Düsseldorf - Kriminalstatistik 2008
Düsseldorf: Eldorado für Einbrecher
Von GÜNTHER CLASSEN exp.
Die guten Nachrichten vorweg: Düsseldorf (74.396) hatte im letzten Jahr
weniger Straftaten als Dortmund (79.159) und Köln (138.529).
Mehr Info
Erschreckende Statistik
*22-mal schossen Kriminelle um sich*
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<http://www.express.de/nachrichten/region/duesseldorf/22-mal-schossen-kriminelle-um-sich_artikel_1235811429702.html>
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Ein großen Erfolg erzielte die Polizei gegen Autoaufbrecher. Die Fälle
sanken von 10 571 im vorletzten Jahr auf 8203. Dafür ist Düsseldorf ist
aber ein Eldorado für Wohnungseinbrecher. Ihre Zahl stieg um 18,6
Prozent von 1644 auf 1950.
*Die Straftaten in der Statistik: Hier klicken >
<http://www.express.de/nachrichten/region/duesseldorf/textline_1235811429724.html>
*
Dennoch bleibt festzustellen: Vor sechs Jahren gab es noch 2566
Wohnungseinbrecher. Polizeipräsident Herbert Schenkelberg und sein
Kriminaldirektor Jürgen Schneider: "Wir werden uns die überwiegend von
auswärts anreisenden Einbrecher noch gezielter vorknöpfen."
Viele Autoaufbrecher meiden dagegen die Stadt bereits. Da hat die Taktik
der Polizei voll zugeschlagen: 2372 Fälle weniger. Nur die Betrüger
haben sich vermehrt. 10 835 Fälle wurden angezeigt, 1165 mehr als im
Jahre 2007.
Herbert Schenkelbergs Konzept "mehr Polizisten auf die Straße" hat sich
aber ausgezahlt. Die Gesamtzahl aller Straftaten ging um 60 Fälle auf
74.396 zurück. Der Brennpunkt Altstadt bleibt weiter "unter
Beobachtung". Schenkelberg: "Wir sehen uns jetzt in Freiburg um, wie die
ihre Altstadt in den Griff bekommen haben."
*. So sieht die Statistik in Bonn aus >
<http://www.express.de/nachrichten/region/bonn/bonn-127-straftaten-pro-tag_artikel_1235811429421.html>
. So sieht die Statistik in Köln aus >
<http://www.express.de/nachrichten/region/koeln/statistik-5-prozent-weniger-straftaten_artikel_1235811429226.html>*
[25.03.2009]
25000StraftatenanNRW-Schulen
VON DETLEV HÜWEL
Düsseldorf Nach Informationen unserer Zeitung wurden seit der
Bluttat in Winnenden (Baden-Württemberg) bis gestern 202
Amok-Verdachtsfälle in NRW-Schulen registriert. Zum Vergleich:
Im ganzen Jahr 2008 waren es 112. Dabei handle es sich sowohl um
mutmaßliche Drohungen als auch um besorgte Hinweise von Eltern,
Lehrern und Schülern, heißt es. Jedem Hinweis gehe die Polizei
nach, versicherte ein Sprecher des Innenministeriums.
Laut NRW-Schulministerium entpuppen sich die Drohungen häufig
als "Imponiergehabe von Trittbrettfahrern ohne ernsthaften
Hintergrund". Gleichwohl müssten die Betroffenen mit Bestrafung
rechnen. Die Polizei hat klargemacht, dass sie die Erstattung
ihrer Einsatzkosten verlangt, die sich auf mehrere tausend Euro
belaufen können.
Gestern erst wurde in Brüggen (Kreis Viersen) ein 16-Jähriger
festgenommen, der im Internet einen Amoklauf in seiner Schule
angedroht hatte. Bei ihm wurde ein Luftgewehr gefunden. Unklar
blieb, wie ernst er es gemeint hat.
NRW-Schulministerin Barbara Sommer (CDU) fordert eine "Kultur
des Hinsehens". Auffällige Beobachtungen, die auf eine mögliche
Amoktat hindeuten könnten, sollten sofort den Behörden gemeldet
werden. Dies habe nichts mit Denunziantentum zu tun, sondern
diene der Sicherheit aller.
