*Fordern und Fordern *

 

Sanktionen setzen Langzeitarbeitslose unter Druck - doch ein großer Teil der Bescheide ist fehlerhaft oder rechtswidrig

 

*Von Joachim Wagner *

 

*D*ie Rechtsanwältin Ines Mroß ist Hartz-IV-Expertin und wundert sich

immer wieder über das Unrecht im Rechtsstaat. Zum Beispiel, wenn den

Mandanten ihrer kleinen Kanzlei in Berlin-Pankow der Hartz-IV-Regelsatz

entzogen oder gekürzt wird, weil sie einen Termin beim Jobcenter

versäumt oder einen Bewerbungskurs abgebrochen haben. Mroß findet, dass

die Arbeitsagenturen beim Sanktionieren von Hartz-IV-Empfängern teils

"überfordert" sind, teils "schikanös" vorgehen.

 

So erhielt eine Mandantin drei Bescheide an einem Tag: Sie senkten die

Leistung um insgesamt 62 Euro, weil die Frau drei Termine beim Jobcenter

versäumt hatte. Kürzungen bei "wiederholten Pflichtverstößen" müssen

aber nacheinander ausgesprochen werden - damit der Hartz-IV-Empfänger

überhaupt eine Chance hat, sein Verhalten zu ändern. Später wurde der

Mandantin der Regelsatz um 60 Prozent gekürzt, weil sie ihre Tochter

nach einer Mandeloperation aus dem Krankenhaus abholte, statt sich im

Jobcenter zu melden - das sei kein "wichtiger Grund", den Termin nicht

einzuhalten.

 

Sanktionen gegen Hartz-IV-Empfänger sind oft fehlerhaft und

rechtswidrig. Der Anteil erfolgreicher Widersprüche stieg von 31,4

Prozent 2006 auf 37,4 Prozent 2008, in Klagen vor Sozialgerichten

setzten sich die Leistungsempfänger 2006 in 41,7 Prozent der Fälle

durch, 2008 waren es 63,3 Prozent. Wenn aber mehr als die Hälfte der

Sanktionen fehlerhaft sind, ist das rechtsstaatliche Minimum unterschritten.

 

"Fördern und Fordern" riefen die Hartz-IV-Reformen zum Prinzip aus;

Sanktionen sind ein Kernelement, um es durchzusetzen. Um 10 Prozent kann

die Arbeitsagentur den Regelsatz von derzeit 359 Euro für drei Monate

kürzen, wenn der Empfänger einen Termin beim Arzt oder beim Jobcenter

versäumt. Wenn er nicht genug Bewerbungen schreibt,

Beschäftigungsmaßnahmen abbricht, zumutbare Arbeit oder einen

Ein-Euro-Job nicht antritt, kann die Arbeitsvermittlung die Sanktionen

erhöhen und erst um 30 Prozent kürzen, dann um 60 Prozent, schließlich

komplett. Bei wiederholten Pflichtverstößen werden zusätzlich die Kosten

der Unterkunft - Miete und Heizung - befristet gestrichen.

 

Nur eine Minderheit geht gegen Sanktionen vor. Die meisten fügen sich;

sie sind - wie die "Berliner Kampagne gegen Hartz IV" in einer Befragung

herausgefunden hat - "überfordert", "hängen durch", "igeln sich ein".

Nur gegen rund ein Zehntel der 780

 

000 verhängten Sanktionen 2008 legten die Betroffenen Widerspruch ein,

das waren 2,8 Prozent aller Leistungsempfänger. Und nur ein Prozent

klagte gegen Sanktionen.

 

Dabei sind es Zehntausende, denen die Sanktionen hart zusetzen. Hartz IV

soll das Existenzminimum garantieren - wenn der Betrag gekürzt wird oder

wegfällt, trifft es den Alltag der Empfänger unmittelbar. Widersprüche

gegen die Bescheide haben keine aufschiebende Wirkung.

