Drogenrat bei Drogen ratlos

 UN-Gremium fällt zu Suchtproblemen nur Repression ein

Von Volker Schmidt

Die Welt ist drogenfrei. Theoretisch. Der Internationale Suchtstoffkontrollrat (INCB) der Vereinten Nationen hatte 1998 von der Generalversammlung einen Zehnjahresplan genehmigen lassen, der alle Drogen hinwegfegen sollte. Manche Praktiker der Drogenpolitik nehmen den Rat spätestens seit damals nicht mehr so ganz ernst, obwohl er alljährlich wie am Dienstag einen vor Zahlen und Statistiken nur so strotzenden Jahresbericht vorlegt. Immer ganz wichtig mit Sperrfrist (wenn Sie dies vor 00:01 Uhr GMT lesen, brechen Sie die Lektüre sofort ab!).

Kernthese bei der Berliner Präsentation des Berichts: Es wird zu wenig gegen Drogenkriminalität getan. Statt Bosse zu jagen, befördere die Polizei kleine Konsumenten hinter Gitter. Im gleichen Atemzug kritisierte INCB-Expertin Carola Lander laut dpa die deutschen Drogenkonsumräume. Die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) wies dies zurück: „Die Forderung nach Schließung der Drogenkonsumräume ist falsch.“ Die bundesweit 24 Räume, in denen Abhängige ihre illegalen Drogen sauber einnehmen und sich auf Krankheiten wie HIV testen lassen können, verhinderten viele Drogentode. Lander entgegnete: „Das darf nur der allererste Schritt sein, damit die Betroffenen von ihren illegalen Drogen wegkommen.“

Kritiker werfen dem INCB rückständige Positionen vor, mit zu viel Gewicht auf Repression. Bei der Vorstellung des aktuellen Reports wurden vor allem zu geringe Aufklärungsquoten und zu schwache Strafen für Drogenkriminalität moniert. INCB-Präsident Philip Emafo mahnte „geeignete Maßnahmen“ an. Der stellvertretende INCB-Leiter Pavel Pachta forderte in Wien Durchgreifen gegen süchtige Stars: „Kriminelle Prominente müssen von der Justiz wie ganz normale Menschen behandelt werden.“

Besondere Sorgen bereitet den Experten Afghanistan, wo der Schlafmohnanbau 2007 um 17 Prozent anstieg. 8200 Tonnen Opium wurden produziert. Heroin für Europa komme fast vollständig vom Hindukusch. „Afghanistan muss mehr tun, um sein eskalierendes Drogenproblem in den Griff zu bekommen“, forderte der INCB. Aber auch der Missbrauch verschreibungspflichtiger Medikamente greife um sich.

 

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Ausgabe: Stadtausgabe (Nr. 55)
Datum: Mittwoch, den 05. März 2008
Seite: 8