Düsseldorf - Kriminalstatistik 2008

 

 

 Düsseldorf: Eldorado für Einbrecher

 

Von GÜNTHER CLASSEN exp.

Die guten Nachrichten vorweg: Düsseldorf (74.396) hatte im letzten Jahr

weniger Straftaten als Dortmund (79.159) und Köln (138.529).

Mehr Info

Erschreckende Statistik

*22-mal schossen Kriminelle um sich*

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Ein großen Erfolg erzielte die Polizei gegen Autoaufbrecher. Die Fälle

sanken von 10 571 im vorletzten Jahr auf 8203. Dafür ist Düsseldorf ist

aber ein Eldorado für Wohnungseinbrecher. Ihre Zahl stieg um 18,6

Prozent von 1644 auf 1950.

 

*Die Straftaten in der Statistik: Hier klicken >

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*

 

Dennoch bleibt festzustellen: Vor sechs Jahren gab es noch 2566

Wohnungseinbrecher. Polizeipräsident Herbert Schenkelberg und sein

Kriminaldirektor Jürgen Schneider: "Wir werden uns die überwiegend von

auswärts anreisenden Einbrecher noch gezielter vorknöpfen."

 

Viele Autoaufbrecher meiden dagegen die Stadt bereits. Da hat die Taktik

der Polizei voll zugeschlagen: 2372 Fälle weniger. Nur die Betrüger

haben sich vermehrt. 10 835 Fälle wurden angezeigt, 1165 mehr als im

Jahre 2007.

 

Herbert Schenkelbergs Konzept "mehr Polizisten auf die Straße" hat sich

aber ausgezahlt. Die Gesamtzahl aller Straftaten ging um 60 Fälle auf

74.396 zurück. Der Brennpunkt Altstadt bleibt weiter "unter

Beobachtung". Schenkelberg: "Wir sehen uns jetzt in Freiburg um, wie die

ihre Altstadt in den Griff bekommen haben."

 

*. So sieht die Statistik in Bonn aus >

<http://www.express.de/nachrichten/region/bonn/bonn-127-straftaten-pro-tag_artikel_1235811429421.html>

 

. So sieht die Statistik in Köln aus >

<http://www.express.de/nachrichten/region/koeln/statistik-5-prozent-weniger-straftaten_artikel_1235811429226.html>*

 

 

[25.03.2009]

 

 

  25000StraftatenanNRW-Schulen

 

 

      VON DETLEV HÜWEL

 

 

 

        Düsseldorf Nach Informationen unserer Zeitung wurden seit der

        Bluttat in Winnenden (Baden-Württemberg) bis gestern 202

        Amok-Verdachtsfälle in NRW-Schulen registriert. Zum Vergleich:

        Im ganzen Jahr 2008 waren es 112. Dabei handle es sich sowohl um

        mutmaßliche Drohungen als auch um besorgte Hinweise von Eltern,

        Lehrern und Schülern, heißt es. Jedem Hinweis gehe die Polizei

        nach, versicherte ein Sprecher des Innenministeriums.

 

 

 

        Laut NRW-Schulministerium entpuppen sich die Drohungen häufig

        als "Imponiergehabe von Trittbrettfahrern ohne ernsthaften

        Hintergrund". Gleichwohl müssten die Betroffenen mit Bestrafung

        rechnen. Die Polizei hat klargemacht, dass sie die Erstattung

        ihrer Einsatzkosten verlangt, die sich auf mehrere tausend Euro

        belaufen können.

 

 

 

        Gestern erst wurde in Brüggen (Kreis Viersen) ein 16-Jähriger

        festgenommen, der im Internet einen Amoklauf in seiner Schule

        angedroht hatte. Bei ihm wurde ein Luftgewehr gefunden. Unklar

        blieb, wie ernst er es gemeint hat.

 

 

 

        NRW-Schulministerin Barbara Sommer (CDU) fordert eine "Kultur

        des Hinsehens". Auffällige Beobachtungen, die auf eine mögliche

        Amoktat hindeuten könnten, sollten sofort den Behörden gemeldet

        werden. Dies habe nichts mit Denunziantentum zu tun, sondern

        diene der Sicherheit aller.