 

Nach den Erfahrungen des Berliner Sozialrichters Michel Kanert verliert

die Arbeitsvermittlung rund die Hälfte der Prozesse aus formalen

Gründen: Rechtsmittelbelehrung und Eingliederungsvereinbarung sind nicht

konkret genug, das Verwaltungshandeln ist nicht gerichtsfest

dokumentiert. Zum Beispiel werden Vorladungen nicht per

Zustellungsurkunde geschickt, denn das kostet die Arbeitsagentur acht

Euro. Es ist auch schon vorgekommen, dass Jobcenter Akten nicht finden

konnten. Die Sozialrechtsexpertin Andrea Draeger zieht das Fazit: "Die

Arbeitsverwaltung ist nicht in der Lage, gerichtsfeste Bescheide zu

erlassen."

 

Jens Regg, Geschäftsführer der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg,

sagt, der Sanktionsparagraph sei sehr "kompliziert". In der Tat: 505

Worte und zehn Verweise auf andere Vorschriften sind selbst für

Volljuristen schwer zu handhaben. Die Mitarbeiter der Jobcenter aber

sind, so Regg, zu 30 Prozent fachfremd, etwa aus Friedhofsämtern und von

der Telekom zur Arbeitsvermittlung gestoßen, viele nur auf Zeit.

 

Crashkurse im Sozialrecht reichten nicht, sagt Regg. Es komme vor, dass

Arbeitsvermittler "statt mit einem Präzisionsgewehr mit der Artillerie"

schössen, räumt er ein. Disziplinlosigkeit und Ausreden der

Leistungsempfänger bauten bei Mitarbeitern manchmal "Emotionen bis zur

Weißglut auf", verleiteten sie zu Verfolgungsjagden nach dem Motto:

"Dich krieg ich schon."

 

Solche Schwächen führen in Berlin dazu, dass schon die

Widerspruchsstellen in den Arbeitsagenturen 50 Prozent der

Sanktionsbescheide ihrer Kollegen aufheben. Noch peinlicher: Mitte

Oktober erließ die Bundesagentur die Weisung, rund 1000 Sanktionen zu

überprüfen. Sie waren verhängt worden, weil Leistungsempfänger sich

geweigert hatten, Eingliederungsvereinbarungen zu schließen. Dabei hatte

die Nürnberger Zentrale bereits 2008 mitgeteilt, dass es keine Pflicht

zum Abschluss dieser Verträge gebe. Jobcenter, die die Weisung

ignorierten, müssen die geminderten Beträge wieder auszahlen.

 

Unklar ist bisher, wie die Sanktionen wirken, ob sie etwa die

Arbeitsbereitschaft steigern. 54 Prozent aller 2008 verhängten

Sanktionen richten sich gegen Meldeversäumnisse, etwa, weil

Hartz-IV-Empfänger Termine versäumten. In der bisher einzigen

wissenschaftlichen Analyse der Sanktionspraxis bilanziert Ingmar

Kumpmann vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle, dass Sanktionen

mehr zum Aufbau einer "allgemeinen Drohkulisse" als zur "treffsicheren

Disziplinierung" taugen.

 

In jüngster Zeit wächst bei den Sozialgerichten das Unbehagen besonders

über den Umgang mit 15- bis 25-Jährigen. Ihnen müssen die Jobcenter

(außer bei Meldeversäumnissen) schon beim ersten Verstoß den kompletten

Regelsatz befristet streichen. Bei wiederholten Pflichtverstößen müssen

sie obendrein die Kosten der Unterkunft aberkennen.

 

Wozu das führen kann, zeigt der Hungertod eines 20-jährigen arbeitslosen

Sonderschülers im Sommer 2007 in Speyer. Ihm war die Regelleistung

gestrichen worden - rechtswidrig. Das Bundesarbeitsministerium befand

aber, Mutter und Sohn hätten ja Lebensmittelgutscheine beziehen können.

Es liegt im Ermessen der Jobcenter, ob sie bei Streichung der

Grundsicherung Lebensmittelgutscheine ausgeben. In der Praxis

informieren sie oft gar nicht oder schlecht über diese Möglichkeit - was

mehrere Landessozialgerichte in Urteilen heftig rügen.

