Designerdrogen drängen auf den Markt
05. März 2013
Man nennt sie Designerdrogen, «Legal Highs»
oder «Badesalzdrogen»: Solche psychoaktiven Substanzen werden immer häufiger
konsumiert. Foto: Boris Roessler
Berlin. Bald dürften rund ein Dutzend neuer
Designerdrogen in Deutschland verboten werden. Doch auch die harte Hand des
Staats bannt die Gefahren nicht auf Dauer.
Knallbunte Tütchen, vermeintliches Räucherwerk oder Badesalz -
Designerdrogen drängen in immer neuen Formen auf den Markt. Im Schnitt jede
Woche kommt laut Drogen-Überwachungsrat der Vereinten Nationen eine neue
Substanz zu den Konsumenten. Vor allem junge Männer greifen zu. Wie groß die
Gefahr in Deutschland ist und warum sich nur so schwer Rezepte dagegen finden
lassen - die wichtigsten Fragen und Antworten:
Welche Arten von synthetischen Drogen gibt es?
Einerseits sind es Amphetamine wie Ecstasy,
Crystal oder Vanilla Sky,
die als Pulver oder Tabletten in badesalzähnlichen Verpackungen verkauft
werden. Sie machen aktiv bis aggressiv. Cannabinoide
hingegen wirken wie natürliches Cannabis dämpfend,
aber stärker. Lava Red oder Spice heißen solche
Produkte.
Sind diese Drogen legal?
Nicht immer. So wurden im vergangenen Sommer in Deutschland 28 Substanzen
verboten. Sie wurden neu ins Betäubungsmittelgesetz (BtMG)
aufgenommen.
Warum gibt es dann viele legale Designerdrogen?
Es ist ein Hase-und-Igel-Spiel: Schon kleinere Veränderungen der molekularen
Struktur machen aus einem verbotenen Stoff offiziell eine neue Substanz, die
dann nicht unter das BtMG fällt. Einem Verbot per
Rechtsverordnung geht ein aufwendiges Verfahren voraus.
Kommen bald neue Verbote?
Ja. Der zuständige Ausschuss beim Bundesinstitut für Arzneimittel und
Medizinprodukte hat in seiner jüngsten Sitzung das Verbot von rund einem
Dutzend neuer Stoffe empfohlen. Damit ist die nächste Verbotswelle
vorgezeichnet.
Was kann gegen das Problem neuer legaler Designerdrogen helfen?
Statt dem BtMG einzelne Stoffe zu unterstellen,
könnten ganze Stoffgruppen verboten werden. Allerdings stehen dem verfassungsrechtliche Bedenken entgegen.
Wie viele Menschen nehmen synthetische Drogen?
Nach Einschätzung der Bundesregierung haben etwa zwei Millionen Erwachsene
bereits Amphetamine genommen - 150 000 tun es regelmäßig. Etwa 400 000
Erwachsene haben schon einmal neue synthetische Substanzen wie
Räuchermischungen oder Badesalze probiert. Experten gehen von einer deutlichen
Dunkelziffer aus.
Was weiß man über typische Konsumenten?
Laut einer Befragung des Centre for Drug Research
in Frankfurt/Main sind 89 Prozent der Konsumenten männlich und im Schnitt 24
Jahre alt. Die meisten haben auch Erfahrungen mit Cannabis oder anderen
illegalen Drogen. In Süddeutschland und in Großstädten sind die Stoffe am
weitesten verbreitet. Zu 77 Prozent haben die Konsumenten die Stoffe demnach aus
deutschen Online-Shops.
Was sind die Motive für den Konsum?
Der Freiburger Rechtsmediziner Volker Auwärter
wird so zitiert: «Synthetische Drogen sind besonders interessant für junge
Erwachsene, deren Arbeitgeber einen Drogentest durchführen.» Denn normalerweise
lassen sich die Stoffe schwer nachweisen. Auch Neugier und Lust auf Rausch
zählen zu den Gründen.
Was sind die Risiken?
Crystal zum Beispiel bläst Müdigkeit und Hunger weg. Doch das Suchtpotenzial
ist riesig. Auszehrung, sich zersetzende Schleimhäute, Zahnschäden,
nachlassende Gedächtnisleistung, Psychosen bis hin zu paranoider Schizophrenie
können die Folgen der Partydroge sein. Die Drogen kommen oft aus tschechischen
Drogenküchen.
Bereiten synthetische Drogen Suchtexperten die größten Sorgen?
Nein. So trinken rund 9,5 Millionen Menschen in Deutschland gefährlich viel
Alkohol. Rund 73 000 sterben jedes Jahr an den Folgen. 31 Prozent der Männer
und 21 Prozent der Frauen rauchen. Rund 1,4 Millionen Bundesbürger kommen nicht
von Medikamenten los. (dpa)
http://www.fr-online.de/gesundheit/designerdrogen-draengen-auf-den-markt,3242120,22009958.html
Wien/Berlin. Gut jede Woche kommt in Europa eine neue Droge auf den Markt. Die rasante Vermehrung neuer psychoaktiver Substanzen - Designerdrogen, «Legal Highs» oder «Badesalzdrogen» genannt - bedrohe zunehmend die öffentliche Gesundheit.
http://www.fr-online.de/politik/designerdrogen-auf-gefaehrlichem-siegeszug,1472596,22011466.html