Höhere Hartz-IV-Sätze für Kinder noch vor Wahlen in NRW
Berlin (brö/qua) Die Bundesregierung plant, die Hartz-IV-Sätze
für Kinder
noch vor den Landtagswahlen in NRW neu zu berechnen.
Dies erfuhr
unsere Zeitung aus Regierungskreisen. Hintergrund
ist, dass mit
dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den
Hartz-IV-Sätzen schon Ende Februar gerechnet wird. Das
Karlsruher
Gericht bestätigte den frühen Termin mit Hinweis auf
das
"Beratungsgeheimnis" indes nicht. Erwartet wird, dass das
Gericht von
der Politik fordert, die Sätze für Kinder ab 14
Jahren
anzuheben. Bislang erhalten diese Kinder 287 Euro, von 6
bis 13 Jahren
gibt es 251 Euro und bis 5 Jahre 215 Euro.
Angeblich
sollen die Sätze um 50 Euro pro Kind steigen.
NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers fordert dagegen eine
komplette
Überarbeitung der Hartz-IV-Gesetze.
POLITIK SEITE
A4
Quelle:
Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Düsseldorf
Ausgabe: Nr.7
Datum: Samstag, den 09. Januar 2010
Seite: Nr.1
*Die Rüttgers-Rhetorik*
Hartz-IV-Forderungen des
Ministerpräsidenten klingen markig, sind aber
zum Teil schon erfüllt
*Von Markus Sievers *
*Berlin. *Die Bundesregierung plant schrittweise Korrekturen
an Hartz
IV, lehnt aber eine Kehrtwende in der Arbeitsmarktpolitik
ab. Mit dieser
Klarstellung wies das von Ursula von der Leyen (CDU)
geführte
Arbeitsministerium die massive Kritik zurück, die zum
wiederholten Mal
der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers
an den
Hartz-Reformen übte.
Der CDU-Politiker hatte in einem Interview
Ungerechtigkeiten und Verstöße gegen das Leistungsprinzip
beklagt und
eine "Grundrevision" von Hartz
IV eingefordert.
Dies sei das "falsche Wort", ließ von der Leyen
einen Sprecher erklären.
Das Hartz IV-System sei seit
seinem Start 2005 mehrfach fortentwickelt
und verbessert worden. Auch der neuen Regierung gehe es um
eine
"Evolution" und nicht um eine
"Revolution".
*Landtagswahlen im Mai*
Dies lässt sich als Spitze gegen den Parteifreund verstehen,
den
politische Gegner gern als "selbst ernannten
Arbeiterführer" verspotten.
Immer wieder hat sich Rüttgers demonstrativ vom
Wirtschaftsflügel der
Union abgesetzt, um sich im früheren SPD-Land
Nordrhein-Westfalen zu
profilieren. Daher überrascht nicht, dass er gerade vor den
Landtagswahlen im Mai sozialpolitische Duftmarken setzt.
In den Inhalten sind die Differenzen nicht so groß wie in
der Rhetorik.
In dem Interview der FAZ nannte Rüttgers vier
Änderungswünsche: "Es geht
mir, kurz gesagt, um das Schonvermögen, um kindergerechte
Hartz-IV-Sätze, um eine
Neuregelung bei den Kosten der Unterkunft und um
Hinzuverdienstmöglichkeiten, damit der Ausstieg aus Hartz IV in den
Arbeitsmarkt besser gelingt."
Alle vier Punkte sind weit weniger umstritten als es die
Wortwahl
vermuten lassen könnte. Die Anhebung des Schonvermögens für
Hartz-IV-Bezieher auf 750 Euro pro
Lebensjahr ist vom Bundeskabinett
beschlossen. Die Hartz-IV-Sätze
für Kinder will Schwarz-Gelb anpassen,
sobald das Verfassungsgericht sein Urteil dazu gefällt hat.
Erwartet
wird, dass Karlsruhe der Politik aufgibt, die den Kindern
zustehenden
Beträge eigenständig zu ermitteln statt sie
vom Bedarf der Erwachsenen
abzuleiten. Bei den Kosten der Unterkunft geht es nicht um
die
Betroffenen, sondern um den finanziellen Streit zwischen
Bund, Ländern
und Gemeinden. Die Ministerpräsidenten wollen mehr Geld vom
Bund, um
damit ihre Kommunen entlasten.
*Im Koalitionsvertrag steht's *
Bleibt der Ruf nach Änderungen an den
Hinzuverdienstmöglichkeiten. Auch
hier übernimmt Rüttgers Inhalte aus dem Koalitionsvertrag,
in dem es
heißt: "Wenn man arbeitet, muss man mehr haben als wenn
man nicht
arbeitet. Deshalb werden wir die Hinzuverdienstregelungen in
der
Grundsicherung für Arbeitssuchende deutlich verbessern."
