Agentur vergisst Arbeitslose

 

 

    Panne in der BA / Beschäftigung steigt leicht / Mehr offene Stellen

    / Überschuss statt Defizit

 

 

        Von Roland Bunzenthal

 

 

        Eine peinliche Panne in der Bundesagentur für Arbeit (BA) hat

        dazu geführt, dass die Arbeitslosenzahlen im laufenden Jahr

        etwas zu niedrig ausgewiesen wurden. Im Dezember wurde

        versehentlich ein Datensatz mit Neuzugängen nicht erfasst. Damit

        fehlten in der Januar-Statistik 40 000 Erwerbslose -- eine Zahl,

        die bis Mai auf 6000 nicht erfasste Kunden der BA zurückging.

        Bemerkt hatte man die fehlenden Zugänge als etliche von ihnen

        sich bereits wieder bei den Agenturen abmelden wollten.

 

 

        Dadurch müssen auch die jetzt genannten Zahlen bald noch einmal

        korrigiert werden. Die Arbeitslosigkeit hat im Mai mit der

        Frühjahrsbelebung um 161 000 auf 3,81 Millionen abgenommen.

        Damit bestätigte sich die Hochrechnung von DGB und FR. Der

        Rückgang war schwächer als im Mai des vergangenen Jahres, lag

        aber etwa in der Größenordnung des Durchschnitts der drei Jahre

        davor.

 

 

        Saisonbereinigt errechnet sich eine geringfügige Zunahme der

        Arbeitslosigkeit im Mai. Dies ist vor allem auf das milde Wetter

        im Winter zurückzuführen: Da sich in den Wintermonaten weniger

        saisonale Arbeitslosigkeit aufgebaut hat, kann im Frühjahr auch

        weniger abgebaut werden.

 

 

        Im Vergleich zum Vorjahr wurden 732 000 Arbeitslose weniger

        gezählt. Die günstige Entwicklung ist vor allem mit dem

        konjunkturell bedingten Aufbau sozialversicherungspflichtiger

        Beschäftigung zu erklären. Daneben haben aber auch weitere

        Faktoren eine Rolle gespielt: ein schrumpfendes Kräfteangebot

        sowie die professionellere Tätigkeiten in den

        Arbeitsgemeinschaften bei der Betreuung der

        Arbeitslosengeld-II-Bezieher.

 

 

        Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Zahl der

        Erwerbstätigen im April saisonbereinigt um 13 000 gestiegen.

        Nach hochgerechneten Daten der BA hat auch die

        sozialversicherungspflichtige Beschäftigung saisonbereinigt um

        34 000 zugenommen. In einzelnen Regionen haben die

        Arbeitssuchenden feststellen müssen, dass sie nicht in das

        gewünschte Profil passten. Umgekehrt suchen die Nürnberger oft

        vergeblich Fachkräfte. Das Stellenangebot lag im Mai weiter

        deutlich über dem Vorjahreswert, saisonbereinigt hat es im

        Vergleich zu April jedoch leicht um 4000 abgenommen. Nicht

        saisonbereinigt gab es im Mai insgesamt 643 000 Stellen, von

        denen 89 Prozent sofort zu besetzen waren. Im Vergleich zum

        Vorjahr hat ihre Zahl um 77 000 zugenommen. Neben den gemeldeten

        offenen Stellen kennt die Bundesagentur noch zusätzliche

        Stellen, unter anderem gemeldet aus der privaten

        Arbeitsvermittlung sowie aus ihrer Job-Börse und dem

        Job-Roboter. Zusammen waren das im Mai rund 928 000 Stellen.

 

 

        Die Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppen und Regionen

        sind offenbar gewachsen. BA-Chef Frank-Jürgen Weise verweist

        beispielsweise auf die Unterschiede zwischen Jungen und Älteren.

        Die unter 25-Jährigen sind deutlich kürzer ohne Job als Ältere.

        Das gilt allerdings nicht für die rund 90 000 Jugendlichen, die

        über keinen Hauptschulabschluss verfügen und damit nur geringe

        Chancen haben.

 

 

        Die entspanntere Situation macht sich auch im Haushalt der BA

        bemerkbar. Statt eines bislang eingeplanten Defizits von vier

        Milliarden Euro für die ersten fünf Monate, könne sie

        tatsächlich hingegen einen Überschuss von 440 Millionen verbuchen.

 

 

          RBUNZENTHAL

 

 

 

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Ausgabe: Stadtausgabe (Nr. 125)

Datum: Freitag, den 01. Juni 2007

Seite: 22