Serien-Schwarzfahrer kommt ungestraft davon

 

(wuk) Mit einem Freispruch hat das Amtsgericht jetzt den Prozess gegen einen 47-jährigen Alkoholiker beendet, der innerhalb eines Jahres 73 Mal ohne Ticket in Straßenbahnen, S-Bahnen und Regionalzügen erwischt worden war. Der Mann gestand, bei Streitigkeiten mit seiner Lebensgefährtin stets in die nächstbeste Bahn gestiegen und ziellos umher gefahren zu sein. Schon beim kleinsten Streit, der sich mit seiner Partnerin andeutete, hat der Angeklagte demnach immer „das Weite gesucht“. „In der Bahn hab? ich schließlich viele nette Leute getroffen“, erklärte der Angeklagte dazu. Und als er zeitweilig obdachlos war, habe er in den Bahn-Abteilen ja auch bei widrigster Witterung stets „in Ruhe sein Bier trinken können“.

 

Nach ziellosen Fahrten, manche bis ins Ruhrgebiet, habe er dann beruhigt nach Düsseldorf zurückkehren können. Bahnen ohne Tickets zu benutzen, „ist ihm zur Gewohnheit geworden“, so der Staatsanwalt nach Blick in die Vorstrafenliste des Angeklagten. Demnach war der 47-Jährige schon seit 2005 vielfach als Schwarzfahrer bestraft worden, hat sogar rund ein Drittel der zurückliegenden sechs Jahre wegen solcher Taten in Gefängnissen verbracht. Inzwischen ist der 47-Jährige aber so schwer nieren- und leberkrank, dass dies zu einer „Wesensveränderung“ geführt habe, betonte sein Verteidiger.

 

Im Ergebnis stimmt ein psychiatrischer Gutachter zu: Bei einem Großteil der jetzt angeklagten 73 Schwarzfahrten, sei der alkoholkranke Angeklagte wohl nur eingeschränkt schuldfähig gewesen. Bei etlichen Fahrten sei die Schuldfähigkeit des 47-Jährigen sogar aufgehoben gewesen. Präzise lasse sich heute aber nicht mehr unterscheiden, bei welcher Schwarzfahrt er schuldunfähig war, bei welcher nicht. Das Gericht entschied „im Zweifel zugunsten des Angeklagten“ und sprach ihn in allen 73 Fällen frei.

 

Das Urteil ist jedoch nicht rechtskräftig. Der Staatsanwalt hatte ein Jahr als Bewährungsstrafe beantragt.

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Publikation

Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH

Lokalausgabe

Rheinische Post Düsseldorf

Erscheinungstag

Freitag, den 18. November 2011

Seite

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