Die Bürger wollen
lieber mehr Hartz IV
Mehrheit lehnt das
Berliner Konjunkturprogramm ab / Linke
präsentiert
Gegenkonzept
Von Stephan
Hebel
Die
Bundesbürger lehnen das Konjunkturprogramm der Regierung mit
klarer
Mehrheit ab. Mehr Zustimmung findet das Gegenkonzept
einer
Wissenschaftler-Gruppe, das auf deutliche Erhöhungen bei
Hartz IV, Renten und Mindestlöhnen setzt, um die Kaufkraft
zu
stärken. Das
ergab eine repräsentative Umfrage des Instituts
Infratest dimap, die die Professoren gemeinsam mit der FR in
Auftrag
gegeben hatten.
Unter den 1000
Befragten sprachen sich 36 Prozent für das
Programm der
großen Koalition und 48 Prozent für den
Gegenentwurf von fünf
Politikwissenschaftlern aus (Rest: beide
gleich oder
keine Meinung). Das Konzept, veröffentlicht am 16.
Januar in der
FR, fordert unter anderem die Erhöhung des
Hartz-IV-Regelsatzes auf 500 Euro, einen gesetzlichen
Mindestlohn
von zehn Euro und 100 Euro mehr für alle Rentner,
die zurzeit
weniger als 800 Euro bekommen.
Der Umfrage
zufolge hat das Konjunkturprogramm der Regierung nur
bei Anhängern
von CDU/CSU eine Mehrheit. Sympathisanten der
mitregierenden
SPD lehnen es klar ab (siehe Grafik). Selbst
unter
FDP-Anhängern gibt es mehr Nein- als Ja-Stimmen (46 zu 39
Prozent). Im
Osten ist die Ablehnung (57 zu 29 Prozent)
wesentlich
stärker als im Westen (45 zu 38). Die Zustimmung
dagegen steigt
mit dem Einkommen der Befragten (bis 1500 Euro:
25 Prozent,
über 3000 Euro: 47 Prozent).
Ein eigenes
Gegenkonzept will heute im Bundestag die Linkspartei
einbringen.
Sie fordert alle Euroländer auf, "so lange wie
nötig"
jedes Jahr zwei Prozent der Wirtschaftsleistung
(Bruttoinlandsprodukt) in Konjunkturprogramme zu stecken. Für
Deutschland
wären das knapp 50 Milliarden Euro pro Jahr.
Parteichef
Oskar Lafontaine sagte der FR, der "Kurswechsel"
müsse jetzt
"rasch kommen". Ein Warten auf bessere europäische
Koordinationsmechanismen "würde die Rezession noch weiter
vertiefen und
verlängern".
HEBEL
© Copyright Frankfurter Rundschau
Ausgabe: Stadtausgabe (Nr. 37)
Datum: Freitag, den 13. Februar 2009
Seite: 4