Neun Kältetote

 

Hilfe für Obdachlose in Deutschland gefordert

 

Hamburg. Wegen der Kälte fordert die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG) mehr Hilfe für Obdachlose. Während in vielen Großstädten inzwischen Notunterkünfte oder Kältebusse zur Verfügung stünden, sei die Unterstützung auf dem Land und in kleineren Städten immer noch unzureichend, sagte BAG-Geschäftsführer Thomas Specht.

 

Bislang gibt es in diesem Winter mindestens neun wohnungslose Kälteopfer in Deutschland. Zu den sieben Menschen, die von der Wohnungshilfe genannt werden, kamen in den vergangenen Tagen nach Angaben der Polizei zwei weitere in Berlin. Auffällig sei, dass die meisten Toten in kleineren Städten zu beklagen seien. Häufig seien sie im Freien, unter Brücken, in Hauseingängen und scheinbar sicheren Gartenlauben, Abrisshäusern und sonstigen Unterständen gestorben, hieß es. Es sei davon auszugehen, dass weitere Wohnungslose die kalten Tage nicht überlebt haben. "Wenn jemand nach Nächten im Abbruchhaus mit einer akuten Erkrankung in ein Krankenhaus eingeliefert wird und dort stirbt, taucht dieser Mensch als Kälteopfer in keiner Übersicht auf", sagte Specht.

 

Die Eiseskälte hat große Teile Europas weiter fest im Griff. Schnee und Glätte führten am Mittwoch zum Verkehrschaos, Schulen blieben geschlossen und Stromausfall drohte. In vielen Regionen Deutschlands soll es auch am Freitag kräftig schneien. Zudem kann stürmischer Wind laut Deutschem Wetterdienst zu Schneeverwehungen führen.

 

Trotz der frostigen Temperaturen ist die Weser auch in diesem Jahr zur traditionellen Bremer Eiswette nicht zugefroren. Am Ende der Zeremonie hieß es am Mittwoch wieder: "De Werser geiht". Rund 1700 Zuschauer verfolgten das Spektakel bei leichtem Schneefall und Minusgraden.

 

In Großbritannien, wo einer der härtesten Winter seit Jahrzehnten herrscht, behinderten Schneestürme den Flugverkehr. Autofahrer strandeten auf Autobahnen. Tausende Schulen blieben geschlossen. Krankenhäuser bereiteten Notfallpläne vor. Der Eurostar unter dem Ärmelkanal meldete erneut Zugausfälle und Verspätungen.

 

Wärme in Griechenland

 

Im Westen Frankreichs durften in einigen Regionen weder Lastwagen noch Schulbusse fahren. Der Wetterdienst rechnet mit einer Kältewelle bis Mitte Januar. Auch die Italiener bibbern. In Ravenna überrollte ein Zug ein im Schnee stecken gebliebenes Auto. Andernorts in Italien führte starker Regen zu Überschwemmungen. Raue See und starker Wind behinderten den Schiffsverkehr in Neapel. Sonne satt gibt es dagegen in Griechenland mit Temperaturen bis 23 Grad. dpa/ddp

Fr 7.1.09

 

 

U-Bahn für Obdachlose öffnen“

Die Diakonie und die Hilfsorganistion fiftyfifty fordern, die unterirdischen Bahnhöfe während der Kälteperiode auch nachts nicht zu schließen. Die Rheinbahn dagegen verweist auf die Notunterkünfte der Stadt.

VON STEFANI GEILHAUSEN

 

Der Mann war in kritischem Zustand: Gestern gegen 11Uhr fanden Bundespolizisten den orientierungslos wirkenden, 58 Jahre alten Wohnungslosen in der Bahnhofshalle. Seine verletzten Beine wurden bereits blau. „Dem Mann drohte offensichtlich eine Unterkühlung“, so Bundespolizeisprecher Stefan Beckmann. Seine Kollegen nahmen den Obdachlosen mit zur Wache, leisteten erste Hilfe. Einen Arzt lehnte der Mann ab. Die Polizisten brachten ihn schließlich in eine Obdachlosenunterkunft.

