Frankfurter Rundschau, Mittwoch den 04.12.2013 Wirtschaft S.15

Warnung vor Missbrauch. Hartz IV für europäische Arbeitssuchende

Unionspolitiker und Kommunen haben vor einem Sozialtourismus aus ärmeren EU-Staaten nach Deutschland gewarnt. Liberale Freizügigkeitsregelungen innerhalb der Europäischen Union dürften nicht mit hohen Sozialleistungen kombiniert werden, sagte CDU-Rechtsexperte Günter Krings der „Welt“. Wer nur zur Arbeitssuche nach Deutschland komme, dürfe nicht beim Sozialstaat die Hand aufhalten, forderte Krings.

Der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, verlangte, einer „ungebremsten Armutsmigration in unsere Sozialsysteme“ entgegenzuwirken. Schon jetzt seien „betroffene Kommunen mit der Finanzierung von Unterbringung und Versorgung dieser Personen teilweise überfordert.“

Hintergrund ist ein Gerichtsurteil, wonach Bürger aus anderen EU-Ländern auch dann Anspruch auf Sozialleistungen haben, wenn sie hier keinen Arbeitsplatz finden. Vergangene Woche hatte das Landessozialgericht in Nordrhein-Westfalen einer rumänischen Familie Hartz-IV-Leistungen zugesprochen und eine anderslautende Vorschrift im Sozialgesetzbuch als Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgebot der EU-Staaten gewertet.

Nach aktuellen Daten der Bundesagentur für Arbeit waren Ende Juni fast 37 000 Bürger aus Bulgarien und Rumänien auf das Hartz-IV-System angewiesen, berichtet die „FAZ“. Das entspricht einem Anteil von zehn Prozent aller Bulgaren und Rumänen in Deutschland. Unter allen Ausländern beträgt die Quote 15 Prozent. kna

 

 

Mehr Bulgaren und Rumänen auf Hartz IV angewiesen 3.12.13

Die Zahl der Arbeitslosen steigt. Foto: dpa

Immer mehr Menschen aus Bulgarien und Rumänien beziehen Hartz IV. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit hat sich die Zahl seit 2011 verdoppelt.

Die Zahl der Hartz-IV-Empfänger aus Bulgarien und Rumänien steigt nach Medienberichten stark. Ende August bezogen rund 38.800 Menschen mit bulgarischem und rumänischem Pass diese Leistung, berichten die „Bild“-Zeitung (Dienstag) und „Focus online“ unter Berufung auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg. Das sei eine Verdoppelung seit 2011. Der Wirtschaftswissenschaftler Hans-Werner Sinn, Chef des Ifo-Instituts, hatte am Montag in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vor einer Zuwanderungswelle in das deutsche Sozialsystem gewarnt: „Wir sind am Beginn einer neuen Migrationswelle.“

Der CDU-Rechtspolitiker Günter Krings warnte in der „Welt“ (Dienstag): „Wir dürfen liberale Freizügigkeitsregelungen innerhalb der EU nicht mit hohen Sozialleistungen kombinieren. Sonst entstehen falsche Anreize, die zu einer Einwanderung in die sozialen Sicherungssysteme führen.“ Der CSU-Innenpolitiker Hans-Peter Uhl forderte in der Zeitung: „Wer tatsächlich gar keine Chance hat als Arbeitnehmer oder Selbstständiger tatsächlich erfolgreich tätig zu sein, ist nicht von der Freizügigkeit geschützt. Für diese Gruppe müssen Sozialleistungen ausgeschlossen sein.“ (dpa)

http://www.fr-online.de/arbeit---soziales/hartz-iv-mehr-bulgaren-und-rumaenen-auf-hartz-iv-angewiesen,1473632,25503712.html

 

 

 

