24. September 2009 - 19:51 Uhr

wz

Altstadt: Aufhebung der Sperrstunde soll Randalierer bremsen

von René Schleucher und Dieter Sieckmeyer

Die Wirte begrüßen das Ende der Sperrstunde. Sie rechnen aber nicht

damit, dass sich viel ändern wird.

 

Düsseldorf. Die Sperrstunde in der Altstadt soll ersatzlos wegfallen.

Der Stadtrat hat die Verwaltung am Donnerstag einstimmig damit

beauftragt, eine entsprechende Verordnung zu erarbeiten. In der nächsten

Ratssitzung am 26. Oktober soll sie beschlossen werden.

 

Die Politiker erhoffen sich einen Rückgang der Gewalttaten. Zurzeit gibt

es immer wieder gefährliche Situationen, wenn zur Sperrstunde um 5 Uhr

morgens viele angetrunkene Altstadtbesucher gleichzeitig aus den Kneipen

auf die Straßen kommen. Dieses Konfliktpotenzial soll entschärft werden.

 

Umfrage

Sind Sie für eine Aufhebung der Sperrstunde in der Altstadt?

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"Wir wissen die Polizei in dieser Frage auf unserer Seite", sagte

CDU-Sprecher Andreas Hartnigk. Auch die SPD stimmte zu, wenngleich sie

skeptisch ist. Ratsherr Martin Volkenrath regte an, mit Wirten über

flexible Sperrzeiten zu verhandeln. "Aber wir sperren uns nicht gegen

diesen Vorschlag, einen Versuch soll es wert sein."

 

Die Grünen betonten, dass mit einer Aufhebung der Sperrstunde nicht alle

Probleme in der Altstadt gelöst seinen. "Als nächstes sollte man über

ein zeitlich begrenztes Flaschenverbot nachdenken", sagte

Fraktionssprecher Günter Karen-Jungen. In der Vergangenheit waren

Polizisten in der Altstadt wiederholt mit Flaschen angegriffen worden.

 

Die Gastronomen begrüßen den geplanten Wegfall der Sperrstunde im

Prinzip. "Ich finde, die bisherige Regelung war einfach willkürlich",

sagt Hans-Peter Schwemin, der Wirt des Schaukelstühlchens, "es ist gut,

wenn wir selbst entscheiden können, wann geschlossen wird."

 

Allerdings ist er skeptisch, ob allein die Aufhebung der Sperrstunde die

Situation verbessert: "Um fünf Uhr morgens haben die meisten Gaststätten

ohnehin geschlossen."

 

So viele Leute seien dann gar nicht mehr in der Altstadt unterwegs: "Bei

uns ist es vielleicht an fünf Abenden im Jahr dann noch voll, zum

Beispiel bei der Mittsommernacht."

 

Ähnlich sieht das Dirk Hoffmann von der Bender's Marie: "Ich bin für

alles, was zu einer Flexibilisierung beiträgt. Aber ich glaube nicht,

dass viele Wirte etwas an ihren Öffnungszeiten ändern werden."

 

Er geht davon aus, dass in den meisten Lokalen weiterhin spätestens um

fünf Uhr Schluss gemacht wird.

 

 

      In Hamburg zeigt das Flaschenverbot Wirkung

 

Einig sind sich fast alle Gastronomen, dass ein Verbot von Glasflaschen

sinnvoll wäre. Das gibt es bereits seit dem 1. August in Hamburg. Wer an

den Wochenenden mit einer Flasche in der Hand auf der Reeperbahn

erwischt wird, muss mit einer Strafe von bis zu 5000 Euro rechnen.

 

"Es gab erhebliche Probleme bei der Umsetzung, vor allem bei den Kiosken

und Einzelhandels-Geschäften", berichtet Gregor Maihöfer vom Hamburger

Hotel- und Gaststättenverbandes.

 

In den ersten Wochen sei die Polizei vor allem damit beschäftigt

gewesen, die Besucher auf die Regelung hinzuweisen. Erste positive

Ergebnisse seien aber schon zu sehen: "Es gibt einen signifikanten

Rückgang beim Glasbruch."

 

 

*Düsseldorf.* Es ist ein halbes Jahr her, als es in der Altstadt das

letzte Mal gekracht hat. Mit der Aufarbeitung der Randale rund um den

Fortuna-Aufstieg ist die Justiz eifrig beschäftigt. Und jetzt endlich

auch der Rat. Fünf Monate hat es gedauert, bis allein der Prüfantrag für

eine Aufhebung der... *mehr <http://www.wz-newsline.de/?redid=637713>*

 

So einfach wie in Hamburg wäre das Flaschenverbot hier nicht

durchzusetzen. Dirk Schaper, Vorsitzender der Altstadtgemeinschaft: "Wir

müssten die Altstadt zu einem Sondernutzungsgebiet erklären. Dazu

brauchen wird aber die Zustimmung des Landes." In Hamburg sei der Senat

da autonom.

 

 

  Rat hebt Sperrstunde auf

 

Düsseldorf

<http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/duesseldorf.html>,

24.09.2009, Michael Mücke nrz

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Düsseldorf. Einstimmig beschloss der Rat die Aufhebung der Sperrstunde

in der Altstadt.

 

Bisher müssen Kneipen und Discos um fünf Uhr schließen. Wenn aber

schlagartig viele Gäste auf die Straße strömen, entstehen zusätzliche

Gewaltpotenziale. Deshalb gibt es bald keine Sperrstunde mehr!

