Zu viele Kinder in
Deutschland schlecht ernährt
Hunderttausende Kinder in Deutschland sind mangelernährt. Foto: dapd
Essen. Hunderttausende Kinder in Deutschland
sind mangelernährt. Zu dieser Erkenntnis kommt der Bundesverband der Kinder-
und Jugendärzte. Experten berichten von Allergien und Hautkrankheiten, weil
viele Kinder mit Cola, Schokoriegeln und Chips groß würden.
Hunderttausende Kinder in Deutschland sind mangelernährt. Zu
dieser Erkenntnis kommt der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte. Für
500 000 Kinder seien die Ernährungsbedingungen mit denen in
Entwicklungsländern vergleichbar, sagte der Präsident des Ärzteverbandes,
Wolfram Hartmann.
Er forderte ein kostenloses Mittagessen in Kindergärten und Schulen, mit dem
eine ausgewogene Ernährung von montags bis freitags sichergestellt werden
könne. Auch im Ruhrgebiet wachsen viele Kinder mit ähnlichen Schwierigkeiten
auf. So ist jedes fünfte Kind in Essen mangelernährt oder übergewichtig, ergab
eine aktuelle Studie der Stadt.
Heinz Hilgers, Präsident des deutschen Kinderschutzbundes, macht die zu
niedrigen Hartz-IV-Sätze für Kinder verantwortlich.
Wenn für einen 13-jährigen Jungen drei Euro pro Tag ausreichen müssten, „kann
man das Kind kaum ausreichend ernähren“, sagte er der WAZ. Mit Hartz IV auszukommen, sei eine große Kunst. Das würden
auch viele Eltern mit einem gehobenen Bildungsniveau nicht schaffen. In
bildungsfernen Familien, wo Antriebslosigkeit und Frustration hinzu kämen, sei es umso schwerer.
Der Sprecher des Kinderhilfsprojektes „Arche“, Wolfgang Büscher,
glaubt nicht, dass ein höherer Hartz-IV-Satz die
Qualität der Kinderernährung beeinflussen könne. „Die Gleichgültigkeit
gegenüber der Kinderernährung in bildungsfernen Schichten ist sehr groß“, sagt
er. Viele Kinder hätten von Anfang an ein kariöses Gebiss, komplizierte
Allergien und Hautkrankheiten, weil sie mit Cola, Schokoriegeln, Burgern und Chips groß würden.
Auch Elternarbeit könne nicht viel an der Situation ändern. Resignation und
Unwissenheit seien einfach zu groß, sagt Büscher.
„Wir müssen aber für die Kinder da sein, sie unterstützen, wo es nur geht.“
Dr. Sabine Ritter, Expertin für Kinder- und Jugendgesundheit bei der
AOK Rheinland, ist hingegen überzeugt, dass Eltern mit ins Boot genommen werden
müssen, wenn die Ernährung der Kinder besser werden soll – „je früher, desto
besser“. So animiere die AOK mit mehreren Projekten Eltern dazu, ihren ungesunden
Lebensstil zu verändern.