 

 

 

        An den Schulen in NRW wurden 2008 rund 25000 Straftaten

        begangen. Weitaus mehr als Hälfte davon entfiel auf

        Sachbeschädigungen und Diebstahl. Diese Zahlen nannte

        Innenminister Ingo Wolf (FDP) bei der Vorstellung der

        Kriminalstatistik für 2008. Darin sind erstmals die Straftaten

        in Schulen erfasst. Einzelne Kriminalitätsschwerpunkte nannte

        das Innenministerium nicht, um nicht "eine ganze Schule in

        Misskredit zu bringen". Die Polizei vor Ort wisse jedoch sehr

        genau Bescheid und sei bestrebt, im Zusammenwirken mit den

        Schulen Lösungen zu entwickeln.

 

 

 

        Nach Ansicht der CDU könnten viele der Straftaten an den Schulen

        verhindert werden, wenn es zu einem stärkeren Einsatz von

        Video-Überwachung käme. Dafür gebe es bereits viele gute

        Beispiele, sagte CDU-Generalsekretär Hendrik Wüst unserer

        Zeitung. Es sei unverantwortlich, dass die

        Landesdatenschutzbeauftragte Leitfäden für Schulen herausgebe,

        die "nur zum Ziel haben, Videoüberwachung zu verhindern".

 

 

 

        LEITARTIKEL SEITE A2

 

 

          - /DETLEV HÜWEL

 

 

Quelle:

Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH

Publikation: Rheinische Post Düsseldorf

Ausgabe: Nr.72

Datum: Donnerstag, den 26. März 2009

Seite: Nr.1

 

 

  Gewalttätige Jugendliche bereiten der Polizei Sorge

 

 

 

        Düsseldorf (hüw) Die große Mehrheit der Jugendlichen in

        Nordrhein-Westfalen verhält sich nach Einschätzung von

        Innenminister Ingo Wolf (FDP) rechtstreu. Lediglich 5,4 Prozent

        der Jüngeren unter 21 Jahren seien als Tatverdächtige auffällig

        geworden. Sorge bereite der Polizei allerdings eine "kleine

        Gruppe von jungen gewalttätigen Intensivtätern", die mehr als

        fünf Straftaten begangen hätten. "Das sind unsere Problemfälle.

        Sie geben in Jugendgruppen den Ton an", sagte Wolf. Deswegen

        werde die Polizei auch in Zukunft einen Schwerpunkt bei der

        Bekämpfung von Gewalttaten setzen.

 

 

 

        Im vergangenen Jahr gingen die Gewaltdelikte in NRW allerdings

        um zwei Prozent auf 52374 Fälle zurück. Die Zahl von Mord und

        Totschlag sank von 145 (2007) auf 116. Bei diesen Delikten komme

        die Polizei fast jedem Täter auf die Spur, so der Innenminister.

        Die Aufklärungsquote liege bei 97 Prozent. Bei Körperverletzung

        betrage sie 81,3 Prozent. Hingegen konnte 2008 in NRW nur jede

        zweite der insgesamt 1453203 Straftaten aufgeklärt werden

        (Quote: 49,3 Prozent; Vorjahr: 49,2).

 

 

 

        Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist laut Kriminalstatistik um 1,6

        Prozent auf 38002 Fälle gestiegen. Dagegen nahmen die Diebstähle

        um 5,5 Prozent auf 661982 ab. Dies sei die niedrigste Zahl seit

        zehn Jahren, sagte Wolf. Ein Rückgang um sogar 19,8 Prozent sei

        bei den Diebstählen aus Autos (101664 Fälle) zu verzeichnen.

        Dennoch mahnte Wolf die Bürger erneut, keine Wertgegenstände im

        Fahrzeug zurückzulassen.

 

 

 

        Um 38,9 Prozent auf 3921 Fälle sank der Betrug mit gestohlenen

        Debitkarten ohne Geheimzahl (PIN). Das Innenministerium ist laut

        Wolf bestrebt, eine Umstellung auf Kartenbezahlung mit PIN sowie

        den Verzicht auf unsichere Lastschriftverfahren zu erreichen.

 

 

          -

 

 

Quelle:

Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH

Publikation: Rheinische Post Düsseldorf

Ausgabe: Nr.72

Datum: Donnerstag, den 26. März 2009

Seite: Nr.1

 

 

  Mehr Wohnungseinbrüche

 

 

    1950 Einbrüche in Düsseldorfer Häuser und Wohnungen zählte die

    Polizei im vergangenen Jahr. Das sind 306 mehr als 2007 und bedeutet

    ein Plus von fast 19 Prozent. Experten warnen: Der seelische Schaden

    bei den Opfern ist groß.

