FDP-Chef wettert über
"staatlich bezahlte Faulheit"
Westerwelle will bei Wahlsieg Sozialpolitik neu
buchstabieren / Erwerbslosenforum beklagt Hetzkampagne
Der FDP-Vorsitzende
Guido Westerwelle will bei einem Wahlsieg Korrekturen in der Sozialpolitik
vornehmen. "Die Treffsicherheit des Sozialstaates muss größer
werden", sagte Westerwelle der Saarbrücker Zeitung. Er betonte: "Es
gibt kein Recht auf staatlich bezahlte Faulheit."
So sei es unerträglich, wenn manche Arbeitslose in
Talk-Shows erklärten, sie lebten vom Sozialstaat und arbeiteten schwarz und
gleichzeitig das normal arbeitende Publikum beschimpften. "Die werden bei
uns kein Geld bekommen." Zugleich betonte Westerwelle, dass es ungerecht
sei, wenn jemand mit Mitte 50 arbeitslos werde "und dann alles, was er
sich zurückgelegt hat, durch den Schornstein geht. Das werde ich ändern".
Der FDP-Chef kündigte an, das Schonvermögen für "Hartz
IV"-Empfänger zu verdreifachen.
Das Erwerbslosenforum Deutschland kritisierte die Aussagen
Westerwelles scharf. "Westerwelle weiß nur zu genau, dass die von ihm ins
Felde geführten Teilnehmer an Talkshows in der Regel präpariert werden und
oftmals noch nicht mal arbeitslos sind", sagte der Sprecher des Forums,
Martin Behrsing. Westerwelle betreibe eine "Hetzkampagne",
die sehr an den ehemaligen SPD-Arbeits- und
Wirtschaftsminister Wolfgang Clement erinnere.
Unterdessen warnten SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter
Steinmeier und DGB-Chef Michael Sommer erneut vor einer möglichen Koalition aus
Union und FDP nach der Bundestagswahl. "Ich bin sicher, dass Schwarz-Gelb
soziale Grundsatzkonflikte in unserer Gesellschaft neu aufreißen würde",
sagte Steinmeier dem Magazin Spiegel. "Wirtschaft, Union und FDP in einem
Boot, das bedeutet soziale Kälte", warnte DGB-Chef Sommer in der Passauer
Neuen Presse. Wer in der Krise massive Steuersenkungen verspreche, wolle den
Staat "ausplündern" und "handlungsunfähig machen".
Unterdessen werden die Liberalen von der CSU weiter
attackiert. Parteichef Horst Seehofer bekam am Samstag bei Beratungen der
CSU-Spitze in München Rückendeckung für diesen Kurs. Es gehe um eine
"inhaltliche Auseinandersetzung" mit der FDP.
Die CSU will sich unter anderem in der Sozialpolitik und in
der Agrarpolitik von der FDP abgrenzen. Seehofer warnte vor Forderungen nach
Kürzungen im Arbeits- und Sozialbereich. Der CSU-Chef sagte: "Die FDP
gefährdet den Wahlerfolg von Schwarz-Gelb, wenn sie weiterhin mit neoliberalen
Schreckgespenstern Wahlkampf macht. Das sollte Westerwelle aus 2005 doch
gelernt haben." Seite 11ddp
Fr 7.9.09