 

Für Pfarrer Thorsten Nolting ein Grund mehr, die Rheinbahn aufzufordern, ihre U-Bahnhöfe für Wohnungslose zu öffnen. So wird es in Berlin gehandhabt, doch in Düsseldorf sind die Bahnhöfe der Rheinbahn nachts geschlossen. „Viele Nichtsesshafte meiden die Notunterkünfte. Bei den aktuellen Temperaturen laufen sie Gefahr zu erfrieren“, sagt der Vorstand der Diakonie, die selbst vor allem tagsüber Anlaufstellen für Obdachlose anbietet.

 

Die Rheinbahn lehnt die Öffnung der U-Bahnhöfe für Obdachlose kategorisch ab. Das habe vor allem Sicherheitsgründe, sagt Rheinbahnsprecher Heiko Göbel. „Wir müssten mit ungeheurem Personalaufwand die Bahnhöfe bewachen, um sicherzustellen, dass niemand auf den Gleisen schläft.“ Bei der Rheinbahn erinnert man sich außerdem nur zu gut an ein Feuer, das vor Jahren ein Obdachloser im U-Bahnschacht verursacht hatte. Die Stadt, so Göbel, mache die Stadt genügend Hilfsangebote.

 

Das sagt auch Sozialamts-Chef Roland Buschhausen: „Bei uns muss niemand auf der Straße schlafen.“ Die Notschlafstellen seien keineswegs überlastet, und auch die Zelte, die die Stadt gemeinsam mit dem Roten Kreuz im vorigen Januar am Unteren Rheinwerft aufgestellt hat, seien nicht ausgelastet gewesen. Polizei, Ordnungsdienst und viele Bürger kümmerten sich um gefährdete Obdachlose, brächten sie, wenn nötig auch gegen deren Willen, in die warmen Unterkünfte. Gleichwohl werde man die Lage beobachten. „Das Geld hätten wir - wenn es nötig wird, stellen wir auch wieder Zelte auf.“ Darüber wird Buschhausen in den nächsten Tagen wohl auch mit dem Roten Kreuz reden. DRK-Sprecher Thomas Jeschkowski sagte der RP gestern, das DRK wolle angesichts der frostigen Temperaturen selbst Kontakt mit der Stadt aufnehmen. „Wir können jederzeit die Zelte aufbauen.“

 

Hubert Ostendorf von der Hilfsorganisation fiftyfifty unterstützt den Vorstoß Noltings: „Wir reden über weniger als 100 Leute, die nicht in die Notunterkünfte gehen. Für die ist doch nicht viel Security nötig.“ Ostendorf würde am liebsten alle U-Bahnhöfe der Stadt im Winter für Wohnungslose geöffnet sehen. „Es ist zutiefst unmoralisch, das abzulehnen - im Wissen, dass dadurch Menschenleben in Gefahr sind.“

 

Im Hauptbahnhof hat die Deutsche Bahn keine Probleme. Bahnhofsmanager Jörg Seelmeyer erklärte: „Wir lassen niemanden erfrieren, Wer sich an unsere Hausordnung hält, wird bei diesen Temperaturen im Bahnhof geduldet.“

 

- /STEFANI GEILHAUSEN

 

Sorge um die Obdachlosen

 

Sicher hat die Stadt eine Menge Schlafstellen für Obdachlose. Doch nicht jeder will dort hin. Die einen, weil sie Diebstähle fürchten, die anderen, weil sie die Enge meiden. Und einige sind sicher auch dabei, die lieber draußen bleiben, weil drinnen der Alkoholkonsum strikt verboten ist. Auf die berufen sich zumindest oft die Entscheidungsträger, die zusätzliche Angebote in der kalten Jahreszeit ablehnen. So macht man sich’s leicht: Bietet Hilfe an und kümmert sich nicht wirklich drum, was mit denen ist, die - aus welchen Gründen auch immer - dieses Angebot nicht annehmen können. Die Entscheidung, heißt es, sei jedem selbst überlassen. Damit aber überlässt man diese Menschen sich selbst.