An den Schulen in NRW wurden 2008 rund 25000 Straftaten
begangen. Weitaus mehr als Hälfte davon entfiel auf
Sachbeschädigungen und Diebstahl. Diese Zahlen nannte
Innenminister Ingo Wolf (FDP) bei der Vorstellung der
Kriminalstatistik für 2008. Darin sind erstmals die Straftaten
in Schulen erfasst. Einzelne Kriminalitätsschwerpunkte nannte
das Innenministerium nicht, um nicht "eine ganze Schule in
Misskredit zu bringen". Die Polizei vor Ort wisse jedoch sehr
genau Bescheid und sei bestrebt, im Zusammenwirken mit den
Schulen Lösungen zu entwickeln.
Nach Ansicht der CDU könnten viele der Straftaten an den Schulen
verhindert werden, wenn es zu einem stärkeren Einsatz von
Video-Überwachung käme. Dafür gebe es bereits viele gute
Beispiele, sagte CDU-Generalsekretär Hendrik Wüst unserer
Zeitung. Es sei unverantwortlich, dass die
Landesdatenschutzbeauftragte Leitfäden für Schulen herausgebe,
die "nur zum Ziel haben, Videoüberwachung zu verhindern".
LEITARTIKEL SEITE A2
- /DETLEV HÜWEL
Quelle:
Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Düsseldorf
Ausgabe: Nr.72
Datum: Donnerstag, den 26. März 2009
Seite: Nr.1
Gewalttätige Jugendliche bereiten der Polizei Sorge
Düsseldorf (hüw) Die große Mehrheit der Jugendlichen in
Nordrhein-Westfalen verhält sich nach Einschätzung von
Innenminister Ingo Wolf (FDP) rechtstreu. Lediglich 5,4 Prozent
der Jüngeren unter 21 Jahren seien als Tatverdächtige auffällig
geworden. Sorge bereite der Polizei allerdings eine "kleine
Gruppe von jungen gewalttätigen Intensivtätern", die mehr als
fünf Straftaten begangen hätten. "Das sind unsere Problemfälle.
Sie geben in Jugendgruppen den Ton an", sagte Wolf. Deswegen
werde die Polizei auch in Zukunft einen Schwerpunkt bei der
Bekämpfung von Gewalttaten setzen.
Im vergangenen Jahr gingen die Gewaltdelikte in NRW allerdings
um zwei Prozent auf 52374 Fälle zurück. Die Zahl von Mord und
Totschlag sank von 145 (2007) auf 116. Bei diesen Delikten komme
die Polizei fast jedem Täter auf die Spur, so der Innenminister.
Die Aufklärungsquote liege bei 97 Prozent. Bei Körperverletzung
betrage sie 81,3 Prozent. Hingegen konnte 2008 in NRW nur jede
zweite der insgesamt 1453203 Straftaten aufgeklärt werden
(Quote: 49,3 Prozent; Vorjahr: 49,2).
Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist laut Kriminalstatistik um 1,6
Prozent auf 38002 Fälle gestiegen. Dagegen nahmen die Diebstähle
um 5,5 Prozent auf 661982 ab. Dies sei die niedrigste Zahl seit
zehn Jahren, sagte Wolf. Ein Rückgang um sogar 19,8 Prozent sei
bei den Diebstählen aus Autos (101664 Fälle) zu verzeichnen.
Dennoch mahnte Wolf die Bürger erneut, keine Wertgegenstände im
Fahrzeug zurückzulassen.
Um 38,9 Prozent auf 3921 Fälle sank der Betrug mit gestohlenen
Debitkarten ohne Geheimzahl (PIN). Das Innenministerium ist laut
Wolf bestrebt, eine Umstellung auf Kartenbezahlung mit PIN sowie
den Verzicht auf unsichere Lastschriftverfahren zu erreichen.
-
Quelle:
Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Düsseldorf
Ausgabe: Nr.72
Datum: Donnerstag, den 26. März 2009
Seite: Nr.1
Mehr Wohnungseinbrüche
1950 Einbrüche in Düsseldorfer Häuser und Wohnungen zählte die
Polizei im vergangenen Jahr. Das sind 306 mehr als 2007 und bedeutet
ein Plus von fast 19 Prozent. Experten warnen: Der seelische Schaden
bei den Opfern ist groß.
