sind engagiert und motiviert. Wir kennen natürlich auch Mängel. Aber wir sind bemüht, sie abzustellen.“

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