Von der Leyen soll für Hartz IV
Zahlen nennen
Berlin. Der Druck auf Bundesarbeitsministerin von der Leyen in der
Debatte um die Hartz IV-Reform wächst. Die Grünen
werfen ihr Ablenkungsmanöver vor - sie solle endlich konkret werden bei der
Frage der Regelsätze. 420 Euro müssten es sein.
Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin wirft Bundesarbeitsministerin Ursula von
der Leyen (CDU) bei der Debatte um die Hartz-IV-Reform
ein Ablenkungsmanöver vor. „Arbeitsministerin von der Leyen drückt sich um die
Frage, wie hoch die Grundhöhen der Regelsätze tatsächlich liegen sollen. Die
Debatte um Sachleistungen für Bildung und die Bildungschipkarte lenken von dem
Kern des Problems ab“, sagte Trittin am Dienstag. Der Regelbetrag müsse auf 420
Euro angehoben werden. Trittin fügte hinzu: „Das Modell der Bildungschipkarte
hilft nicht. Denn es handelt sich um eine freiwillige Leistung der Kommunen.
Das heißt, Städte wie Düsseldorf werden sie zur Verfügung stellen können. In
Duisburg und Gelsenkirchen, wo Haushaltsnotlage herrscht, wird dies nicht
möglich sein. Hier aber wird sie gebraucht.“
Von der Leyen: Erst muss gerechnet werden
Von der Leyen wies die Kritik zurück. Über die neue Höhe der Leistungen
könne nichts gesagt werden, bis die alltäglichen Ausgaben von 60 000 Haushalten
nicht berechnet seien. Das sei ein sehr aufwendiges Verfahren. Am Wochenende
würden die letzten Sonderauswertungen vorliegen. Als wichtigste Verbesserung
verwies die CDU-Politikerin auf das geplante Bildungspaket für Kinder. Bei
Freizeitangeboten etwa könnten die Kommunen auf bereits bestehende Angebote
zurückgreifen. Schwer zu organisieren sei hingegen die Lernförderung, räumte
von der Leyen ein. Hier müssten Anstrengungen unternommen werden.
Eine Erhöhung der Hartz-IV-Regelsätze ist für den
Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg,
nicht zwingend. „Manche reden schon von 400 Euro im Monat oder mehr. Dazu wird
es nicht kommen“, sagte Landsberg. „Unbedingt erforderlich ist, dass der
Bildungsbedarf von Kindern künftig bei Hartz IV
abgedeckt wird“, sagte Landsberg. Dabei gehe es um Lernförderung, Kultur, Sport
und einem Zuschuss zum Schulessen. Es sei richtig, „auf Sachleistungen zu
setzen und nicht immer gleich auf Bargeld“, sagte Landsberg. Die Lücke zwischen
dem Arbeitslosengeld II und den untersten Erwerbseinkommen dürfe nicht immer
kleiner werden.
Auch die Länder sind unzufrieden
Die Arbeits- und Sozialminister der Länder forderten von der Leyen auf,
wesentliche Reformelemente aus ihrem aktuellen Gesetzentwurf zu streichen. Vor
allem müsse die Neuregelung des Rechts der Unterkunftskosten von diesem
Verfahren abgetrennt werden, zitierte das „Handelsblatt“ (Dienstagausgabe) aus
einem Schreiben des hessischen Sozialministers Stefan Grüttner
(CDU) an die Bundesministerin. Grüttner ist zurzeit
Vorsitzender der Arbeits- und Sozialministerkonferenz der Länder (ASMK).
„Darüber hinaus wäre zu bedenken, ob nicht auch weitere inhaltliche Bereiche,
wie Sanktionen und Hinzuverdienstgrenzen, zunächst zurückgestellt werden
könnten“, schrieb Grüttner dem Bericht zufolge
weiter. Zur geplanten Neuregelung der Wohnkosten hätten Bund und Länder im
Übrigen eine Arbeitsgruppe eingesetzt, deren Ergebnisse bisher noch gar nicht
vorlägen. (dapd)
http://www.derwesten.de/nachrichten/Von-der-Leyen-soll-fuer-Hartz-IV-Zahlen-nennen-id3740043.html