 

 

      VON UWE REIMANN

 

 

 

        Das Kriminalkommissariat 14 bei der Polizei Düsseldorf kümmert

        sich nur um Wohnungseinbrüche. Es bedient sich neuer

        Ermittlungsmethoden und einer erweiterten Spurensicherung. Es

        hat nichts genutzt: 1950 Einbrüche in 2008 bedeuten ein Plus von

        18,61 Prozent. Die Aufklärungsquote liegt mit 13,46 Prozent um

        fast drei Prozent unter der des Vorjahres. Jürgen Schneider,

        Leiter der Direktion Kriminalität, hat dafür keine Erklärung,

        nur eine Vermutung: Die Anonymität der Großstadt lockt

        Einbrecher verstärkt an. Für die Gesamtzahlen gilt das nicht:

        74396Straftaten in Düsseldorf liegen auf dem selben Niveau wie

        im Vorjahr (74456). Die Aufklärungsquote für alle Delikte liegt

        bei 42,33Prozent (plus 1,8 Prozent).

 

 

 

        Seit 2003 sank die Zahl der Wohnungseinbrüche kontinuierlich.

        Vor einem Anstieg in einem Jahr sei eine Großstadt nicht gefeit,

        sagt Polizeipräsident Herbert Schenkelberg. In Köln (3600),

        Essen (2200) und Dortmund (2250) würden weitaus mehr Einbrüche

        verübt. Dabei werden die Täter immer professioneller, warnt

        Schneider. Manche begäben sich montags bis freitags von morgens

        bis abends auf Beutezüge, Wochenende ist frei. Ganze

        Familienclans reisten an, durchsuchten Stadtteile nach

        "lohnenden" Objekten, weiß Schneider. Andere mieteten sich für

        einige Monate eine Wohnung, begingen zahlreiche Einbrüche,

        lebten aber in ihrer Wohnung ansonsten völlig unauffällig: keine

        Kontakte zu Nachbarn, kein Kneipenbesuch, kein Einkauf. "Danach

        kündigen sie die Wohnung und sind weg", sagt Schneider. Hehler

        als Abnehmer sicherten den Absatz des Diebesguts. Am

        Hauptbahnhof und anderen Umschlagplätzen würden vor allem

        Schmuck und kleine Elektrogeräte wie Navi oder IPod verkauft.

 

 

 

        Doch der materielle Schaden ist nur die eine Seite. Vor der

        anderen Seite warnen Experten: den seelischen Schäden bei den

        Opfern. "Eine neue Studie belegt, dass die meisten nach dem

        Einbruch mit Ängsten, Schlaflosigkeit und Krankheiten leben

        müssen", sagt Rudi Justen, Vorsitzender des Weißen Ring

        NRW/Rheinland. "Das ist ein Alptraum, der kaum vergeht."

 

 

          - /UWE REIMANN

 

 

Quelle:

Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH

Publikation: Rheinische Post Düsseldorf

Ausgabe: Nr.72

Datum: Donnerstag, den 26. März 2009

Seite: Nr.27

 

Aufklärung bei Mord am höchsten

 

 

    Die Anzahl der Straftaten nimmt seit Jahren ab. Zum Beispiel bei den

    Diebstählen aus Autos: Ein Minus von fast 23 Prozent und eine

    gestiegene Aufklärungsquote sind erste Erfolge. Trotzdem ist die

    Großstadt Düsseldorf attraktiv für Einbrecher, Diebe und Betrüger.

 

 

      VON HANS ONKELBACH UND UWE REIMANN

 

 

 

        Die Zahl der Straftaten in Düsseldorf ist auch in diesem Jahr

        gesunken. Seit 2003 hat sich die Zahl der Delikte um mehr als

        12000 auf jetzt 74396 vermindert. Polizeipräsident Herbert

        Schenkelberg freute sich über die niedrigsten Zahlen seit sieben

        Jahren in der Kriminalitätsstatistik 2008. Verschiedenste

        Delikte, als Straßenkriminalität zusammengefasst, seien zudem um

        rund zehn Prozent zurückgegangen. Der Bürger könne spüren, dass

        die Polizei Erfolge verbuche, sagte Schenkelberg.