NRW-Städte fürchten Sozialtourismus

04.12.2013 | 00:20 Uhr

Düsseldorf. Die NRW-Kommunen warnen vor einer verstärkten Einwanderung von Bulgaren und Rumänen in die Sozialsysteme. „Wir können die Armutseinwanderung nicht verkraften“, sagte der Hauptgeschäftsführer des NRW-Städte- und Gemeindebundes, Bernd Jürgen Schneider, der NRZ. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit hat sich Ende August die Zahl der Hartz-IV-Empfänger aus Bulgarien und Rumänien mit bundesweit 38 800 Personen gegenüber 2011 verdoppelt. Weil Migranten oft Wohnorte ihrer Verwandten ansteuern, sind Revierstädte wie Duisburg und Dortmund und Metropolregionen im Rheinland besonders belastet mit Sozialkosten.

Anlass für die Befürchtungen ist ein neues Gerichtsurteil des NRW-Landessozialgerichts, wonach Arbeitslose aus Rumänien Anspruch auf Sozialleistungen haben, ohne jemals in Deutschland gearbeitet zu haben. Die Richter hatten einer rumänischen Familie Hartz-IV-Leistungen zugesprochen und eine anderslautende Vorschrift im Sozialgesetzbuch als Verstoß gegen das zwischen den EU-Ländern vereinbarte Gleichbehandlungsgebot gewertet. Die Familie aus Rumänien war 2009 zur Arbeitssuche nach Deutschland gekommen und hatte zunächst von Kindergeld und dem Verkauf einer Obdachlosenzeitung gelebt. Ein im November 2010 gestellter Hartz-IV-Antrag war abgelehnt worden. Für NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) ist das Urteil des Landessozialgerichts „nicht nachvollziehbar“. Der Minister erwartet, dass das Bundessozialgericht „hier Begradigungen vornehmen wird“.

„Beginn einerneuen Migrationswelle

Dagegen fürchtet der Städte- und Gemeindebund „Anreize für den Sozialtourismus, die die Kommunen nicht verkraften können“. Hauptgeschäftsführer Schneider forderte eine politische „Lösung auf europäischer Ebene mit klaren Kriterien für die Einwanderung“. Der Chef des Ifo-Instituts, Werner Sinn, sieht Deutschland „am Beginn einer neuen Migrationswelle“. Um das sinnvolle Grundrecht auf Freizügigkeit zu erhalten, müsse das „Heimatlandprinzip“ gelten. Danach kann jemand, der in seinem Heimatland steuerfinanzierte Sozialleistungen in Anspruch nimmt, keine Leistungen in einem anderen Land einfordern.

Wilfried Goebels

http://www.derwesten.de/nrz/politik/nrw-staedte-fuerchten-sozialtourismus-aimp-id8733516.html

 

 

 

NRW-Kommunen können "Armutseinwanderung nicht verkraften"
03.12.2013 | 16:06 Uhr
NRW-Kommunen können "Armutseinwanderung nicht verkraften"
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit hat sich Ende August die Zahl der Hartz-IV-Empfänger aus Bulgarien und Rumänien mit bundesweit 38.800 Menschen im Vergleich zu 2011 verdoppelt. Foto: dpa

Düsseldorf. Die Zahl der Hartz-IV-Empfänger aus Rumänien und Bulgarien hat sich seit 2011 verdoppelt - und ein Urteil des NRW-Landessozialgerichts könnte diese Entwicklung noch beschleunigen. Die Richter hatten entschieden, dass Einwanderer Hartz IV erhalten sollen - auch wenn sie nie in Deutschland gearbeitet haben.