VON UWE REIMANN
Das Kriminalkommissariat 14 bei der Polizei Düsseldorf kümmert
sich nur um Wohnungseinbrüche. Es bedient sich neuer
Ermittlungsmethoden und einer erweiterten Spurensicherung. Es
hat nichts genutzt: 1950 Einbrüche in 2008 bedeuten ein Plus von
18,61 Prozent. Die Aufklärungsquote liegt mit 13,46 Prozent um
fast drei Prozent unter der des Vorjahres. Jürgen Schneider,
Leiter der Direktion Kriminalität, hat dafür keine Erklärung,
nur eine Vermutung: Die Anonymität der Großstadt lockt
Einbrecher verstärkt an. Für die Gesamtzahlen gilt das nicht:
74396Straftaten in Düsseldorf liegen auf dem selben Niveau wie
im Vorjahr (74456). Die Aufklärungsquote für alle Delikte liegt
bei 42,33Prozent (plus 1,8 Prozent).
Seit 2003 sank die Zahl der Wohnungseinbrüche kontinuierlich.
Vor einem Anstieg in einem Jahr sei eine Großstadt nicht gefeit,
sagt Polizeipräsident Herbert Schenkelberg. In Köln (3600),
Essen (2200) und Dortmund (2250) würden weitaus mehr Einbrüche
verübt. Dabei werden die Täter immer professioneller, warnt
Schneider. Manche begäben sich montags bis freitags von morgens
bis abends auf Beutezüge, Wochenende ist frei. Ganze
Familienclans reisten an, durchsuchten Stadtteile nach
"lohnenden" Objekten, weiß Schneider. Andere mieteten sich für
einige Monate eine Wohnung, begingen zahlreiche Einbrüche,
lebten aber in ihrer Wohnung ansonsten völlig unauffällig: keine
Kontakte zu Nachbarn, kein Kneipenbesuch, kein Einkauf. "Danach
kündigen sie die Wohnung und sind weg", sagt Schneider. Hehler
als Abnehmer sicherten den Absatz des Diebesguts. Am
Hauptbahnhof und anderen Umschlagplätzen würden vor allem
Schmuck und kleine Elektrogeräte wie Navi oder IPod verkauft.
Doch der materielle Schaden ist nur die eine Seite. Vor der
anderen Seite warnen Experten: den seelischen Schäden bei den
Opfern. "Eine neue Studie belegt, dass die meisten nach dem
Einbruch mit Ängsten, Schlaflosigkeit und Krankheiten leben
müssen", sagt Rudi Justen, Vorsitzender des Weißen Ring
NRW/Rheinland. "Das ist ein Alptraum, der kaum vergeht."
- /UWE REIMANN
Quelle:
Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Düsseldorf
Ausgabe: Nr.72
Datum: Donnerstag, den 26. März 2009
Seite: Nr.27
Aufklärung bei Mord am höchsten
Die Anzahl der Straftaten nimmt seit Jahren ab. Zum Beispiel bei den
Diebstählen aus Autos: Ein Minus von fast 23 Prozent und eine
gestiegene Aufklärungsquote sind erste Erfolge. Trotzdem ist die
Großstadt Düsseldorf attraktiv für Einbrecher, Diebe und Betrüger.
VON HANS ONKELBACH UND UWE REIMANN
Die Zahl der Straftaten in Düsseldorf ist auch in diesem Jahr
gesunken. Seit 2003 hat sich die Zahl der Delikte um mehr als
12000 auf jetzt 74396 vermindert. Polizeipräsident Herbert
Schenkelberg freute sich über die niedrigsten Zahlen seit sieben
Jahren in der Kriminalitätsstatistik 2008. Verschiedenste
Delikte, als Straßenkriminalität zusammengefasst, seien zudem um
rund zehn Prozent zurückgegangen. Der Bürger könne spüren, dass
die Polizei Erfolge verbuche, sagte Schenkelberg.
