Arbeitslosengeld I als Auslaufmodell

07.04.2009 / Inland / Seite 1Inhalt

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Von Jörn Boewe

 

Die Arbeitsagenturen haben nach einer Studie des DGB 2008 so wenig für

Lohnersatzleistungen ausgegeben wie seit 18 Jahren nicht mehr. In der jW

vorliegenden Analyse heißt es, nur noch eine Minderheit der Erwerbslosen

habe Anspruch auf finanzielle Leistungen der Arbeitslosenversicherung.

Zugleich sei »das im Schnitt ausgezahlte Arbeitslosengeld in jüngster

Zeit gesunken und kann teils nicht einmal mehr das gesellschaftliche

Existenzminimum sichern«.

 

So erhielten im vergangenen Jahr »nur noch knapp 920000 Personen

Lohnersatzleistungen der Arbeitslosenversicherung«. Anspruch hätten

mittlerweile »nicht einmal 30 Prozent« der gemeldeten Erwerbslosen, 1992

seien es noch gut 56 Prozent gewesen. Inzwischen müsse die überwiegende

Mehrzahl mit »Leistungen des Hartz-IV-Systems« auskommen »oder

finanziell ganz leer ausgehen«, heißt es weiter.

 

Insgesamt haben sich die Ausgaben für das Arbeitslosengeld I seit 2004

demnach »mehr als halbiert« und sind »unter das Niveau von 1992

gesunken«. Obwohl heute fast 300000 Erwerbslose mehr registriert seien

als Anfang der 90er Jahre, hätten 2008 »die Aufwendungen für das

Arbeitslosengeld um gut 2,3 Milliarden Euro niedriger als noch 1992«

gelegen.

 

Auch die Höhe der individuell ausgezahlten Beträge sei überwiegend

gesunken -- seit 2006 etwa um jährlich zehn Prozent. Im Schnitt lag das

ALG I im vergangenen Jahr bei 733 Euro, 2006 waren es noch 763 Euro.

Etwa 97000 Personen, immerhin 11,7 Prozent der ALG-I-Bezieher, waren im

September 2008 auf zusätzliche Leistungen nach Hartz IV angewiesen.

 

Längst nicht alle Erwerbstätigen hätten bei Jobverlust Anspruch auf

ALGI. Wer in den letzten zwei Jahren weniger als zwölf Monate versichert

beschäftigt war, geht leer aus. Insbesondere Leiharbeitskräften und

befristet Beschäftigten droht bei Verlust des unsicheren Arbeitsplatzes

unmittelbar der Absturz ins Hartz-IV-System.