        Altstadtkriminalität

 

 

 

        Schenkelberg sagte den Gewaltexzessen in der Altstadt vor allem

        an Wochenenden den Kampf an. "Der festgestellte Zuwachs von

        Gewalt, der auch vor Polizisten nicht Halt macht, ist nicht

        hinnehmbar." Dem werde mit Polizeipräsenz an den Brennpunkten

        der Altstadt konsequent entgegen gewirkt, versprach er. Das

        heißt: Eventuell müssen noch mehr Polizisten auf die Straße,

        ebenso könnte es sein, über eine Aufstockung der Altstadtwache

        nachzudenken. Sexualdelikte

 

 

 

        484 Taten bedeuten einen Anstieg um 101 Taten gegenüber dem

        Vorjahr. Das ist ein Plus von fast 27Prozent. Weniger

        Vergewaltigungen, weniger sexuelle Nötigungen, aber deutlich

        mehr Taten der Verbreitung von pornographischen Erzeugnissen

        finden sich in der Statistik. Raub

 

 

 

        Die Anzahl der Raubdelikte sinkt seit sieben Jahren. Von 1141

        Straftaten im Jahr 2003 ist die Kriminalität in dem Bereich auf

        jetzt 904 Taten gesunken. Dabei sind Bankraube fast gänzlich

        verschwunden. Nur noch dreimal wurden Geldinstitute im

        vergangenen Jahr überfallen. Jürgen Schneider, der Leiter der

        Direktion Kriminalität, kennt die Gründe: immer mehr

        Sicherungsmaßnahmen, deutlich mehr und bessere Kameras.

        Körperverletzungen

 

 

 

        Die Zahl nimmt seit 2003 stetig zu, verharrt aber 2008 auf dem

        Vorjahresniveau. 4721 Taten steht eine Aufklärungsquote von mehr

        als 77Prozent gegenüber. Vor allem die schweren und gefährlichen

        Körperverletzungen machen der Polizei Sorgen. Die Zahl sank nach

        Jahren des Anstiegs im vergangenen Jahr von 1528 auf 1466

        Delikte. Diebstähle von und aus Kfz

 

 

 

        Ein Deliktbereich, der sich seit Jahren auf über 10000 Taten pro

        Jahr eingependelt hatte. Nun stieg zwar die Zahl der komplett

        gestohlenen Autos von 396 auf 407 geringfügig an, aber der

        Diebstahl aus Fahrzeugen ging deutlich zurück: Von 10571 auf

        8203. Nach Aussagen der Kripo liegt das an der Gründung einer

        Ermittlungskommission, die sich gezielt mit Tätern dieses

        Bereichs beschäftigt und im Laufe des Jahres mehrere große

        Fahndungserfolge meldete. Was sich auch an der gestiegenen

        Aufklärungquote zeigt: 2007 lag sie bei 3,67 Prozent, in 2008

        war man in 12,09 Prozent der Fälle auf der Suche nach dem Täter

        erfolgreich. Mord und Totschlag

 

 

 

        Die so genannten Straftaten gegen das Leben sind häufiger

        geworden - allerdings auf niedrigem Niveau. 2007 kamen 16

        Menschen durch Mord, Totschlag oder fahrlässige Tötung ums

        Leben, 2008 waren es 18. Sieben dieser Taten wurden als Mord

        gewertet, neun als Totschlag und zwei als fahrlässige Tötung.

        Die Aufklärung lag bei 100Prozent: Alle Täter konnten ermittelt

        werden (siehe Info). Drogentote

 

 

 

        In Düsseldorf starben in 2008 20Personen (19 Männer und eine

        Frau) an den Folgen ihres Drogenkonsums. Der Jüngste war 27, der

        Älteste 52 Jahre. Die Frau kam mit 42 Jahren ums Leben.

        Häufigkeitszahl

 

 

 

        Ein statistischer Wert, der die Zahl der Straftaten pro 100000

        Einwohner beziffert. In Düsseldorf lag er 2008 bei 12802 Fällen,

        91 weniger als 2007. Dennoch liegt er immer noch höher als in

        anderen Großstädten, was laut Polizei daran liegt, dass viele

        Täter (Touristen, Pendler) hier straffällig werden, aber nicht

        hier leben.

 

 

          - /HANS ONKELBACH UND UWE REIMANN

 

 

Quelle:

Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH

Publikation: Rheinische Post Düsseldorf

Ausgabe: Nr.73

Datum: Freitag, den 27. März 2009

Seite: Nr.18

 

 

Jugendkriminalität

Jung, aggressiv, kriminell

Düsseldorf, 30.03.2009, Michael Mücke nrz

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Der Kampf gegen die Jugendkriminalität stellt die Polizei vor eine Herkules-Aufgabe.