 

In ihren Wahlprogrammen verlangten Grüne und Linke, die Sanktionen bei

Hartz IV auszusetzen. Dafür hat auch das "Bündnis für ein

Sanktionsmoratorium" 13

 

000 Unterschriften gesammelt. Ein Moratorium ergibt jedoch keinen Sinn,

weil das Hartz-IV-System ohne disziplinierende Maßnahmen nicht

funktioniert. Dringend nötig sind deshalb zwei andere Schritte: eine

bessere juristische Schulung der Mitarbeiter sowie eine bessere

Information über und großzügigere Gewährung von Lebensmittelgutscheinen,

die das Existenzminimum sichern.

 

*Joachim Wagner* ist freier Autor und war stellvertretender Leiter im Hauptstadtstudio der ARD

 

 

*Erfolgsmodell Hartz?*

 

Institut zieht positive Bilanz - mit Flecken

 

*Von Markus Sievers*

 

*Berlin. *Nach einem Jahr Wirtschaftskrise macht ausgerechnet Hartz IV

Mut. Im Aufschwung waren die Langzeitarbeitslosen die Letzten, die vom

Wachstum profitierten - jetzt aber, im konjunkturellen Tief, nimmt ihre

Gruppe kaum zu. Das größte Problem am deutschen Arbeitsmarkt, die

Langzeitarbeitslosigkeit, hat sich nur unwesentlich verschärft, betont

das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in seiner

Bilanz zu fünf Jahren Hartz IV.

 

Seit die Lehman-Pleite die Wirtschaftswelt an den Abgrund führte, stieg

die Zahl der Arbeitslosengeld-Bezieher um 18,5 Prozent oder 170

 

000. Vergleichsweise glimpflich fällt dagegen die Zunahme der

Hartz-IV-Empfänger um 2,8 Prozent oder 60 000 aus.

 

Doch schon im kommenden Jahr werden sich die Beschäftigungschancen von

Langzeitarbeitslosen laut IAB-Prognose deutlich verschlechtern.

Einerseits gibt es mehr Arbeitslose, denen der Fall in Hartz IV droht,

wenn sie nicht bald eine neue Stelle finden. Andererseits wird der

Absprung aus Hartz immer schwerer, wenn die Unternehmen nicht einstellen.

 

*Lieber sechs Euro die Stunde *

 

Insgesamt werten die Forscher die Hartz-Reformen trotz einiger

Vorbehalte als Erfolg. Die starken Beschäftigungsgewinne im

zurückliegenden Aufschwung und die außergewöhnliche Stabilität jetzt in

der Krise führen sie zum großen Teil auf die umstrittenen politischen

Weichenstellungen zurück. Die Bereitschaft, auch schlecht bezahlte

Arbeit anzunehmen, sei deutlich gewachsen. Und die Betroffenen werten

dies positiv, wie eine Befragung des IAB ergab. "Wer sechs Euro in der

Stunde verdient, ist zufriedener als jene, die in Hartz IV verbleiben",

berichtet IAB-Forscher Mark Trappmann.

 

Defizite sieht IAB-Direktor Joachim Möller bei der individuellen

Förderung und bei Problemgruppen. Zwar beginne sich "ein ganzheitlicher

Ansatz" in der Betreuung der Hartz-IV-Empfänger durchzusetzen, meint

Möller. Doch im Einzelfall hapere es. So würden unsinnige

Trainingsmaßnahmen verordnet oder junge Leute in Ein-Euro-Jobs gesteckt,

obwohl diese für Menschen ohne Chancen auf reguläre Beschäftigung

gedacht seien.

 

*Alleinerziehende scheitern oft *

 

Mehr Unterstützung fordert das IAB, die Forschungsstätte der

Bundesagentur für Arbeit, für Alleinerziehende ein. Sie seien häufig gut

qualifiziert und schafften dennoch kaum den Einstieg ins Berufsleben,

weil die Kinderbetreuung fehle. Für Möller ist dies ein Beispiel dafür,

dass "viele Probleme am Arbeitsmarkt sichtbar werden", sich aber nicht

durch Reformen am Arbeitsmarkt allein lösen ließen.

