Polizei statt
Sheriffs
FDP lehnt CDU-Pläne für Kiezläufer ab
Von
Damir Fras
BERLIN. Die CDU stößt mit ihrem Vorschlag,
private Sicherheitsleute in Städten patrouillieren zu lassen, auf Widerstand
bei ihrem Koalitionspartner und bei der Opposition. "Der Vorschlag,
Privatleute als Ersatzpolizisten einzusetzen, setzt ein falsches Signal",
sagte die stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Gisela Piltz der
Frankfurter Rundschau. Nur eine gut ausgestattete und gut ausgebildete Polizei
könne die Sicherheit der Menschen gewährleisten.
Zudem sei es in einem Rechtsstaat und vor dem
Hintergrund der deutschen Geschichte völlig unangemessen, Privatpersonen auf
Patrouille zu schicken. "Es ist eine Errungenschaft unseres Rechtsstaats,
dass die Aufgabe, die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten, der Polizei
zufällt."
Grünen-Chef Cem Özdemir
warnte vor "martialischen Kiez-Sheriffs", in denen die Aufgaben von
Polizei und Sozialarbeit auf fragwürdige Weise vermengt würden. "Die
öffentliche Sicherheit ist mit gutem Grund eine hoheitliche Aufgabe und Sache
der Polizei", sagte er. Wichtig sei es, die Polizei gut auszubilden und
auszustatten, Sozialarbeiter zu finanzieren und in den schwierigsten Vierteln die
besten Ganztagsschulen anzusiedeln. Linkspartei-Chefin Gesine
Lötzsch sagte, mit der Privatisierung öffentlicher
Leistungen gebe es schlechte Erfahrungen. "Die CDU will in ihrem
Privatisierungswahn nun auch die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger privatisieren
und damit aufs Spiel setzen. Für unsere Sicherheit ist die Polizei zuständig,
und dafür müssen Polizisten auch gut bezahlt werden."
Die CDU hatte in einem Papier zum Thema
Großstadtpolitik vorgeschlagen, sogenannte Kiezläufer
ohne hoheitliche Befugnisse einzusetzen, die sich "um den Erhalt von
Ordnung und Sauberkeit im Straßenbild kümmern" sollen. Das Papier wurde
unter anderen von CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe
und der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth erarbeitet. mit vat
FR 12.5.11
12.05.2011 / Inland / Seite 4Inhalt
Polizeigewerkschaft gegen Privat-Streifen
Potsdam. Die Gewerkschaft der Polizei hält den Einsatz von
privaten Sicherheitsleuten in Problemvierteln für inakzeptabel. Der
CDU-Vorschlag sei nur ein »erneuter hilfloser Versuch der Politik, den
offenkundigen Personalmangel bei der Polizei zu verschleiern«, sagte der
Bundesvorsitzende der Gewerkschaft, Bernhard Witthaut, am Mittwoch in Potsdam.
Die Berliner Zeitung (Mittwochausgabe) hatte zuvor über ein Positionspapier aus
der CDU-Spitze berichtet, wonach private Sicherheitskräfte in deutschen Großstädte auf Streife gehen könnten. (dapd/jW)