Im Jahr 2011 sterben so wenige Menschen an Drogenkonsum wie zuletzt im Jahr 1988. Eine Zahl, die auch die Drogenbeauftragte der Regierung überrascht. Alarmierend ist aber, dass der Konsum synthetischer Drogen wie Crystal zunimmt.
Die Zahl der Drogentoten ist im Jahr 2011 stark
zurückgegangen.
Foto: dpa/Archiv
Wirkliches Vertrauen in ihre eigene Politik hat die Drogenbeauftragte der Bundesregierung offenbar nicht. „Wir können es uns zunächst noch nicht erklären“, kommentierte Mechthild Dyckmans (FDP) am Montag die überraschend stark gesunkene Zahl von Drogentoten in Deutschland.
Sie fiel 2011 gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent auf 986 und erreichte somit den niedrigsten Stand seit 1988. Die Haupttodesursache war Heroin. Einen Erklärungsversuch für die positive Zahl gab Dyckmans dann aber doch: Die bestehenden Hilfs- und Betreuungsangebote, also zum Beispiel die Versorgung mit Methadon oder künstlichem Heroin, sorgten dafür, dass Drogenabhängige gesundheitlich stabilisiert würden und länger überleben könnten.
Immer mehr nehmen Crystal
Das war es dann aber mit den guten Nachrichten. Denn die Zahl der Menschen, die andere Rauschmittel nehmen, steigt offenbar kräftig an. So wurden beispielsweise fast 1.700 Menschen im Zusammenhang mit der hochgefährlichen Modedroge Crystal erstmals bei der Polizei auffällig. Das ist ein Zuwachs von satten 164 Prozent.
Insgesamt stieg die Zahl der mit synthetischen Drogen (Amphetamin und Methamphetamin) erwischten Personen im vergangenen Jahr um 20 Prozent auf 14. 500. Sichergestellt wurden dabei rund 1,5 Tonnen der Designerdrogen. Nach Angaben des Chefs des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, wird Crystal überwiegend aus Tschechien nach Deutschland geschmuggelt. 27.3.12
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Zahl der Drogentoten um 25 Prozent gesunken
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Publikation |
Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH |
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Lokalausgabe |
Rheinische Post Düsseldorf |
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Erscheinungstag |
Montag, den 26. März 2012 |
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3 |
Kommentar
26.03.2012 | 17:52 Uhr ![]()
Schön, dass die Zahl der Drogentoten so deutlich zurückgeht. Aber ein Grund zur Entwarnung ist das nicht. 35 Jahre nach den „Kindern vom Bahnhof Zoo“ scheint ein Weg gefunden, durch Methadon, Fixer-Stuben und HIV-Aufklärung den frühen Drogentod Heroinsüchtiger zu verhindern.
Zudem scheint Heroin als Fluchtdroge mit Ultra-Kick bei Jugendlichen weniger attraktiv zu sein als früher. Ebenso wenig wie „Bewusstseinserweiterung“ per LSD. Heute sind Aufputschmittel gefragt, Leistungssteigerndes.
Crystal, Speed, Kokain – wichtig ist, mithalten zu
können. In der Schule, im Job, im Bett, in der Disco. Das gilt für Manager wie
für Jugendliche. Auch wenn Crystal meist „nur“ geschnupft wird: Die
hochkonzentrierte Droge ist alles andere als harmlos. Im Zweiten Weltkrieg
hielt sie als „Hitlers Droge“ Piloten im Kampfeinsatz wach und aggressiv. Akute
Nebenwirkungen waren und sind neben der psychischen Abhängigkeit
Schlafstörungen, Zahnausfall, Herzrhythmusstörungen, schnelle Alterung,
Absterben von Nervenzellen, starker Gewichtsverlust. Wie gesagt: Kein Grund zur
Entwarnung. Im Gegenteil. Denn hier hilft kein Methadon, nur weniger Druck zur
Höchstleistung.
http://www.derwesten.de/politik/keine-entwarnung-id6499915.html
http://www.derwesten.de/nachrichten/zahl-der-drogentoten-deutlich-zurueckgegangen-id6498710.html
http://www.derwesten.de/gesundheit/zahl-der-drogentoten-auf-neuen-tiefstand-gesunken-id6498253.html