Wohnungsmieten steigen deutlich

 

 

    Immer mehr Menschen zieht es nach Düsseldorf. Es fehlt aber seit

    Jahren vor allem an preisgünstigen Wohnungen. Jährlich werden nur

    halb so viele gebaut wie benötigt. Wohnen wird deshalb immer teurer,

    prognostiziert der Ring Deutscher Makler. Der Mieterverein verlangt

    eine Kehrtwende.

 

 

      VON UWE REIMANN

 

 

 

        In zehn Jahren will Düsseldorf die 600000-Einwohner-Marke

        knacken. Viele Menschen drängen in die Stadt und wollen hier

        wohnen und arbeiten. Schon jetzt herrscht in allen Stadtteilen

        großer Haus- und Wohnungsmangel. Der Ring Deutscher Makler warnt

        davor und ist sich sicher: „Die Mietpreise werden in Zukunft

        drastisch steigen“, sagt ihr Sprecher in Düsseldorf, Jörg

        Schnorrenberger. Wohnen in der Landeshauptstadt wird deutlich

        teurer werden. Der Mieterverein Düsseldorf fordert deshalb eine

        Kehrtwende in der städtischen Wohnungsbauentwicklung.

        „Normalverdiener können sich sonst das Wohnen und Leben in

        Düsseldorf nicht mehr leisten, weil es ein Luxusgut geworden

        ist“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer, Michaelo Damerow.

 

 

 

        Der Grund für die müde Wohnungsbautätigkeit liegt in den

        Anfängen: Die Flächenreserven schwinden. Sie neigen sich dem

        Ende zu, hat Planungsdezernent Gregor Bonin festgestellt. Nur

        noch 186 Hektar Bauland sind stadtweit für Wohnen vorhanden. Das

        entspricht einem Potenzial von etwa 12200 Wohneinheiten (etwa

        8800 Wohnungen und 3400 Eigenheime) Innerhalb von zwei Jahren

        sank diese Reserve um 20 Hektar.

 

 

 

        Dem gegenüber steht eine höhere Nachfrage: Bereits 2007 wies

        eine Analyse einen jährlichen Bedarf von 2200 Wohneinheiten aus.

        Tatsächlich fertig gestellt werden derzeit jedes Jahr nur etwa

        1000. Die Wohnbauflächenreserve wäre in zwölf Jahren

        aufgebraucht. Die Folge dieser Knappheit sind bereits jetzt

        Bauland- und Immobilienpreise, die zu den höchsten in

        Deutschland zählen. Weil der Bedarf nicht mehr durch größere

        Neubauprojekte gedeckt werden kann - in den Naherholungsgebieten

        am Stadtrand sollen keine weiteren Baugebiete ausgewiesen werden

        - setzt die Stadt auf Umstrukturierungen und Verdichtungen im

        Bestand. So sollen nicht mehr zeitgemäße Wohnhäuser - 60 Prozent

        des Bestands entstanden zwischen 1949 und 1976 - modernisiert

        oder abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden.

 

 

 

        Doch das geht nur ganz langsam voran. Zu langsam, warnen Makler

        und Mieterorganisationen. Experten fürchten, dass bis zum Jahr

        2020 rund 16000 Wohnungen fehlen. Der knappe Wohnungsmarkt hat

        Folgen. Wie der „Residential City Profile“ der Makler Jones Lang

        LaSalle ausweist, zog das Preisniveau auf dem Düsseldorfer

        Wohnimmobilienmarkt bereits im zweiten Halbjahr 2008 kräftig an.

        Angebotsmieten stiegen auf durchschnittlich 8,10 Euro/qm (plus 3

        Prozent).

 

 

 

        Was Jones Lang LaSalle für das zweite Halbjahr 2008 aufzeigte,

        geht immer weiter. Selbst Stadtteile, die früher ein preiswertes

        Mietwohnungspreisniveau hatten, werden immer teurer. Beispiel

        Flingern: „Wenn Sie vor zehn Jahren gesagt hätten, dass sie dort

        statt fünf Euro den Quadratmeter zwischen zehn und zwölf Euro

        bezahlen müssen, hätte man sie für verrückt erklärt“, sagt

        Schnorrenberger. In solchen Quartieren siedelten sich neue

        Kneipen und Galerien an, die Altbauten wurden saniert und dann

        kamen die Yuppies. Schnell war der Stadtteil hipp und

        szenetauglich. Die Folge: Wurden Wohnungen frei, verdoppelte

        sich der Mietpreis. So wie in Flingern die Preisspirale nach

        oben zeigt, ist es ähnlich in Derendorf oder Pempelfort, weiß

        Schnorrenberger.

 

 

 

        Ein Blick über die Stadtteile beweist das. Die Angebotsmieten

        steigen laut Jones Lang LaSalle in sieben von zehn

        Stadtbezirken. Bis auf die Bezirke 7 (Gerresheim, Grafenberg,

        Hubbelrath, Ludenberg) und 8 (Eller, Lierenfeld, Unterbach,

        Vennhausen) weisen alle anderen Mietpreiswachstum auf. Der

        stärkste Anstieg: fast zwölf Prozent im Bezirk 1 (Altstadt,

        Carlstadt, Stadtmitte, Pempelfort, Derendorf und Golzheim). Die

        höchsten Mieten sind mit durchschnittlich 10,40 Euro/qm pro

        Monat in Nieder- und Oberkassel zu erzielen. Doch klar ist: Für

        besondere Lagen, die sich mitunter nur an der Straßenseite

        orientieren, gibt es keine Preisgrenzen. Die günstigsten

        Standorte sind mit durchschnittlich sechs Euro/qm/Monat Garath

        und Hellerhof. Der Grund: viel sozialer Wohnungsbau mit Gebäuden

        aus den 1960er und 1970er Jahren. So dringend die Stadt laut

        Experten bezahlbaren Wohnraum braucht, so sehr findet auch die

        Nachfrage nach Luxuswohnungen kaum Befriedigung. Selbst

        Wohnungen von einigen tausenden Euro pro Monat finden ganz rasch

        Mieter.

 

 

 

        KOMMENTAR

 

 

          - /UWE REIMANN

 

 

 

    Wachsen nur mit Wohnungen

 

 

 

        Düsseldorfs Fortschritt auf der nach oben offenen

        Attraktivitätsskala geht voran. Die Stadt boomt, bietet

        qualifizierte Jobs selbst in den Krisennachwehen, baut ihre

        Infrastruktur zielstrebig und kontinuierlich aus. Nur eins

        schafft sie nicht: Denen, die sie anlockt, auch ausreichenden

        Wohnraum anzubieten. Dabei geht es nicht nur um falsche Akzente

        wie „Zuviel teurer und zuwenig preiswerter Wohnraum“. Es fehlt

        an Wohnungen in allen Bereichen. Sowohl das Luxussegment für

        Menschen, die fast alles bereit sind zu zahlen, wie auch

        normale, zu bezahlende Mietwohnungen fehlen. Seit Jahren hat die

        Stadt zu wenig darauf geachtet, neben Prestigeobjekten und

        gewerblichen Bauprojekten auch daran zu denken, dass die

        Menschen angemessen wohnen möchten. Und vor allem können. Es

        gibt mittlerweile neue Wohnungsbauquartiere. Doch die reichen

        nicht - wenn die Stadt weiter wachsen will.

 

 

      UWE REIMANN

 

 

          - /UWE REIMANN

 

 

Quelle:

Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH

Publikation: Rheinische Post Düsseldorf

Ausgabe: Nr.289

Datum: Freitag, den 11. Dezember 2009

Seite: Nr.21