 

Die SPD-Fraktion schloss sich dieser Lösung nach anfänglicher Skepsis

an. "Wir werden uns nicht sperren", so Ratsherr Martin Volkenrath. Man

wolle einen Versuch wagen. Es bleibe der Widerpruch, dass ohne

Sperrstunde noch mehr Alkohol getrunken werde und damit die

Aggressionsbereitschaft steige. Deshalb will die SPD, dass nach einem

Jahr Bilanz gezogen wird.

 

Der Wegfall der Sperrstunde sei nur ein "erster Schritt" gegen die

Gewalt in der Altstadt, so Günter Karen-Jungen (Grüne). Er drängte auf

freiwillige Vereinbarungen mit Getränkehändlern, zu bestimmten

Nachtzeiten keine Glasflaschen mehr zu verkaufen, die als Wurfgeschosse

missbraucht werden können. Notfalls müsse über ein Flaschenverbot in der

Altstadt nachgedacht werden.

 

VON STEFANI GEILHAUSEN UND GÖKÇEN STENZEL

 

 

 

        Achteinhalb Jahre hat es sie gegeben, morgen stellt der Rat

        voraussichtlich die Weichen für ihre endgültige Abschaffung: Die

        so genannte Putzstunde von 5bis 6Uhr früh berge in der Altstadt

        ein erhebliches Konfliktpotenzial. Wenn nicht mehr alle Gäste

        gleichzeitig nach Hause gehen müssten, sei die oft angespannte

        Situation zu entzerren, argumentieren CDU- und FDP-Fraktion.

 

 

 

        Die Verwaltung soll nun die entsprechende Verordnung

        umformulieren und im November dem Rat vorlegen. Wird die

        Änderung dann genehmigt, könnte schon am 13.November in der

        Altstadt nonstop gefeiert werden. Die Polizei ist damit

        einverstanden. „Wenn um 5Uhr die Wirte ihre Gasthäuser

        schließen, steht die Bolkerstraße oft voller Menschen“, sagt

        Präsidiumssprecher Wolfgang Rodax. Häufig sei dann die

        alkoholgeschwängerte Stimmung „ausgesprochen aggressiv - das

        würde sich mit Aufhebung der Sperrstunde erledigen“.

 

 

 

        Das können Nachbarstädte aus dem Ruhrgebiet bestätigen. In Essen

        gibt es laut Aussage einer Stadtsprecherin seit rund fünf Jahren

        keine Sperrstunde mehr - sehr zur Freude von Wirten und Gästen.

        In Bochum ist sie zwar nicht ganz abgeschafft. „Aber alle Wirte,

        die einen Antrag stellen, bekommen auch die Genehmigung“, so

        Sprecherin Barbara Gottschlich. Die Regelung habe vor allem den

        Verkehr vor den Diskotheken erheblich entzerrt und damit den

        Lärm reduziert, über den Anwohner geklagt hatten. Lediglich die

        Spielhallen müssten um 1 Uhr schließen.

 

 

 

        Eigentlich hatte Polizeipräsident Herbert Schenkelberg (SPD) auf

        die auch in der Düsseldorfer Altstadt ständig steigende

        Gewaltbereitschaft mit einem nächtlichen Alkoholkonsumverbot auf

        den Straßen reagieren wollen, und auch die Parteien waren dem

        Projekt, das in Freiburg erfolgreich erprobt wurde, nicht

        abgeneigt gewesen.

 

 

 

        Nachdem das Freiburger Modell vom baden-württembergischen

        Verwaltungsgericht aber gekippt wurde, sieht der

        ordnungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Andreas Hartnigk,

        „momentan keine einwandfreie juristische Grundlage“ für ein

        derartiges Verbot und die Abschaffung der Sperrstunde als

        andere, alternative Präventionsmaßnahme. Die Wirte sind davon

        schon lange überzeugt. Ihre Sprecherin Isa Fiedler: „Es ist doch

        klar, dass es Ärger geben kann, wenn ich plötzlich um 5Uhr die

        Leute aus einer proppevollen Kneipe auf die Straße schicken muss.“

 

 

 

        Parallel zu ihrem Antrag im Stadtrat lassen Andreas Hartnigk und

        sein FDP-Kollege Manfred Neuenhaus nun auch prüfen, ob die

        Rheinbahn ihren so genannten Nachtexpress verstärken muss. Der

        pendelt seit drei Jahren an Wochenenden und vor Feiertagen

        nachts im 20-Minuten-Takt.

 

 

          - /STEFANI GEILHAUSEN UND GÖKÇEN STENZEL

 

 

Quelle:

Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH

Publikation: Rheinische Post Düsseldorf

Ausgabe: Nr.221

Datum: Mittwoch, den 23. September 2009

Seite: Nr.27

 

 

    Düsseldorf - Rund um die Uhr , express 23.9.09

 

 

  Düsseldorf feiert jetzt durch

 

Von MARKUS BÖHM

Wird die Altstadt jetzt zur 24-Stunden-Partyzone?

 

Diesen Donnerstag kippen CDU-, SPD- und GRÜNEN-Fraktion die Sperrstunde

(bisher von 5-6 Uhr).

 

Die Idee: Weniger Menschen, die gleichzeitig die Kneipen verlassen,

bedeuten weniger Konfliktpotenzial.