Gegen ein Feierabend-Bier ist nichts einzuwenden, solange es
nicht zur täglichen Gewohnheit wird. Foto: Arno Burgi
Berlin
–
Millionen Deutsche haben ihren Tabak- und Alkoholkonsum nicht im Griff. So
trinkt jeder Deutsche durschnittlich 135 Liter
Alkohol im Jahr und raucht 996 Zigaretten. Die Folgen: Zehntausende Tote im
Jahr, rechnet das neue Jahrbuch Sucht vor.
Am liebsten Bier und Wein: Die Lust der Deutschen auf
alkoholische Getränke ist ungebrochen. Rund 135 Liter hat jeder Bundesbürger
2012 im Schnitt getrunken, heißt es im neuen Jahrbuch Sucht, das
am Dienstag (22. April) in Berlin vorgestellt wurde. Damit hat sich am
Gesamtkonsum, der pro Kopf locker eine Badewanne füllt, seit 2007 fast nichts
geändert. Auch der Tabakverbrauch ging im Vergleich zu 2011 nur minimal um rund
ein Prozent zurück - das macht 996 Zigaretten pro Einwohner im Jahr.
Nach Berechnungen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen
(DHS) stirbt in Deutschland alle sieben Minuten ein Mensch an den Folgen des
Alkoholkonsums oder an der Kombination aus riskantem Trinken und Rauchen - das
seien im Jahr etwa 74 000 Todesfälle. Damit hätten die legalen Drogen mehr
Auswirkungen als die illegalen. Mit geschätzten vier süchtigen Konsumenten von
Cannabis, Kokain und Amphetaminen pro tausend Einwohner im Alter zwischen 15
und 64 gehört Deutschland zu den Ländern mit eher niedriger Krankheitsquote.
Seit 2007 liegt der Pro-Kopf-Konsum in Deutschland knapp unter
10 Litern reinem Alkohol. Mit rund 105 Litern Bier, etwa 20 Litern Wein und 5
Litern Spirituosen pro Kopf zählen die Deutschen zu den Spitzentrinkern in den
OECD-Staaten. Nur in Luxemburg, Frankreich, Österreich und Estland werde mehr
gebechert, rechnet das Jahrbuch vor. 1,8 Millionen Menschen gelten in
Deutschland als alkoholabhängig.
Auch volkswirtschaftlich sei die Trinkerei ein großes
Verlustgeschäft, schreiben die Autoren. 3,3 Milliarden Euro verdiene der Staat
pro Jahr mit Alkoholsteuern - die Kosten für alkoholbedingte Krankheiten aber
lägen bei etwa 26 Milliarden Euro im Jahr.
An den Folgen des Rauchens sterben nach den Berechnungen jedes
Jahr geschätzte 100 000 bis 120 000 Menschen - so viele Einwohner leben in
mittelgroßen Städten wie Jena, Koblenz oder Ulm. Anders als beim Alkohol geben
die jüngsten Zahlen aber verhaltenen Grund zur Hoffnung. Die Zahl der Raucher
ist seit einigen Jahren rückläufig - aber noch immer greifen ein gutes Drittel
der erwachsenen Männer und ein gutes Viertel der Frauen zum Tabak.
Als Gegenmittel empfiehlt die DHS unter anderem
höhere Steuern auf Alkohol und Tabak, eine zeitliche Begrenzung ihres
Verkaufs und weniger Werbung dafür. (dpa)