 

Bloß gut, dass auch in diesem kalten Winter nicht nur die Polizei und der OSD ihre Obdachlosen im Auge behalten. Auch viele Bürger kümmern sich, melden verlassene Schlafplätze, sorgen sich um die Nichtsesshaften, die sie sonst täglich in ihrem Viertel sehen. So kann denen, die sich nicht selbst helfen können, schnell geholfen werden.

STEFANI GEILHAUSEN

 

 

RP-Leserforum

 

Berlin und Hannover haben’s längst getan, in München aber bleiben die U-Bahnhöfe auch bei klirrender Kälte geschlossen. In Düsseldorf fordern Hilfseinrichtungen, die Bahnhöfe im Winter für Obdachlose zu öffnen? Wie sehen Sie das? Sollen Obdachlose im U-Bahnhof übernachten dürfen? Mailen Sie an stadtpost@rheinische-post.de oder schreiben Sie Ihre Meinung im Internet: www.rp-online.de/d üsseldorf

 

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Quelle:

Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH

Publikation: Rheinische Post Düsseldorf

Ausgabe: Nr.5

Datum: Donnerstag, den 07. Januar 2010

Seite: Nr.27

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07.01.2010 / Inland / Seite 4Inhalt jw

Frieren bis zum Tod

Mindestens sieben Menschen in diesem Winter bisher erfroren. Wohnungslosenhilfe rechnet mit mehr Opfern. Diakonie fordert mehr Unterstützung für Obdachlose

Von Christian Linde

 

Kalte Tage sind Krisentage – zumindest für Menschen ohne eigenes Dach über dem Kopf. War Berlin in den zurückliegenden Jahren von extremer Kälte verschont, hat sich in diesem Winter empfindlicher Dauerfrost eingestellt. Bis zu minus 15 Grad zeigte das Thermometer bisher. Die klirrende Kälte hat in der Hauptstadt nach Angaben des Diakonischen Werkes vom Dienstag bisher drei Todesopfer gefordert. Aufgefunden Anfang Dezember auf dem Boxhagener Platz im Stadtteil Friedrichshain, am Weihnachtsabend auf dem S-Bahnhof Messe-Nord in Charlottenburg und zwei Tage vor dem Jahreswechsel auf einem Friedhof in Wilmersdorf. »Obdachlose trifft es immer zuerst«, sagte Susanne Kahl-Passoth, Direktorin des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (DWBO). »Wir haben bereits beim Start der Kältehilfesaison auf die Situation in den Notübernachtungen hingewiesen und den dringenden Bedarf an weiteren Übernachtungsmöglichkeiten deutlich gemacht«, kritisiert Kahl-Passoth die Untätigkeit der »rot-roten« Koalition. Der Senat dagegen hält das Angebot für ausreichend.

In Berlin existieren im Rahmen der sogenannten Kältehilfe rund 70 Einrichtungen, die Obdachlosen in der Zeit zwischen dem 1. November und 31. März »niedrigschwellige Hilfe« anbieten. Dazu gehören Suppenküchen, Kleiderkammern, Tagestreffs, Arztpraxen, Nachtcafes und Notübernachtungen, die von kirchlichen Einrichtungen und den Wohlfahrtsverbänden betrieben werden. Außerdem sind zwei Kältebusse unterwegs, die Obdachlose auf Straßen und Plätze aufsuchen und mit Schlafsäcken versorgen oder in Unterkünfte transportieren.

Obwohl der Senat selbst von mindestens 3000 bis 4000 Menschen ausgeht, die »dauerhaft auf der Straße leben«, stehen gerade einmal 300 bis 350 Notschlafstellen zur Verfügung. Dieses Angebot reiche nicht aus, so die Diakonie. Es würden zwingend zusätzliche Plätze insbesondere im Innenstadtbereich gebraucht. »Die Senatsverwaltung und die Bezirke waren jedoch bisher nicht bereit, weitere finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen«, so die Diakonie-Direktorin. »Hier müssen der Senat und die Bezirke ihre Verantwortung wahrnehmen«, forderte Kahl-Passoth. Vor allem in die Massenunterkunft der Berliner Stadtmission in der Lehrter Straße am Hauptbahnhof mit einer Kapazität von 60 Plätzen drängen laut Angaben des Betreibers bis zu 160 Personen pro Nacht. Vor allem der Anteil von EU-Bürgern aus Osteuropa habe in diesem Jahr erheblich zugenommen.