Die NRW-Kommunen warnen vor einer verstärkten Einwanderung von Bulgaren und Rumänen in die Sozialsysteme. „Wir können die Armutseinwanderung nicht verkraften“, sagte der Hauptgeschäftsführer des NRW-Städte- und Gemeindebundes, Bernd Jürgen Schneider, unserer Mediengruppe.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit hat sich Ende August die Zahl der Hartz-IV-Empfänger aus Bulgarien und Rumänien mit bundesweit 38.800 Menschen gegenüber 2011 verdoppelt. Weil Migranten oft Wohnorte ihrer Verwandten ansteuern, sind Revierstädte wie Duisburg und Dortmund und Metropolregionen im Rheinland besonders belastet mit Sozialkosten.
Arbeitsminister hält Urteil für "nicht nachvollziehbar"

Anlass für die Befürchtungen ist ein neues Gerichtsurteil des NRW-Landessozialgerichts, wonach Arbeitslose aus Rumänien Anspruch auf Sozialleistungen haben, ohne jemals in Deutschland gearbeitet zu haben. Die Richter hatten einer rumänischen Familie Hartz-IV-Leistungen zugesprochen und eine anderslautende Vorschrift im Sozialgesetzbuch als Verstoß gegen das zwischen den EU-Ländern vereinbarte Gleichbehandlungsgebot gewertet.
Kommentar
Gesteuerte Zuwanderung - von Wilfried Goebels
Gesteuerte Zuwanderung - von Wilfried Goebels

Das Landessozialgericht NRW hat entschieden, dass EU-Ausländer in Deutschland auch dann ein Anrecht auf Hartz IV haben, wenn sie sich ausschließlich zum Zweck der Arbeitssuche in Deutschland aufhalten. Jetzt droht eine Migrationswelle, die auch auf die NRW-Kommunen zurollt.

Die Familie aus Rumänien war 2009 zur Arbeitssuche nach Deutschland gekommen und hatte zunächst von Kindergeld und dem Verkauf einer Obdachlosenzeitung gelebt. Ein im November 2010 gestellter Hartz-IV-Antrag war abgelehnt worden. Für NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) ist das Urteil des Landessozialgerichts „nicht nachvollziehbar“. Der Minister erwartet, dass das Bundessozialgericht „hier Begradigungen vornehmen wird“.

Schneiders Sicht wird nun gestützt durch eine Eil-Entscheidung des Landessozialgerichts Niedersachsen-Bremen. Demnach müssen Kommunen in einer Notlage nur die Rückreisekosten und bis dahin erforderliche Überbrückungsleistungen zahlen. Begründung: Der Gesetzgeber habe EU-Bürger bewusst von Leistungen ausgeschlossen, um einen Sozialtourismus zu verhindern, befand das Gericht in Celle (Az: L 15 AS 365/13 B ER).
Kommunen warnen vor falschen Anreizen

Nach geltendem Recht haben EU-Bürger, die nach Deutschland einwandern und Arbeit suchen, kein Recht auf Fürsorgeleistungen. Das Gericht in NRW hatte entschieden, dass dieses Ausschlusskriterium nicht mehr gilt, weil die Familie sich bereits ein Jahr in Deutschland aufhielt. In dem Bremer Fall hatte das Sozialgericht zunächst auch zugunsten der Kläger entschieden und gemeint, der Ausschluss von Leistungen verstoße gegen das europarechtliche Diskriminierungsverbot. Diese Ansicht teilte das Landessozialgericht nicht.

Sollte sich die NRW-Rechtssprechung durchsetzen fürchtet der Städte- und Gemeindebund „Anreize für den Sozialtourismus, die die Kommunen nicht verkraften können“. Hauptgeschäftsführer Schneider forderte eine politische „Lösung auf europäischer Ebene mit klaren Kriterien für die Einwanderung“. Der Chef des Ifo-Instituts, Werner Sinn, sieht Deutschland „am Beginn einer neuen Migrationswelle“.