Eine Trendwende konnte bisher nicht erzielt werden, Polizeipräsident Herbert Schenkelberg hat dieses Thema deshalb ganz oben auf seine Prioritätenliste gesetzt. Jeder siebte Düsseldorfer Jugendliche kam 2008 mit dem Gesetz in Konflikt. Besonders auffällig: Mehr als jeder dritte Tatverdächtige, der einen Raubüberfall im öffentlichen Raum begangen haben soll, war jünger als 18 Jahre.

Die Gesamtzahlen sind nahezu unverändert hoch: Im vergangenen Jahr gerieten 605 Kinder und 2276 Jungen und Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren unter Verdacht, eine Straftat begangen zu haben.

Dass Kinder zu mehr Gewalt neigen, lässt sich aus der Kriminalitätsstatistik allerdings nicht ablesen. Der Überfall von drei unter 14-Jährigen auf ein 85-jähriges Opfer im vorigen Jahr war ein Einzelfall. Kinder werden meistens bei Diebstählen in Kaufhäusern und Läden ertappt.

Anders die Entwicklung bei Jugendlichen: Abzocke, Gewalt und der Griff zu Drogen sind ernstzunehmende Phänome. Gegen 223 Jugendliche wurde wegen Rauschgiftdelikten und gegen 370 wegen Gewalttaten ermittelt.

Das Polizeipräsidium baut seit Jahren ein Programm aus, um gegenzusteuern. Der „Eingreiftrupp Jugend” hat seit 2004 besonders auffällige Minderjährige im Visier. Junge Täter, bei denen Wiederholungsgefahr droht, werden mit Gelbe-Karten-Aktionen abgeschreckt, besonders schwierige Fälle in sogenannten „Fallkonferenzen” behandelt.

Immerhin gibt es hier erste Erfolge: Die Zahl der jungen Leute, die innerhalb von zwölf Monaten mehr als fünf Taten verübt hatten, ging zwischen 2006 und 2008 von 386 auf 249 zurück, die der Serientäter, die auch vor Gewalt nicht zurückschreckten, von 93 auf 71 zwischen den Jahren 2007 und 2008.

Auf diesem Kurs will die Polizeispitze weiter steuern. Die Diversionstage (Gelbe Karte) werden inzwischen regelmäßg im gesamten Stadtgebiet organisiert: in der Inspektion Benrath an der Börchemstraße, in der Polizeidienststelle Karl-Rudolf-Straße (Mitte) und seit letztem Jahr auch in der Inspektion Nord an der Wilhelm-Raabe-Straße. Dort setzen sich Staatsanwaltschaft und Jugendgerichtshilfe mit den Ertappten zusammen, um ihnen die Konsequenzen für strafbares Handeln klar zu machen.

Es ist der berühmte „Schuss vor den Bug”, betont Polizeisprecher Wolfgang Wierich. In vielen Fällen müssen die Jungen und Mädchen als Strafe Arbeitsstunden in einer sozialen Einrichtung leisten, manche kommen auch mit einer Verwarnung davon.

Die Polizei hat diese Aktionen ausgeweitet. Wurden 2006 noch 20 mutmaßliche Wiederholungstäter zu den Diversionstagen vorgeladen, so waren es im letzten Jahr schon 132. Von denjenigen, die vor einem Jahr oder länger dabei waren, sind immerhin fast 40 Prozent seitdem „nicht mehr aufgefallen”, berichtet Frank Schier von der Führungsstelle des Präsidiums. „Wir können keine Wunder bewirken, aber das ist mehr, als wir erwartet haben.”

Das zweite Projekt, die Fallkonferenz, ersetzt kein Gerichtsverfahren. In diesem Gremium suchen Polizei, Staatsanwaltschaft, Jugendgerichtshilfe für gewalttätige Intensivtäter, die immer wieder straffällig werden, nach einer individuellen Lösung, um ein weiteres Abdriften in die Kriminalität zu verhindern, die Rückkehr in den Schulalltag zu erleichtern, Konflikte in der Familie zu lösen. 20 Täter wurden seit Mai 2008 in diesem Programm intensiv betreut. Bei immerhin sechs Deliquenten kann die Polizei inzwischen eine positive Prognose aufstellen. Sie sind nicht mehr durch weitere Straftaten aufgefallen.

 

31. März 2009 - 19:37 Uhr

wz

Kriminalität: Weniger junge Intensivtäter

von Juliane Kinast

Der Anteil Jugendlicher an den Raubstraftaten ist noch immer hoch, doch

die Zahl der Mehrfachtäter nimmt aktuell deutlich ab.