Fr 9.1.10
Rüttgers: Hartz IV missachtet
Leistungsprinzip
berlin (apd) Die
schwarz-gelbe Koalition steuert nach der Anhebung der so genannten
Schonvermögen auf weitere Korrekturen bei Hartz IV
zu. Jürgen Rüttgers, CDU-Vize und NRW-Ministerpräsident, forderte in der
„Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ eine grundlegende Revision des Gesetzes. So
weit wollten andere Koalitionspolitiker nicht gehen. Mehrere CDU- und
FDP-Abgeordnete sprachen sich aber für eine geringere Anrechnung von Zuverdiensten auf die Hartz-IV-Bezüge
aus. Das Bundesarbeitministerium erklärte, geplant sei „eher eine Evolution als
eine Revolution“.
Als Hauptfehler von Hartz IV bezeichnete Rüttgers,
dass das Leistungsprinzip als eines der tragenden Ordnungsprinzipien der sozialen
Marktwirtschaft „mit Füßen getreten wurde“. Zudem habe das Fördern nicht
geklappt.
„Alleinerziehende Mütter tragen mit das größte
Armutsrisiko in Deutschland. Es kann nicht sein, dass die Entscheidung für das
Kind bestraft wird“, wird Rüttgers weiter zitiert. Neben dem Ausbau der
Kinderbetreuung und der Hilfen für den beruflichen Wiedereinstieg
forderte er die Aufstockung des Unterhaltsvorschusses für Kinder bis zum 18.
Lebensjahr, deren Väter ihrer Zahlungspflicht nicht nachkommen. Zudem müssten
die bisher pauschalisierten Leistungen für Kinder altersangemessen
berechnet werden.
-
Quelle:
Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Düsseldorf
Ausgabe: Nr.7
Datum: Samstag, den 09. Januar 2010
Seite: Nr.5
Hartz-IV-Korrekturen en vogue
Von der Leyen, Rüttgers und die SPD wollen
die Reform reformieren
Berlin. Der Vorstoß des nordrhein-westfälischen
Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) für eine Revision der Hartz-IV-Arbeitsmarktreform findet zunehmend Unterstützung.
Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) zeigte sich offen für
Verbesserungen. "Wir brauchen keine Totalveränderung.
Ich möchte in meiner Amtszeit aber verbessern, was bei Hartz
IV zu hastig umgesetzt wurde, wo Menschen durchs Netz gefallen sind",
sagte von der Leyen der Bild-Zeitung. Rüttgers habe "Recht mit seinen
Beispielen".
Der Ministerpräsident hatte der Frankfurter Allgemeinen
Zeitung gesagt, er sehe Korrekturbedarf bei einer Reihe von Punkten. Einige
davon sind aber bereits Beschlusslage der Koalition, etwa verbesserte
Hinzuverdienstmöglichkeiten. Die Anhebung des Schonvermögens auf 750 Euro pro
Lebensjahr ist ebenfalls bereits beschlossen. Und bei den Regelungen für Kinder
und Alleinerziehende, die Rüttgers ebenfalls verbessern will, muss die
Regierung ohnehin aktiv werden, denn im Frühjahr wird ein Urteil des
Bundesverfassungsgerichts dazu erwartet.
Auch die SPD ist offen für Veränderungen. Parteichef Sigmar Gabriel sagte dem Spiegel, die SPD wollte deutlich
machen, "dass wir bei schwierigen Themen wie Rente mit 67 und
Arbeitsmarktreformen auch zu Korrekturen bereit sind". Noch vor der
Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen Anfang Mai werde sich die SPD-Spitze dazu
positionieren.
Der Parteilinke Ottmar Schreiner gab, ebenfalls im Spiegel,
zu Protokoll: "Ich glaube, dass die Korrektur von Fehlentwicklungen in
diesem Jahr abgeschlossen sein muss, je klarer, desto besser." Der
hessische SPD-Parteichef Thorsten Schäfer-Gümbel will
der Parteiführung laut der Süddeutschen Zeitung ein Diskussionspapier zu Hartz IV vorlegen. Danach sollen Empfänger von
Arbeitslosengeld II künftig mehr Geld erhalten. Die Summe soll sich - ähnlich
wie vor der Hartz-IV-Reform - nach der Zahl der
eingezahlten Monatsbeiträge richten.
Der Linkspartei geht das alles nicht weit genug. Hartz IV sei eine "Armuts- und
Niedriglohnmaschine" und müsse komplett überprüft werden, sagte
Vize-Fraktionschef Klaus Ernst. dpa/afp, fr 11.1.10