Um das sinnvolle Grundrecht auf Freizügigkeit zu erhalten, müsse das „Heimatlandprinzip“ gelten. Danach kann jemand, der in seinem Heimatland steuerfinanzierte Sozialleistungen in Anspruch nimmt, keine Leistungen in einem anderen Land einfordern.
Ab 2014 kommt die Freizügigkeit für Bulgaren und Rumänen

Wenn 2014 die uneingeschränkte Arbeitnehmerfreizügigkeit für Bulgaren und Rumänen innerhalb der EU gilt, rechnen Experten mit einem weiteren, deutlichen Anstieg von Armutsmigranten. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit sind heute zehn Prozent der Bulgaren und Rumänen in Deutschland auf Hartz IV angewiesen – die Quote der deutschen Gesamtbevölkerung beträgt 7,5 Prozent. Unter allen Ausländern liegt der Anteil der Hartz-IV-Empfänger allerdings mit 15 Prozent deutlich über der Quote der Bulgaren und Rumänen.
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Hartz IV für arme Zuwanderer: die wichtigsten Fakten

Vor allem Rumänen und Bulgaren sind von Arbeitslosigkeit in Deutschland betroffen. Nach einem Urteil des Landessozialgerichts Essen stehen ihnen Hartz-IV-Leistungen zu. Bislang leben sie oft nur vom Kindergeld. Betroffen sind wohl bis zu 130.000 Menschen.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, verlangte in der „Welt“ angesichts der wachsenden Armutsmigration „wirksame Maßnahmen gegen die ungerechtfertigte Inanspruchnahme von Sozialleistungen durch EU-Bürger“. Sein NRW-Kollege Schneider forderte eine Steuerung der Einwanderung nach dem Vorbild Kanadas, wo Einwanderer eine Ausbildung und die Finanzierung des eigenen Lebensunterhalts garantieren müssten.

Die Innen- und Justizminister der EU wollen in dieser Woche über die innereuropäische Armutsmigration beraten. NRW-Arbeitsminister Schneider erwartet Unterstützung von der Europäischen Union etwa bei der beruflichen Förderung der oft unqualifizierten Migranten.

Wilfried Goebels

NRW-Kommunen können "Armutseinwanderung nicht verkraften" | NRZ.de - Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/nrz/politik/nrw-kommunen-koennen-armutseinwanderung-nicht-verkraften-id8730505.html#plx29309618

 

 

 

Gesteuerte Zuwanderung
03.12.2013 | 16:08 Uhr
Gesteuerte Zuwanderung
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit hat sich Ende August die Zahl der Hartz-IV-Empfänger aus Bulgarien und Rumänien mit bundesweit 38.800 Menschen gegenüber 2011 verdoppelt.Foto: Friso Gentsch/ dpa

Essen. Das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen hat entschieden, dass EU-Ausländer in Deutschland auch dann ein Anrecht auf Hartz IV haben, wenn sie sich ausschließlich zum Zweck der Arbeitssuche in Deutschland aufhalten. Jetzt droht eine Migrationswelle, vor allem mit Rumänen und Bulgaren, die auf die NRW-Kommunen zurollt. Die Idee vom Europa stößt an ihre Grenzen.

Gesteuerte Zuwanderung | NRZ.de - Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/nrz/meinung/gesteuerte-zuwanderung-id8731097.html#plx1282955715

 

 

 

Die meisten Zuwanderer verdienen Geld
13.04.2013 | 00:18 Uhr

Berlin/Duisburg. Deutschland hat in der Euro-Krise im Jahr 2012 über eine Million Zuwanderer angelockt, im Saldo 400 000 Menschen. Sie sind im Schnitt zehn Jahre jünger als die Bundesbürger, und jeder Fünfte hat einen Hochschulabschluss. Das gilt auch für Rumänen und Bulgaren. Im Alter zwischen 25 und 44 Jahren würden sie zu 72 Prozent ihr Geld selbst verdienen. Mithin werde das Ausmaß der Zuwanderung aus beiden Ländern überschätzt. Die Debatte habe eine „Schlagseite“, der Sozialtourismus sei „eher gefühlt als real“. Zu diesem Ergebnis kommt der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) in seinem Jahresgutachten. Armutszuwanderung sei die Ausnahme, „nicht die Regel“, versicherte SVR-Vorsitzende Christine Langenfeld gestern in Berlin.

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