 

Hauptmanko bleiben die hohen Hürden für Hartz-IV-Bezieher, den Ausstieg

aus der Unterstützung zu schaffen. Einmal Hartz IV, immer Hartz IV - das

gilt für viele noch immer. Rund drei Viertel beziehen Arbeitslosengeld

II mindestens zwölf Monate durchgängig. Von denen, die kein Hartz IV

mehr bekommen, wechselt nur jeder Zweite in eine Beschäftigung. 14

Prozent nehmen eine Aus- oder Weiterbildung oder ein Studium auf. Je

sechs Prozent gehen in Rente oder werden Hausfrau/-mann. Immerhin 17

Prozent derer, die kein Arbeitslosengeld II mehr bekommen, sind weiter

arbeitslos. Dass sie keine staatliche Hilfe mehr beziehen, liegt zum

Beispiel daran, dass ihr Partner eine Stelle gefunden hat. Seite 11

 

 

*Immer weniger Vollzeitjobs**1,4 Millionen** ganze Stellen sind seit

1999 weggefallen **1,8 Millionen **Menschen brauchten 2007 zwei Jobs

**Hartz IV** habe aber positiv gewirkt, sagen BA-Forscher *

 

*Von Markus Sievers *

 

*Berlin.* Immer weniger Menschen in Deutschland finden eine

sozialversicherungspflichtige Vollzeitstelle. Dies berichtet die

Bundesregierung in einer der Frankfurter Rundschau vorliegenden Antwort

auf eine Anfrage der Linkspartei. Demnach nahm die Zahl der

Vollzeitbeschäftigten zwischen Juni 1999 und Juni 2008 um 1,4 Millionen

oder sechs Prozent auf 22,4 Millionen Menschen ab. Zugleich wuchs die

Zahl der Teilzeitbeschäftigten um 1,3 Millionen oder 36 Prozent auf fünf

Millionen. Auf dem Vormarsch sind Minijobs, deren Zahl binnen sechs

Jahren um 29 Prozent auf über sieben Millionen hochschnellte. Und immer

mehr Arbeitnehmer kommen mit einer Stelle nicht über die Runden. Nach

Angaben der Bundesregierung verdoppelte sich die Zahl der Menschen mit

zwei Jobs zwischen 2002 und 2007 auf 1,8 Millionen. Neuere Daten liegen

nicht vor.

 

"Hartz IV und Leiharbeit haben zu einem Erdrutsch bei den regulären

Arbeitsplätzen geführt", kritisiert die Arbeitsmarktexpertin der

Linkspartei, Sabine Zimmermann. Schwarz-Gelb wolle dort weitermachen und

treibe so "Millionen Menschen in Billigjobs und Armut".

 

Dagegen zieht das Forschungsinstitut IAB der Bundesagentur für Arbeit

ein "verhalten positives Fazit" nach fünf Jahren Hartz IV. Die

Beschäftigung habe sich dank der Reformen deutlich günstiger entwickelt,

meinte IAB-Chef Joachim Möller. Insbesondere die

Langzeitarbeitslosigkeit sei spürbar zurückgegangen. Erstmals sei es

gelungen, den "harten Kern" der Arbeitslosigkeit aufzuweichen.

 

Allerdings weisen die Forscher in ihren Untersuchungen auch auf

erhebliche Mängel hin. Denn weiterhin schafften es nur relativ wenige

Menschen, aus der staatlichen Hilfe auszusteigen. Drei von vier

Hartz-IV-Empfängern beziehen diese Leistung mindestens ein Jahr ohne

Unterbrechung.

 

Seiten 2/3, 11

fr 16.12.09

 

 

*Hartz IV hilft auch *

 

*Von Markus Sievers*

 

*G*emessen an der Aufregung um Hartz IV fällt die tatsächliche Bilanz

nach fünf Jahren erstaunlich differenziert aus. Hartz IV war nicht der

Durchbruch im Kampf gegen die Massenarbeitslosigkeit. Es steht aber auch

nicht für Armut per Gesetz, wie die Gegner behaupten.

