Knast oder Sozialticket

 

Düsseldorf

<http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/duesseldorf.html>,

31.10.2008, JULIA KILLET nrz

 

ZAKK. Obdachloser schildert seine Situation. Weil sein Geld nicht

reichte, fuhr er schwarz mit der Bahn. Er konnte die Strafe nicht bezahlen.

 

Drei Jahre lebte er auf der Straße. In die Obdachlosenheime durfte er

seinen Hund nicht mitnehmen, also blieb er bei Wind und Wetter draußen.

Auf der Suche nach Arbeit fuhr er täglich mit der Bahn. Auch um sich ein

wenig aufzuwärmen. "In der Bahn gibt es eine Heizung, in

U-Bahn-Schächten wurde ich vom Ordnungsamt verjagt", erzählt Armin. Weil

das Arbeitslosengeld II gerade für das Nötigste reichte, fuhr er

schwarz. Die Folge: Armin wurde drei Mal erwischt und vom Gericht zu

einer Geldstrafe von 600 Euro verurteilt. "Die habe ich dann in 720

Arbeitsstunden bei der Obdachlosen-zeitung FityFifty umgewandelt",

erzählt der 36-Jährige bei der Diskussion über das Sozialticket

Donnerstagabend im Zakk. Sonst wäre der Familienvater im Gefängnis

gelandet.

 

Im Gefängnis stumpfen die Leute ab

 

Das günstigste Monatsticket kostet bei der Rheinbahn 44,40 Euro (37,93

Euro im Jahresabo) für Stadtfahrten. Geld, das für Hartz-IV Empfänger

wie Armin schwer aufzutreiben ist. Die Forderung des "Initiativkreises

Armut", ein Sozialticket zu subventionieren, stieß bei der Ratsmehrheit

auf Ablehnung (die NRZ berichtete).

 

"Für alles mögliche wird Geld ausgegeben, für die Arena, das Autorennen

auf der und die Wehrhahnlinie", beschwert sich Armin. Er kennt die

Situation der Obdachlosen gut: "Es ist nicht einfach eine Wohnung zu

finden, und wenn man wegen Schwarzfahrens in den Knast geht, ist das mit

der Wohnung wieder vorbei."

 

"Die Leute, die dafür in den Knast gehen, stumpfen ab. Sie müssen eine

Strafe absitzen, weil sie keine 600 Euro zahlen können", sagt Wolfgang

Sieffert vom Initiativkreis. Kommen sie wieder raus, haben sie meist das

bisschen, was sie hatten, verloren." Der Steuerzahler könne überlegen,

was teurer sei: Gefängnisaufenthalt oder Sozialticket

 

http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/duesseldorf/2008/10/31/news-87506038/detail.html