Nicht nur in Berlin sind in diesem Winter Menschen auf der Straße erfroren. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) berichtet von mindestens vier weiteren Kältetoten. »Leider müssen wir davon ausgehen, daß noch weitere Wohnungslose die kalten Tage nicht überlebt haben, denn uns werden auch nur die Fälle bekannt, über die in der Lokalpresse berichtet wird«, erklärte Thomas Specht, Geschäftsführer der BAG W. »Wenn jemand nach Nächten im Abbruchhaus mit einer akuten Erkrankung in ein Krankenhaus eingeliefert wird und dort stirbt, taucht dieser Mensch als Kälteopfer in keiner Übersicht auf.« Die Organisation appelliert angesichts der erhöhten Gefahr durch die frostigen Temperaturen, wohnungslose Männer und Frauen ordnungsgemäß und menschenwürdig unterzubringen. Dieser Appell richte sich vor allem an Kommunen im ländlichen Raum sowie an Klein- und Mittelstädte. Es sei auffällig, daß dort und in den ostdeutschen Bundesländern in den letzten Wintern überproportional viele Kältetote zu beklagen waren. »Aber wie die Opfer dieses Winters zeigen, sind Wohnungslose auch in Städten mit einem dichteren Hilfeangebot stark gefährdet«, warnt Thomas Specht. Die Wohnungslosenhilfeorganisation erneuerte die Forderung nach einem uneingeschränkten Aufenthaltsrecht für Obdachlose in Einkaufspassagen, U- und S-Bahnhöfen sowie in Bahnhöfen der Deutschen Bahn.

Zwar hat in Berlin der Senat nach jahrelanger Forderung mit der Schillingstraße, dem Südstern und dem Hansaplatz die Öffnung dieser drei U-Bahnhöfen in Nächten unter minus drei Grad gegenüber den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) durchgesetzt. Gleichzeitig betreibt das landeseigene Unternehmen derzeit jedoch ein »Pilotprojekt« zur Vertreibung »ungebetener Gäste« aus dem Bahnhofsbereich. In Abstimmung mit der Technischen Aufsichtsbehörde (TAB) hat die BVG dafür auf dem U-Bahnhof Adenauerplatz – mit Beginn der Kälteperiode – einen Testlauf für »Musikbeschallung« begonnen.

 

 

 

Obdachlose: Elbers öffnet Zelt

Der Oberbürgermeister hat entschieden, wie bereits im vorigen Winter Schlafplätze im beheizten Zelt am Rhein anzubieten. Die U-Bahnhöfe zu öffnen hält Elbers für schwierig, will aber mit der Rheinbahn darüber reden.

VON STEFANI GEILHAUSEN

 

Während gestern die Grünen eine Forderung von Diakonie-Pfarrer Thorsten Nolting unterstützten und die sofortige Öffnung der U-Bahnhöfe für Obdachlose forderten, ließ Oberbürgermeister Dirk Elbers erneut ein beheiztes Zelt für Wohnungslose am Unteren Rheinwerft aufbauen.

 

„Das ist für mich angesichts der herrschenden Temperaturen selbstverständlich“, sagte Elbers, der die gleiche Entscheidung schon im vorigen Winter getroffen hat. Früh um Acht ließ er gestern den Auftrag ans Deutsche Rote Kreuz erteilen, wo man den Anruf bereits erwartet hatte. „90 Prozent der Ehrenamtler, die hier schon einmal Dienst gemacht haben, kommen auch jetzt wieder - die Arbeit hat uns allen Freude gemacht“, sagt Mirco Nevermann, der selbst seinen Urlaub dafür opfert.