 

"Nur" noch 71 gewalttätige Intensivtäter verzeichnete die Polizei 2008.

 

Düsseldorf. Noch immer ist es Wochenende für Wochenende spürbar: Die

Polizeipräsenz in der Altstadt hat massiv zugenommen. Es ist das

eingetreten, was Polizeipräsident Herbert Schenkelberg nicht wollte: In

den Nächten sind dauerhaft Hundertschaften im Einsatz. "Wir werden auf

diesem Niveau erst einmal weitermachen müssen", sagt Schenkelberg. "Ich

sehe nicht, wie sich die Situation sonst entspannen soll."

 

Gerade die Gewaltbereitschaft von Jugendlichen und Heranwachsenden macht

Schenkelberg Sorgen. Ihr Anteil ist laut Kriminalitätsstatistik

besonders bei den Rohheitsdelikten hoch: 2008 waren 33,9 Prozent der

Tatverdächtigen bei Raubüberfällen und 38,5 Prozent der Verdächtigen

beim Handtaschenraub zwischen 14 und 18 Jahre alt. "Die Bekämpfung der

Jugendkriminalität wird deshalb 2009 ein Schwerpunkt unserer Arbeit

bleiben", kündigt Schenkelberg an. Und meint damit beileibe nicht nur

die Altstadt.

 

 

      22 jugendliche Intensivtäter weniger als im Jahr zuvor

 

Dabei -- trotz aller Schlagzeilen über Gewalttätigkeiten in der Altstadt

-- ist die Entwicklung bei den straffälligen Jugendlichen durchaus

positiv. Laut Frank Schier, dem Jugendbeauftragten der Polizei, ist die

Zahl der jugendlichen Intensivtäter 2008 auf 71 gesunken -- 2007 waren

es noch 93. Auch die Mehrfachtatverdächtigen unter 18Jahren sind weniger

geworden: Mit 88 gab es im vergangenen Jahr 32 weniger als noch 2007.

 

Ein Trend, den Schier auf zwei Aspekte zurückführt. Erstens wurden im

Mai 2008 die Fallkonferenzen für Intensivtäter gestartet, bei denen sich

Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendgerichtshilfe mit dem einzelnen

Jugendlichen beschäftigen und für ihn Wege aus dem kriminellen

Teufelskreis finden wollen. Sechs der 20 Intensivtäter, die an der

ersten Konferenz teilnahmen, sind bereits seit Monaten nicht mehr

auffällig geworden -- für Schier ein Erfolg. "Ich will jetzt auch die

Bewährungshilfe ins Boot holen", sagt er. Zudem sollen laufend neue

Jugendliche in das Programm der Fallkonferenzen aufgenommen werden.

 

 

      Gelbe Karte: Mehrfachtäter wachsen weniger nach

 

Zweitens wachsen offenbar weniger Intensiv- und Mehrfachtäter nach.

Mitte 2008 wurde das Gelbe-Karte-Verfahren, das anderthalb Jahre zuvor

im Süden gestartet war, auf ganz Düsseldorf ausgeweitet. Flächendeckend

erhalten jetzt Jugendliche, die am Anfang einer kriminellen Karriere

stehen könnten, bereits nach den ersten Vergehen einen Schuss vor den

Bug -- wie bei den Fallkonferenzen von Polizei, Staatsanwälten und

Jugendgerichtshilfe. Die Teilnehmer erwartet meist eine milde Strafe.

Als allerletzte Chance vor der Anklage.

 

52 Jugendliche wurden 2007 mit der Gelben Karte verwarnt. 2008 waren es

jetzt schon 132. "Wir werden 2009 die Teilnehmerzahl wieder steigern",

kündigt Frank Schier an. Denn der Erfolg des Verfahrens ist in seinen

Augen offenkundig: 60Prozent der Jugendlichen würden nicht mehr

rückfällig -- das sei eine gute Quote.

 

Schier will vor allem die Kooperation mit den Schulen noch stärker

ausbauen. Die bestehende Netzwerkarbeit in der Stadt sei aber schon

jetzt ein Hauptgrund für die positive Entwicklung bei den jungen

Intensiv- und Mehrfachtätern. Jetzt will Schier mit den Angeboten mehr

und mehr betroffene Jugendliche erreichen. Der Jugendbeauftragte sagt:

"Ich bin optimistisch, dass wir die Zahlen auch in diesem Jahr weiter

senken können."