„NRW bekämpft Energiearmut“ –
Minister Remmel fordert Energieversorger auf, sich an Modellvorhaben zu
beteiligen Düsseldorf, 02.05.2012
NRW startet Initiative zur Vermeidung von Energiesperren
Neues Beratungs- und Informationsangebot von Verbraucherzentrale NRW und
Caritas für Verbraucherinnen und Verbraucher mit Energieschulden
Ein Leben ohne Elektroherd, Kühlschrank, Licht und warmes Wasser – für die
Menschen in 120.000 Haushalten in NRW ist das im Jahr 2010 Alltag gewesen.
Steigende Energiepreise stellen für viele einkommensschwache Privathaushalte
eine schwere Belastung dar. Laufen die Stromkosten aus dem Ruder, droht eine
Energiesperre, wie eine Umfrage der Verbraucherzentrale NRW unter den
Energiegrundversorgern zeigte.
Fast drei Viertel der in Nordrhein-Westfalen ansässigen Energieunternehmen
stellen wachsende Probleme rund um Energieschulden fest. „Die große Zahl von
Verbraucherinnen und Verbrauchern, die ihre Energierechnung nicht zahlen
können, rüttelt auf: Wir müssen den Menschen helfen, die am stärksten unter
hohen Energiekosten leiden und ihnen auch Perspektiven anbieten, etwa in Form
von Energieeinsparmaßnahmen. Ein Alltag ohne Strom ist ein alarmierender
Zustand, den wir verhindern müssen“, sagte Verbraucherschutzminister Johannes
Remmel.
Vollständige Energiesperren verschärfen die finanzielle Not der betroffenen
Privathaushalte: Mahnungen und die Wiederherstellung der Energiezufuhr treiben
die Kosten weiter hoch. „In diesen Notlagen bedarf es kompetenter Beratung für
die Verbraucherinnen und Verbraucher. Beispielsweise bei der Erarbeitung eines
Zahlungsplans mit dem Energiedienstleister oder durch
die Übernahme der Energieschulden im Wege eines Darlehens durch das Jobcenter
oder das Sozialamt“, so Minister Remmel. Daher wird das Verbraucherschutzministerium
in der zweiten Jahreshälfte 2012 für Energieschuldnerinnen und Energieschuldner
ein Landesprojekt auf den Weg bringen: Beratungen zur Existenzsicherung und
Beratungen zum Energiesparen sollen konkrete Hilfe bieten.
Beginnend zum 1. Oktober 2012 sollen zunächst in fünf Standorten unter der
Organisationsverantwortung der Verbraucherzentrale NRW Netzwerke und
Budgetberatungsangebote zum Umgang mit Energieschulden unter Beteiligung
kommunaler Energieversorger aufgebaut werden. Weitere drei Standorte sollen im
Jahre 2013 folgen.
Bei der aufsuchenden Beratung zum Energiesparen sollen neben der VZ NRW auch
auf die Erfahrungen und Kompetenzen der Caritas zurückgegriffen werden.
Grundidee des Caritas-Projektes Stromspar-Checks ist, dass geschulte Stromsparhelfer
selber aus einkommensschwachen Haushalten kommen und so die Nöte, Ängste und
Befürchtungen leichter nachvollziehen können. Gleiche Augenhöhe ist ein
wichtiges Anliegen im Projektkonzept. Der Caritasverband ist zurzeit im
Gespräch mit der Agentur für Arbeit, um eine aufsuchende Energieberatung in
einkommensschwachen Haushalten zu realisieren. Das Projekt „NRW bekämpft
Energiearmut“ soll voraussichtlich bis Ende 2015 laufen.
Das Verbraucherschutzministerium stellt in dieser Zeit allein für die Budget-
und Rechtsberatung Finanzmittel in Höhe von bis zu 1,5 Millionen Euro zur
Verfügung. Mit den organisatorischen Vorarbeiten wird die Verbraucherzentrale
bereits vor der Sommerpause beginnen.
„Insbesondere die Stadtwerke vor Ort möchte ich ermuntern, den Kontakt zur
Verbraucherzentrale NRW in den nächsten Wochen herzustellen, um mögliche
Kooperationen bei Beratungsangeboten auszuloten“, forderte Remmel. „Es gibt
gute Vorbilder: Die Stadtwerke Wuppertal und die VZ NRW haben offene
Sprechstunden und einen schnellen Zugang zu einer qualifizierten Budgetberatung
angeboten und einkommensschwachen Verbraucherinnen und Verbraucher so schnell
geholfen“, so Remmel.
Die Kooperation der Stadtwerke Wuppertal und der VZ NRW, die vor einem Jahr
gestartet wurde, klärt Ratsuchende mit Energieschulden schnell auf. „Das
Problem säumiger Kunden, die ihre Energierechnungen nicht mehr bezahlen können,
betrifft die ganze Branche. Wir wollten uns diesem Problem aber anders nähern
als ausschließlich durch Mahnungen und Sperrungen. Darum haben wir als WSW
Energie & Wasser AG gemeinsam mit der Verbraucherzentrale die Beratung für
Energieschuldner aus der Taufe gehoben. Der Erfolg des Projektes freut uns sehr
und ermutigt uns, auf diesem Wege weiterzugehen“, so Andreas Feicht, Vorstands-vorsitzender der Wuppertaler Stadtwerke.
Die praktischen Erfahrungen aus Wuppertal sollen auch in das geplante
landesweite Modellvorhaben einfließen.
„Wer Energiearmut vermeiden möchte, muss präventiv tätig werden und die
Budgetkompetenz sowie das Energiewissen der Verbraucherinnen und Verbraucher
stärken. Das hohe Interesse, die finanzielle Bereitschaft von
Energieversorgungsunternehmen sowie die politische Unterstützung sind
ermutigende Anstöße, um Schritt für Schritt nötige Information und Hilfe für
Ratsuchende flächendeckend in Nordrhein-Westfalen anzubieten“, sagte Klaus
Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW.
„Das Projekt Stromsparcheck verbindet Klimapolitik (Reduzierung von
CO2-Emissionen), Sozialpolitik (Kostenersparnis für die Bezieher von
Sozialleistungen), Bildungspolitik (Sensibilisierung einkommensarmer Haushalte
für effiziente Energienutzung) und schließlich auch Arbeitsmarktpolitik
(Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen). Ein guter und notwendiger Ansatz,
damit auch arme Menschen in Deutschland am Stromnetz bleiben können, denn die
Regelsätze decken die bekannten und tatsächlichen Stromkosten nicht ab“, sagte
Diözesan-Caritasdirektor für das Erzbistum Köln, Dr. Frank Joh.
Hensel.
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