 

Zwei DRK-Helfer sind seit gestern am Zelt im Einsatz, das - anders als im vergangenen Jahr - nur über Nacht (von 19 bis 9Uhr ) geöffnet sein wird. „Wir versorgen die Leute mit heißen Getränken, leisten medizinische Hilfe und versuchen natürlich auch, sie an eine der Unterkünfte zu vermitteln.“ Doch das wollen nicht alle. „Vielen ist es unangenehm, in einem Gebäude zu schlafen. Andere haben Hunde dabei, die nicht überall mit dürfen“, hat Nevermann aus den Gesprächen im vorigen Jahr gelernt.

 

Dirk Elbers weiß um diese Eigenheiten mancher Wohnungsloser. Deren Gründe für das Leben auf der Straße und das Meiden der Notunterkünfte „spielen für mich keine Rolle. Die muss man akzeptieren. Trotzdem endet damit nicht unsere Fürsorgepflicht.“ Die Zelte, die im vorigen Jahr so gut angenommen worden waren, dass schon nach zwei Tagen ein zweites gebraucht wurde, seien eine gute Ergänzung. Und: „Ich finde das besser als die Öffnung der U-Bahnhöfe“, sagt Elbers. Dort sei ein hoher Kontrollaufwand nötig, um die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten. Die Zelte, für deren Einrichtung und Betreuung die Stadt dem DRK eine Entschädigung zahlt, seien „vermutlich teurer, in jedem Fall aber sicherer als die Übernachtungsmöglichkeit im U-Bahnhof.“

 

Gleichwohl schließt Elbers nicht aus, „vielleicht einmal mit der Rheinbahn darüber reden“ zu müssen, vor allem dann, wenn sich derart strenge Winter häuften. Die Verkehrsbetriebe in anderen Städten, wie etwa Köln, Hannover oder Berlin, haben ihre U-Bahnhöfe längst für Wohnungslose geöffnet, in Niedersachsen wurden sie sogar von der Sozialministerin dazu aufgefordert. „Vielleicht“, so Elbers, könnte auch mit der Rheinbahn ein Kompromiss gefunden werden.“

 

Der aber sei diesen Winter noch nicht nötig - schließlich steht nun das Zelt mit neun Schlafplätzen, die sich schnell auf zwölf erweitern lassen (und unterm Feldbett Platz für Hunde bieten). „In einer halben Stunde können wir doch drei Zelte aufbauen“, versichert Mirco Nevermann.

 

600 ehrenamtliche Helfer des Roten Kreuzes gewährleisteten auch dann die Betreuung, wenn die Zelte länger stehen müssen. Anfang 2009 waren sie erst nach zehn Tagen wieder abgebaut worden.

 

Den Grünen reicht das allerdings nicht. Fraktionssprecherin Iris Bellstedt erklärte gestern, ein Zelt sei keine Alternative zum geöffneten U-Bahnhof, der für frierende Obdachlose Soforthilfe bedeute. Die Grünen, die eine Ratsinitiative zu dem Thema ankündigten, forderten den Oberbürgermeister auf, „bei der Rheinbahn Druck“ zu machen, damit diese zumindest einige der Düsseldorfer U-Bahnhöfe nachts geöffnet lasse.

 

- /STEFANI GEILHAUSEN

 

Unterkünfte

 

Tagsüber finden Obdachlose Schutz im Shelter (Ratinger Str.), im Café Horizont (Neusser Str.), Café Pur (Harkortstr.), Café Kola (Erkrather Str.) und Trebecafé (Kölner Str. 148, nur für Frauen).

 

Um gezielt helfen zu können, sind Sozialarbeiter und OSD dankbar für Hinweise aus der Bevölkerung. Telefon 60283500 oder 8994000

 

-

 

Quelle:

Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH

Publikation: Rheinische Post Düsseldorf

Ausgabe: Nr.6

Datum: Freitag, den 08. Januar 2010

Seite: Nr.25

 

 

 

7. Januar 2010 - 19:27 Uhr wz

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Winterwetter: Zelt für Obdachlose steht, Rheinbahn ordert Streusalz

von der Lokalredaktion

Die Stadt stellt sich auf extreme Verhältnisse am Wochenende ein. Die Sicherheitskräfte sind gerüstet.