Altstadtkriminalität
Schenkelberg sagte den Gewaltexzessen in der Altstadt vor allem
an Wochenenden den Kampf an. "Der festgestellte Zuwachs von
Gewalt, der auch vor Polizisten nicht Halt macht, ist nicht
hinnehmbar." Dem werde mit Polizeipräsenz an den Brennpunkten
der Altstadt konsequent entgegen gewirkt, versprach er. Das
heißt: Eventuell müssen noch mehr Polizisten auf die Straße,
ebenso könnte es sein, über eine Aufstockung der Altstadtwache
nachzudenken. Sexualdelikte
484 Taten bedeuten einen Anstieg um 101 Taten gegenüber dem
Vorjahr. Das ist ein Plus von fast 27Prozent. Weniger
Vergewaltigungen, weniger sexuelle Nötigungen, aber deutlich
mehr Taten der Verbreitung von pornographischen Erzeugnissen
finden sich in der Statistik. Raub
Die Anzahl der Raubdelikte sinkt seit sieben Jahren. Von 1141
Straftaten im Jahr 2003 ist die Kriminalität in dem Bereich auf
jetzt 904 Taten gesunken. Dabei sind Bankraube fast gänzlich
verschwunden. Nur noch dreimal wurden Geldinstitute im
vergangenen Jahr überfallen. Jürgen Schneider, der Leiter der
Direktion Kriminalität, kennt die Gründe: immer mehr
Sicherungsmaßnahmen, deutlich mehr und bessere Kameras.
Körperverletzungen
Die Zahl nimmt seit 2003 stetig zu, verharrt aber 2008 auf dem
Vorjahresniveau. 4721 Taten steht eine Aufklärungsquote von mehr
als 77Prozent gegenüber. Vor allem die schweren und gefährlichen
Körperverletzungen machen der Polizei Sorgen. Die Zahl sank nach
Jahren des Anstiegs im vergangenen Jahr von 1528 auf 1466
Delikte. Diebstähle von und aus Kfz
Ein Deliktbereich, der sich seit Jahren auf über 10000 Taten pro
Jahr eingependelt hatte. Nun stieg zwar die Zahl der komplett
gestohlenen Autos von 396 auf 407 geringfügig an, aber der
Diebstahl aus Fahrzeugen ging deutlich zurück: Von 10571 auf
8203. Nach Aussagen der Kripo liegt das an der Gründung einer
Ermittlungskommission, die sich gezielt mit Tätern dieses
Bereichs beschäftigt und im Laufe des Jahres mehrere große
Fahndungserfolge meldete. Was sich auch an der gestiegenen
Aufklärungquote zeigt: 2007 lag sie bei 3,67 Prozent, in 2008
war man in 12,09 Prozent der Fälle auf der Suche nach dem Täter
erfolgreich. Mord und Totschlag
Die so genannten Straftaten gegen das Leben sind häufiger
geworden - allerdings auf niedrigem Niveau. 2007 kamen 16
Menschen durch Mord, Totschlag oder fahrlässige Tötung ums
Leben, 2008 waren es 18. Sieben dieser Taten wurden als Mord
gewertet, neun als Totschlag und zwei als fahrlässige Tötung.
Die Aufklärung lag bei 100Prozent: Alle Täter konnten ermittelt
werden (siehe Info). Drogentote
In Düsseldorf starben in 2008 20Personen (19 Männer und eine
Frau) an den Folgen ihres Drogenkonsums. Der Jüngste war 27, der
Älteste 52 Jahre. Die Frau kam mit 42 Jahren ums Leben.
Häufigkeitszahl
Ein statistischer Wert, der die Zahl der Straftaten pro 100000
Einwohner beziffert. In Düsseldorf lag er 2008 bei 12802 Fällen,
91 weniger als 2007. Dennoch liegt er immer noch höher als in
anderen Großstädten, was laut Polizei daran liegt, dass viele
Täter (Touristen, Pendler) hier straffällig werden, aber nicht
hier leben.
- /HANS ONKELBACH UND UWE REIMANN
Quelle:
Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Düsseldorf
Ausgabe: Nr.73
Datum: Freitag, den 27. März 2009
Seite: Nr.18
Jugendkriminalität
Düsseldorf,
30.03.2009, Michael Mücke nrz
Der Kampf gegen die Jugendkriminalität stellt die Polizei vor eine Herkules-Aufgabe.
Eine Trendwende konnte bisher nicht erzielt werden, Polizeipräsident Herbert Schenkelberg hat dieses Thema deshalb ganz oben auf seine Prioritätenliste gesetzt. Jeder siebte Düsseldorfer Jugendliche kam 2008 mit dem Gesetz in Konflikt. Besonders auffällig: Mehr als jeder dritte Tatverdächtige, der einen Raubüberfall im öffentlichen Raum begangen haben soll, war jünger als 18 Jahre.
