Initiativkreis Armut in Düsseldorf

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                Tel: 8549324

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                                                                                                          Düsseldorf, 16.10.2008

 

Pressemitteilung und Einladung zur Pressekonferenz

Im historischen „Ponyzug“ der Rheinbahn am 22.10. um 11.00 Uhr

An der Straßenbahnhaltestelle Jan Wellem Platz

Mit Pater Wolfgang Sieffert (Altstadt-Armenküche), Christian Arnold (Leiter der Abteilung Wohnungslosenhilfe der Diakonie in Düsseldorf), Hubert Ostendorf (fiftyfifty) und Holger Kirchhöfer (Initiativkreis Armut in Düsseldorf)

 

Sozialticket für Arme

Initiativkreis Armut fordert für Düsseldorf Lösung nach Dortmunder Modell

 

Seit 10 Jahren versuchen die Mitglieder des Initiativkreises Armut in Düsseldorf für Menschen, die von Sozialhilfe, Arbeitslosengeld II (Hartz IV) oder Grundsicherungsleistungen leben, ein Monatsticket zu einem angemessenen Preis zu verwirklichen. Dieser Preis darf den Betrag für Fahrtkosten, der in den monatlichen Hilfsleistungen enthalten ist, nicht überschreiten.

Bei einer Befragung von 681 Menschen in sozialen Einrichtungen im Juni diesen Jahres hat sich deutlich gezeigt, dass gerade arme Menschen auf Bus und Bahn angewiesen sind. Sie benutzen den öffentlichen Nahverkehr überwiegend täglich, um Ämter, Behörden, soziale und medizinische Hilfsangebote zu erreichen (75% täglich, 93% mindestens wöchentlich). Die Mehrzahl (über 70%) hat meistens Fahrscheine und wenn irgendwie möglich Monatstickets (56%). Die materielle Armut macht es jedoch für fast jeden zweiten Betroffenen unmöglich, ein Monatsticket zu kaufen, weil sie es sich „vom Munde absparen müssen“. Etwa ein Viertel gibt an, sich einzelne Fahrscheine nicht leisten zu können, vor allem am Monatsende. So ist fast die Hälfte der Befragten in den letzten Monaten beim "Schwarzfahren" aufgefallen und/oder hatte bereits deshalb Verurteilungen zu Geld- bis zu Haftstrafen. Damit sind sie vorbestraft und es entstehen für die Steuerzahler unnötige und unsinnige Kosten durch Strafverfolgung, Gerichtsverfahren und Inhaftierung. Über drei Viertel der Befragten lebt von Arbeitslosengeld II oder Grundsicherungsleistungen, die übrigen von kleinem Lohn, Rente oder Betteln. Fast alle (93%) geben an, dass sie bei deutlicher Preisreduzierung ein Monatsticket kaufen würden.

Städtische Mitarbeiter in Arge oder Sozialamt fahren jetzt schon mit einem Firmenticket billiger Bahn als die Hilfeempfänger, die ihnen gegenüber sitzen; Studenten zahlen 15 € im Monat. In Dortmund, mit einer höheren Arbeitslosenquote als in Düsseldorf, gibt es inzwischen ein Sozialticket für 15 €. Das sollte auch in einer wohlhabenden und schuldenfreien Stadt wie Düsseldorf möglich sein.

 

Eine Ausführliche Auswertung der Befragung finden Sie unter:

http://ik-armut.de/inhalt/befragungoepnv.htm

 

Für weitere Informationen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung

Christian Arnold, Leiter der Abteilung Wohnungslosenhilfe der Diakonie in Düsseldorf

Tel. 0211 7353-208

Holger Kirchhöfer, Initiativkreis Armut in Düsseldorf

Tel. 0211 8549324, 0163 2576235

 

Diakonie in Düsseldorf, Straßenmagazin fiftyfifty, Altstadt-Armenküche, Jungendberatung der AWO Familienglobus gGmbH, Initiative K. und Verein für individuelle Lebensgemeinschaft für den Initiativkreis Armut in Düsseldorf

 

 

 

Diakonie fordert Sozialticket für Bedürftige


(semi) Wer in Düsseldorf von Arbeitslosengeld II lebt, sollte gut zu Fuß unterwegs sein. Nur etwa 20 Euro der Bezüge sind für Fahrtkosten vorgesehen. Um in der Stadt mobil unterwegs zu sein, muss man für ein Monatsticket des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (VRR) aber rund 50 Euro bezahlen.


Bei einer Umfrage unter fast 700 Besuchern der Diakonie-Wohnungslosenhilfe hat die Diakonie herausgefunden, dass etwa 47 Prozent der Bedürftigen die öffentlichen Verkehrsmittel daher oft oder gelegentlich ohne Fahrschein benutzen. 92 Prozent der Befragten gaben an, dass sie ein Monatsticket zu einem ermäßigten Preis von 15Euro kaufen würden, wenn es eines gäbe. „Von Armut betroffene Menschen brauchen viel Mobilität, um Termine zu erledigen, zu Ärzten oder Behörden zu fahren oder auch soziale Kontakte aufrecht zu erhalten“, erklärt Diakonie-Pfarrer Thorsten Nolting. So auch der Hartz IV-Empfänger Karl-Heinz Ittenbach (58): „Ich bin Diabetiker und kann nicht lange zu Fuß laufen. Fast jeden Tag habe ich aber Termine bei Ärzten oder Behörden. 4,40 Euro für ein Hin- und Rückfahrtticket sind unzumutbar: Für das Geld bekomme ich ein Mittagessen, ein Brötchen, zwei Kaffee.“


„Die Einführung von Sozialtickets wurde mehrfach diskutiert, aber abgelehnt, weil nur eine Gesamtlösung im VRR-Bereich möglich sei“, erklärt Christian Arnold, Diakonie-Leiter der Hilfen für Menschen ohne Wohnung. Die Begründung will Arnold aber nicht länger gelten lassen. Die Stadt Dortmund, die im VRR-Verbund ist, hat inzwischen das Sozialticket zu einem Preis von 15 Euro eingeführt. „Und für Mitarbeiter der Stadtverwaltung und privater Firmen gibt es in der Stadt doch auch vergünstigte Tickets, warum nicht auch für Bedürftige, die eine Preisermäßigung dringend brauchen?“


Mit dem Info-Blatt „Armut“, das ab sofort im zwei-Monats-Rhythmus herausgegeben wird, will die Diakonie die Sorgen und Probleme bedürftiger Menschen in der Stadt vorstellen. Die Broschüre wird in den Diakonie-Anlaufstellen und den evangelischen Kirchengemeinden ausgelegt und den politischen Vertretern der Stadt zugeschickt.

 

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Quelle:
Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Düsseldorf
Ausgabe: Nr.242
Datum: Donnerstag, den 16. Oktober 2008
Seite: Nr.34