 

Olaf Lehne (l.) und Stefan Fischer vom Roten Kreuz packten am Donnerstag mit OB Dirk Elbers symbolisch Decken im Notzelt aus. (Foto: Bernd Schaller)

 

Düsseldorf. „Wir bekommen einen neuen Lauf.“ Wenn Ortrun Roll, Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst, das sagt, meint sie, dass es in der kommenden Nacht zu schneien beginnen soll, dann den ganzen Samstag über, hinzu kommt starker Wind. „Das ist brisant“, warnt Roll. „Und es bleibt sehr kalt. So lange Frostperioden sind für die Region sehr ungewöhnlich.“

 

Die Stadt rüstet sich für den Schneefall – unter erschwerten Bedingungen. Der Awista geht am Samstag voraussichtlich das Streusalz aus, um alle Straßen zu räumen - zudem fehlen ihr Fahrzeuge.

 

Die Rheinbahn will sich diesmal dennoch besser präsentieren als beim Wintereinbruch vor Weihnachten: „Wir haben mit der Awista detailliert abgesprochen, wo wir dringend rechtzeitig Streusalz brauchen, zum Beispiel auf der Ludenberger Straße hoch nach Ludenberg und Gerresheim“, sagt Sprecher Georg Schumacher.

 

Wenn es schneie, seien ein Dutzend Bahnen in der Nacht auf „Spurfahrt“ unterwegs, um das Schienennetz halbwegs freizuhalten. Schumacher: „Wenn morgens zu viel Schnee auf den Gleisen liegt, können vor allem die Niederflurbahnen nicht starten.“ Trotz aller Vorbereitungen empfiehlt er den Fahrgästen, Zeit mitzubringen.

 

Gedanken um Auswirkungen des erwarteten Schneefalls macht man sich auch bei Polizei und Feuerwehr. Die Autobahnpolizei hält Reservekräfte vor, die notfalls aktiviert werden. Auch die Feuerwehr hat Personal auf Bereitschaft.

 

Jede Drehleiter und jedes Löschfahrzeug ist mit Schneeketten ausgerüstet. Zusätzlich gibt es fest installierte Schleuderketten, die per Knopfdruck automatisch Ketten unter die Reifen schleudern. „In Stadtteilen wie Gerresheim könnte es kritisch werden“, sagt Feuerwehrsprecher Hans Jochen Hermes.

 

2008 hat die Wehr extra einen Geländewagen der Bundeswehr zum Rettungswagen umgebaut, um etwa Verletzte nach Rodelunfällen auf dem Segelflugplatz bergen zu können. Das Fahrzeug ist pünktlich zum ersten Schnee zur Wache in Gerresheim „versetzt“ worden.

 

Wegen der drohenden Glätte rechnet auch Unfallchirurg und Orthopäde Dr. Norbert Schmitz vom Gerresheimer Krankenhaus mit mehr Knochenbrüchen, verdrehten Gelenken oder gerissenen Bändern. „Vorsichtshalber haben wir schon mehr Material angefordert“, sagt Schmitz.

 

Zu Engpässen dürften es allerdings nicht kommen. Dafür sorgt auch das Düsseldorfer Traumanetz, zu dem sich Unfallchirurgen zusammengeschlossen haben: Wird es in einer Notaufnahme zu eng, werden die Kollegen der anderen Kliniken informiert und Patienten notfalls umgeleitet. Vorerst setzen beispielsweise EVK, Augusta und St. Vinzenz jedoch auf Routine.

Zelt bietet Platz für neun Menschen – Anbau möglich

 

Am meisten zu schaffen macht der Dauerfrost ohnehin denjenigen, die auf der Straße leben. Wie im Vorjahr hat OB Dirk Elbers daher Donnerstag ein Zelt als Notschlafstelle am Rheinufer (Höhe Schulstraße) aufstellen lassen. 2009 hatten in zehn Tagen 68 Personen in den Zelten übernachtet.