Die Gesamtzahlen sind nahezu unverändert hoch: Im vergangenen Jahr gerieten 605 Kinder und 2276 Jungen und Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren unter Verdacht, eine Straftat begangen zu haben.
Dass Kinder zu mehr Gewalt neigen, lässt sich aus der Kriminalitätsstatistik allerdings nicht ablesen. Der Überfall von drei unter 14-Jährigen auf ein 85-jähriges Opfer im vorigen Jahr war ein Einzelfall. Kinder werden meistens bei Diebstählen in Kaufhäusern und Läden ertappt.
Anders die Entwicklung bei Jugendlichen: Abzocke, Gewalt und der Griff zu Drogen sind ernstzunehmende Phänome. Gegen 223 Jugendliche wurde wegen Rauschgiftdelikten und gegen 370 wegen Gewalttaten ermittelt.
Das Polizeipräsidium baut seit Jahren ein Programm aus, um gegenzusteuern. Der „Eingreiftrupp Jugend” hat seit 2004 besonders auffällige Minderjährige im Visier. Junge Täter, bei denen Wiederholungsgefahr droht, werden mit Gelbe-Karten-Aktionen abgeschreckt, besonders schwierige Fälle in sogenannten „Fallkonferenzen” behandelt.
Immerhin gibt es hier erste Erfolge: Die Zahl der jungen Leute, die innerhalb von zwölf Monaten mehr als fünf Taten verübt hatten, ging zwischen 2006 und 2008 von 386 auf 249 zurück, die der Serientäter, die auch vor Gewalt nicht zurückschreckten, von 93 auf 71 zwischen den Jahren 2007 und 2008.
Auf diesem Kurs will die Polizeispitze weiter steuern. Die Diversionstage (Gelbe Karte) werden inzwischen regelmäßg im gesamten Stadtgebiet organisiert: in der Inspektion Benrath an der Börchemstraße, in der Polizeidienststelle Karl-Rudolf-Straße (Mitte) und seit letztem Jahr auch in der Inspektion Nord an der Wilhelm-Raabe-Straße. Dort setzen sich Staatsanwaltschaft und Jugendgerichtshilfe mit den Ertappten zusammen, um ihnen die Konsequenzen für strafbares Handeln klar zu machen.
Es ist der berühmte „Schuss vor den Bug”, betont Polizeisprecher Wolfgang Wierich. In vielen Fällen müssen die Jungen und Mädchen als Strafe Arbeitsstunden in einer sozialen Einrichtung leisten, manche kommen auch mit einer Verwarnung davon.
Die Polizei hat diese Aktionen ausgeweitet. Wurden 2006 noch 20 mutmaßliche Wiederholungstäter zu den Diversionstagen vorgeladen, so waren es im letzten Jahr schon 132. Von denjenigen, die vor einem Jahr oder länger dabei waren, sind immerhin fast 40 Prozent seitdem „nicht mehr aufgefallen”, berichtet Frank Schier von der Führungsstelle des Präsidiums. „Wir können keine Wunder bewirken, aber das ist mehr, als wir erwartet haben.”
Das zweite Projekt, die Fallkonferenz, ersetzt kein Gerichtsverfahren. In diesem Gremium suchen Polizei, Staatsanwaltschaft, Jugendgerichtshilfe für gewalttätige Intensivtäter, die immer wieder straffällig werden, nach einer individuellen Lösung, um ein weiteres Abdriften in die Kriminalität zu verhindern, die Rückkehr in den Schulalltag zu erleichtern, Konflikte in der Familie zu lösen. 20 Täter wurden seit Mai 2008 in diesem Programm intensiv betreut. Bei immerhin sechs Deliquenten kann die Polizei inzwischen eine positive Prognose aufstellen. Sie sind nicht mehr durch weitere Straftaten aufgefallen.
31. März 2009 - 19:37 Uhr
wz
Kriminalität: Weniger junge Intensivtäter
von Juliane Kinast
Der Anteil Jugendlicher an den Raubstraftaten ist noch immer
hoch, doch
die Zahl der Mehrfachtäter nimmt aktuell deutlich ab.
"Nur" noch 71 gewalttätige Intensivtäter
verzeichnete die Polizei 2008.
