Trend zur Ghettoisierung

18.03.2010 / Inland / Seite 4Inhalt

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 Wohnungsmangel in Deutschland: Experten warnen vor sozialen Spannungen

 

Angesichts anhaltenden Wohnungsmangels haben Experten vor sozialen

Spannungen in Deutschland gewarnt. Nach einer Studie, die das Institut

»Prognos« am Mittwoch in Berlin vorstellte, wird es im Jahr 2025 in drei

Vierteln der deutschen Regionen zu wenig Wohnungen und damit steigende

Mieten geben. Auftraggeber der Untersuchung waren unter anderem die

Gewerkschaft IG BAU, der Bundesverband Freier Immobilien- und

Wohnungsunternehmen, der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes sowie

der Deutsche Mieterbund (DMB). Die Mieterorganisa­tion warnte vor einer

Ghettoisierung einkommensschwacher Schichten. Nach Angaben des DMB

werden jährlich nur 175000 Wohnungen gebaut. Das seien mindestens 200000

zu wenig. »Selbst nach konservativen Schätzungen fehlen in den nächsten

fünf Jahren eine Million Wohnungen«, sagte DMB-Chef Lukas Siebenkotten.

Werde hier nicht kurzfristig gegengesteuert, muß »mit der

Unbezahlbarkeit angemessenen Wohnraums für immer größer werdende

Schichten gerechnet werden«. Der Sozialwohnungsbau sei zudem nahezu

vollständig zum Erliegen gekommen, kritisierte er. Nach Angaben des DMB

werden derzeit weniger als 10000 Wohnungen jährlich neu gefördert. »Vor

30 Jahren hatten wir noch vier Millionen Sozialwohnungen bei etwa 1,8

Millionen Arbeitslosen; heute haben wir rund 3,5 Millionen Arbeitslose,

aber nur 1,5 Millionen Sozialwohnungen«.

 

Nach der »Prognos«-Studie werde 2025 in jeder zweiten Region

Deutschlands zudem Wohnungsdefizit und unterdurchschnittliche Einkommen

zusammentreffen. Als »unterdurchschnittlich« gilt laut Untersuchung ein

Haushaltsnettoeinkommen, das unter 1774 Euro liegt. Am stärksten

betroffen sind demnach Niedersachsen, Hessen und Berlin. Daß in Teilen

Ostdeutschlands dagegen viele Wohnungen leerstehen, entschärfe die

Situation nicht. »Sie können einem Menschen, der in München arbeitet,

nicht sagen, er soll nach Hoyerswerda ziehen, nur weil da Wohnungen frei

sind«, sagte Siebenkotten. (jW)