 

„Wir erwarten, dass wir jetzt wieder vier bis fünf Menschen pro Nacht hier haben“, sagt Mirco Nevermann vom Roten Kreuz. Tee, Kaffee und neun Betten stehen bereit – hält der Frost an, können kurzfristig drei weitere Zelte angebaut werden

-------- Original-Nachricht --------

> Datum: Fri, 8 Jan 2010 09:57:01 +0100

> Von: "Marion Gather" <marion.gather@gmx.de>

> An: axept@gmx.de, fiftyfifty@zakk.de, ikarmut@gmx.de, "Julia von Lindern" <j.vonlindern@fiftyfifty-underdog.de>, luisu@gmx.de, "Oliver Targas" <oliver.targas@diakonie-duesseldorf.de>, fiftyfifty.streetwork@x-pots.de, sieffert@gmx.de, DagmarFranke@gmx.net

> Betreff: Zeiten DRK-Zelt am Rhein

 

 

 

Stadt stellt Zelte für Obdachlose auf

von Juliane Kinast - wz 7. Januar 2010

 

Düsseldorf. Die Stadt stellt derzeit am Unteren Rheinwerft, an der Einmündung Schulstraße, Zelte für Obdachlose auf. Noch vor wenigen Tagen hatte es dafür von der Stadtspitze eine Absage gegeben. Angesichts des Dauerfrostes will man jetzt aber Menschen, die sich nicht in Obdachlosenunterkünfte trauen, Schlafmöglichkeiten und Raum zum Aufwärmen bieten.

 

Die Zelte sollen im Laufe des Donnerstagnachmittags stehen. Oberbürgermeister Dirk Elbers hatte sich bereits im Januar des vergangenen Jahres für das Aufstellen solcher Zelte stark gemacht - ebenfalls in einer Periode anhaltender Minusgrade.

 

Es war damals eine einmalige Aktion in Düsseldorf, der vorherige Oberbürgermeister Joachim Erwin hatte keine Notwendigkeit für zusätzliche Schlafplätze im Winter gesehen. Elbers wird an diesem Nachmittag die Zelte selbst besichtigen und sich vor Ort über die Arbeiten informieren.

 

 

 

(sg) Es waren seine ersten Nächte im Warmen: Bis Donnerstag hat Karl im Freien geschlafen. „Gut, dass es jetzt die Zelte gibt“, sagt er. Im August ist seine Wohnung zwangsgeräumt worden, danach verlor er seinen Job. Seitdem macht er „Platte“ und meidet die städtischen Schlafstellen. „Das bisschen, was man noch besitzt, will man behalten“, sagt er. Nicht selten wache in den Acht-Mann-Schlafsälen einer ohne Schuhe auf, weil ein anderer sie dringend brauchte. „Und oft gibt es dort Streitereien.“


Sascha, der auf der Straße lebt, seit er mit 16Jahren aus einem Wohnheim rausgeflogen ist, geht aus den selben Gründen nicht in die Unterkünfte. „Außerdem ist es da oft dreckig“, sagt er, „da bleib ich lieber draußen.“ Auch ins Zelt ist er nur gekommen, weil er empfindlichen Nachwuchs hat: Ratte Spike, die er in einer Plastikbox immer bei sich hat, hat zwei Babys bekommen. „Für die ist die Kälte nichts.“


Sascha und Karl sind zwei der 24 Übernachtungsgäste, die seit Freitag in die DRK-Zelte am Unteren Rheinwerft gekommen sind. Die Stadt hat sie am Donnerstag aufbauen lassen, um auch den Obdachlosen einen warmen Platz anzubieten, die nicht in die üblichen Unterkünfte gehen wollen. Neben einem Feldbett und Decken gibt’s im beheizten Zelt auch Tee und Kaffee, medizinische Versorgung durch DRK-Helfer und auf Wunsch auch eine Vermittlung an die Hilfsorganisationen.


Die Zelte sollen für die Dauer der Frostperiode stehen bleiben.

 

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Quelle:
Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Düsseldorf
Ausgabe: Nr.8
Datum: Montag, den 11. Januar 2010
Seite: Nr.17