 

Als verhalten positiv beschreibt das IAB, die Forschungsstätte der

Bundesagentur für Arbeit, die Lage nach einem halben Jahrzehnt Hartz IV.

Das trifft den Kern. Sowohl die eindeutige Ablehnung als auch die

vorbehaltlose Zustimmung lassen sich mit Ideologie erklären, aber nicht

mit den Fakten. Die ergeben ein gemischtes Bild, wobei das Erfreuliche

überwiegt.

 

Der deutsche Arbeitsmarkt schafft mehr Stellen als in der Vergangenheit.

Das scheinbare Naturgesetz, dass die Arbeitslosigkeit im Trend immer

steigt, ist gebrochen. Ja, mehr Menschen müssen zu niedrigen Löhnen in

unsicheren Verhältnissen arbeiten. Dafür aber haben Hunderttausende den

Weg zurück in die Berufswelt gefunden. Dies ist der größte Erfolg, der

ohne die Arbeitsmarktreformen nicht möglich gewesen wäre. Hartz IV ist

besser als sein Ruf.

FR

 

 

16.12.2009 / Inland / Seite 2Inhalt

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IAB: Hartz IV wirkt positiv

Forschungsinstitut räumt aber schwierigere Lage der Erwerbslosen ein

Trotz schwieriger gewordener Eingliederung hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit eine positive Bilanz der ersten fünf Jahre Hartz IV gezogen. »Alles in allem wirkt Hartz IV positiv«, behauptete der Leiter des Instituts, Joachim Möller, am Dienstag in Berlin. Seit der Einführung des Arbeitslosengelds II (ALG II) im Januar 2005 sei die Langzeitarbeitslosigkeit deutlich zurückgegangen. Auch die Vermittlung offener Stellen an Arbeitslose habe sich verbessert. IAB-Vizedirektor Ulrich Walwei erklärte, die Zahl der ALG-II-Bezieher sei seit Ausbruch der Wirtschaftkrise im Herbst 2008 um nur 2,8 Prozent gestiegen, es sei aber im nächsten Jahr mit massiveren Auswirkungen zu rechnen.

Das IAB räumte gleichzeitig ein, insgesamt habe sich die Lage der Erwerbslosen verschlechtert. So gebe es mehr Übergänge vom ALG I ins ALG II. Zudem sei es schwieriger geworden, wieder in ein Beschäftigungsverhältnis zu finden. Schaffe ein Hartz-IV-Bezieher den Sprung zurück ins Erwerbsleben, seien seine Arbeitsbedingungen meist prekärer als im letzten Job. »Die Hälfte der Jobs, die Hartz-IV-Empfänger annehmen, sind befristet, 29 Prozent arbeiten unterhalb ihres Qualifikationsniveaus«, sagte der Leiter der IAB-Studie, Mark Trappmann. Im Durchschnitt schafft etwa ein Viertel der Betroffenen pro Jahr den Ausstieg aus Hartz IV, die Hälfte dieser Personen wiederum schafft den Sprung in die Erwerbstätigkeit. Jeder zweite ehemalige Hartz-IV-Bezieher verdient zunächst weniger als 7,76 Euro brutto pro Stunde.

Verlierer der Reformen sind laut Möller alleinerziehende Frauen, die trotz vergleichsweise guter Qualifikationen länger in Hartz IV verbleiben als kinderlose ALG-II-Empfänger. Den schlechten Ruf der »Reformen« begründete er mit einer »katastrophalen Öffentlichkeitsarbeit«. Die Ärmsten der Armen hätten im Vergleich mit der alten Sozialhilfe sogar gewonnen. »Die Armut ist gleicher geworden«, erklärte Möller. ALG-II-Bezieher mit Ein-Euro-Job sind nach seinen Angaben zufriedener mit ihrer Situation als solche ohne sogenannte Beschäftigung mit »Mehraufwandsentschädigung« (MAE). Zum verbreiteten Mißbrauch der Ein-Euro-Jobs als Ersatz regulärer Arbeitsverhältnisse äußerte er sich nicht, merkte aber an, daß sie »noch einzelfallorientierter« eingesetzt werden müßten. (APD/jW)