Düsseldorf. Noch immer ist es Wochenende für Wochenende
spürbar: Die
Polizeipräsenz in der Altstadt hat massiv zugenommen. Es ist
das
eingetreten, was Polizeipräsident Herbert Schenkelberg nicht
wollte: In
den Nächten sind dauerhaft Hundertschaften im Einsatz.
"Wir werden auf
diesem Niveau erst einmal weitermachen müssen", sagt
Schenkelberg. "Ich
sehe nicht, wie sich die Situation sonst entspannen
soll."
Gerade die Gewaltbereitschaft von Jugendlichen und
Heranwachsenden macht
Schenkelberg Sorgen. Ihr Anteil ist laut
Kriminalitätsstatistik
besonders bei den Rohheitsdelikten hoch: 2008 waren 33,9
Prozent der
Tatverdächtigen bei Raubüberfällen und 38,5 Prozent der
Verdächtigen
beim Handtaschenraub zwischen 14 und 18 Jahre alt. "Die
Bekämpfung der
Jugendkriminalität wird deshalb 2009 ein Schwerpunkt unserer
Arbeit
bleiben", kündigt Schenkelberg an. Und meint damit
beileibe nicht nur
die Altstadt.
22 jugendliche
Intensivtäter weniger als im Jahr zuvor
Dabei -- trotz aller Schlagzeilen über Gewalttätigkeiten in
der Altstadt
-- ist die Entwicklung bei den straffälligen Jugendlichen
durchaus
positiv. Laut Frank Schier, dem Jugendbeauftragten der
Polizei, ist die
Zahl der jugendlichen Intensivtäter 2008 auf 71 gesunken --
2007 waren
es noch 93. Auch die Mehrfachtatverdächtigen unter 18Jahren
sind weniger
geworden: Mit 88 gab es im vergangenen Jahr 32 weniger als
noch 2007.
Ein Trend, den Schier auf zwei Aspekte zurückführt.
Erstens wurden im
Mai 2008 die Fallkonferenzen für Intensivtäter gestartet,
bei denen sich
Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendgerichtshilfe mit dem
einzelnen
Jugendlichen beschäftigen und für ihn Wege aus dem
kriminellen
Teufelskreis finden wollen. Sechs der 20 Intensivtäter, die
an der
ersten Konferenz teilnahmen, sind bereits seit Monaten nicht
mehr
auffällig geworden -- für Schier ein Erfolg. "Ich will
jetzt auch die
Bewährungshilfe ins Boot holen", sagt er. Zudem sollen
laufend neue
Jugendliche in das Programm der Fallkonferenzen aufgenommen
werden.
Gelbe Karte:
Mehrfachtäter wachsen weniger nach
Zweitens wachsen offenbar weniger Intensiv- und
Mehrfachtäter nach.
Mitte 2008 wurde das Gelbe-Karte-Verfahren,
das anderthalb Jahre zuvor
im Süden gestartet war, auf ganz Düsseldorf ausgeweitet.
Flächendeckend
erhalten jetzt Jugendliche, die am Anfang einer kriminellen
Karriere
stehen könnten, bereits nach den ersten Vergehen einen
Schuss vor den
Bug -- wie bei den Fallkonferenzen von Polizei,
Staatsanwälten und
Jugendgerichtshilfe. Die Teilnehmer erwartet meist eine
milde Strafe.
Als allerletzte Chance vor der Anklage.
52 Jugendliche wurden 2007 mit der Gelben Karte verwarnt.
2008 waren es
jetzt schon 132. "Wir werden 2009 die Teilnehmerzahl
wieder steigern",
kündigt Frank Schier an. Denn der Erfolg des Verfahrens ist
in seinen
Augen offenkundig: 60Prozent der Jugendlichen würden nicht
mehr
rückfällig -- das sei eine gute Quote.
Schier will vor allem die Kooperation mit den Schulen noch
stärker
ausbauen. Die bestehende Netzwerkarbeit in der Stadt sei
aber schon
jetzt ein Hauptgrund für die positive Entwicklung bei den
jungen
Intensiv- und Mehrfachtätern. Jetzt will Schier mit den
Angeboten mehr
und mehr betroffene Jugendliche erreichen. Der
Jugendbeauftragte sagt:
"Ich bin optimistisch, dass wir die Zahlen auch in
diesem Jahr weiter
senken können."