Mehrheit für Alkoholverbot in Sicht

VON CHRISTIAN HERRENDORF

 

Aus dem Düsseldorfer Rathaus gibt es deutliche Signale in Richtung Landtag, einen gesetzlichen Rahmen für ein Alkoholverbot zu erlassen.

Gestern hat die Düsseldorfer CDU-Fraktion signalisiert, dass sie ein räumlich und zeitlich begrenztes Verkaufsverbot von Alkohol umsetzen

würde, wenn es ein entsprechendes Gesetz auf Landesebene gibt. Der Landtag wird sich in den nächsten Monaten mit einem entsprechenden

Gesetzesentwurf beschäftigen, so dass das Verbot noch in diesem Jahr in Kraft treten könnte. Im Innenausschuss des Landtags war der

Entwurf allerdings auf Zweifel gestoßen.

 

Räumlich und zeitlich begrenzt meint nach Ansicht der CDU Folgendes: In der Altstadt (laut CDU-Fraktionschef Friedrich G. Conzen das

Gebiet zwischen Ratinger Straße, Rheinufer und Königsallee) würde nach 24 Uhr kein Alkohol mehr an Kiosken verkauft werden dürfen. „Es

ist nicht einzusehen, warum die Terrassen um 24 Uhr schließen müssen und an den Büdchen nebenan weiter getrunken werden darf“, sagte

Andreas Hartnigk, stellvertretender Vorsitzender des Ordnungsausschusses. Zugleich betonte Hartnigk: „Ein solches Verkaufsverbot ist eine

Maßnahme in einem Strauß von Sicherheitsmaßnahmen wie den Doppelstreifen von Polizei und OSD oder der Videoüberwachung.“

 

In Düsseldorf zeichnet sich damit eine Mehrheit für ein solches Alkoholverbot ab, nachdem bereits aus anderen Fraktionen positive

Signale zu hören waren. Rückendeckung erhalten die Befürworter von den Altstadtwirten. Deren Sprecher Tobias Ludowigs schlug im

RP-Interview vor, dass Büdchen ab 24 Uhr keinen Alkohol mehr verkaufen dürfen, „so wie sie im Karneval zu bestimmten Zeiten keine

Glasflaschen mehr verkaufen dürfen“. Außerdem möchte Ludowigs ein Konsumverbot nach 24 Uhr auf öffentlichen Plätzen durchsetzen: „Wer

gegen das Verbot verstößt, wird von den Ordnungskräften aufgefordert, den Alkohol abzugeben, andernfalls wird ein Platzverbot erteilt.“

Die CDU hält ein solches Konsumverbot nicht für kontrollierbar.

 

Die Düsseldorfer Politiker wollen Alkoholverkauf in der Altstadt nach 24 Uhr untersagen. RP-Archivfoto: Endermann

 

Publikation     Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH

Lokalausgabe    Rheinische Post Düsseldorf

Erscheinungstag         Mittwoch, den 01. Februar 2012

Seite   27

 

 

 

Die Altstadt soll sicherer werden

31.01.2012 | 18:51 Uhr nrz

FotoPool

Düsseldorf.Trinkgelage, Pöbeleien, Gewalttaten. Die Altstadt ist zu manchen Nachtzeiten ein ziemlich heißes Pflaster.

Zwar hat die Polizei die Situation rund um die Bolkerstraße insgesamt im Griff - aber das gelingt ihr nur mit starken Einsatzkräften am Wochenende. Jetzt bekommt die Polizei etwas Rückendeckung von der Politik.

Im Rathaus bahnt sich in einer wichtigen Sachfrage eine große Koalition an. Sowohl die CDU als auch die SPD sprechen sich dafür aus, dass die Altstadt-Büdchen am Wochenende ab Mitternacht keinen Alkohol mehr verkaufen dürfen. Sobald die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind, wolle man hier eine entsprechende Regelung treffen. Möglicherweise schon in diesem Jahr, kündigte die CDU-Fraktion an.

Klarheit schaffen

Was das Verkaufsverbot angeht, wird Ordnungsdezernent Stephan Keller morgen über die Rechtslage und über Erfahrungen in anderen Städten etwas sagen. Im Landtag gibt es sogar eine CDU-Initiative für zeitlich und räumlich befristete Alkoholkonsumverbote im öffentlichen Straßenraum. Bisher fehlte dafür eine klare juristische Grundlage.

Der Düsseldorfer Polizeipräsident Herbert Schenkelberg begrüßt die Gesetzesinitiative im Landtag, die Klarheit schaffen soll. „Dann müssen wir eines Tages nicht mehr darüber diskutieren, was man darf, sondern darüber, ob man es will.“ Darüber wiederum muss die Politik entscheiden. Die Polizei kann nur auf Entwicklungen hinweisen. Und eine ist, dass mit steigendem Alkoholkonsum bestimmter Altstadt-Besucher die Zahl der Polizeieinsätze steigt, so Schenkelberg.

Der leitende Polizeidirektor Dieter Höhbusch macht auf eine weitere aktuelle Entwicklung aufmerksam: „Uns bereitet große Sorgen, dass es in letzter Zeit zu plötzlichen Gewaltexzessen gekommen ist, mit denen sich seit September drei Mordkommissionen befassen mussten.“ Am 28. September wurden ein Kellner von drei jungen Männern am Schlossturm zusammengeschlagen und lebensgefährlich verletzt, am 5. November unweit der Altstadt ein 24-Jähriger bei einer Hetzjagd auf der getötet, am 8. Januar ein 22-Jähriger bei einem Streit auf der Bolkerstraße niedergestochen und schwer verletzt.

Eine neue Dimension

„Plötzlich und unerwartet kracht es“, sagt Höhbusch. Streits aus nichtigem Anlass, die derart eskalieren - zwischen Menschen, die sich zuvor vielleicht gar nicht begegnet waren. Und die Hemmschwelle zur brutalen Gewalt sinkt. „Diese Dimension hatten wir so bisher nicht“, betont der Polizeidirektor. Für die Einsatzkräfte eine besonders schwierige Herausforderung. : „Sie können nicht wissen, wo, was durch wen passiert.“

Immerhin gelang es der Polizei aber, einen Anstieg der Gewalttaten in der Altstadt zu verhindern. Im vergangenen Jahr wurden 270 gefährliche Körperverletzungen registriert, zehn weniger als 2010. „Unser Konzept hat sich bewährt“, betont der Chef für Gefahrenabwehr und Strafverfolgung. Am Wochenende sorgen in den Abend- und Nachtstunden Beamte der Einsatzhundertschaft und des Einsatztrupps „Prios“ für die nötige Verstärkung. „Höhbusch: Wir sind ganz schnell vor Ort, wenn etwas passiert.“ Zum Brennpunkt Bolker Stern benötigen die Kräfte „nicht mal 40 Sekunden.“ Er ist sich aber auch sicher, dass bei einem Rückzug der Hundertschaft, die Gewalt in der Altstadt wieder zunehmen würde. „Deshalb zeigen wir dort weiter massive Präsenz.“

Dass mit steigendem Alkoholpegel auch die Aggressionen zunehmen, davon ist Höhbusch überzeugt. Und hier setzt die Politik an. Wenn die Büdchen von der Altstadt bis Carlstadt, von der bis zum Rheinufer am Wochenende Ende ab Mitternacht kein Alkohol mehr verkaufen dürfen, dann wäre das „ein passendes Instrument in einem Strauß von Maßnahmen“, um für mehr Sicherheit in der Altstadt zu sorgen, teilt CDU-Ordnungsexperte Andreas Hartnigk mit.

Zuspruch bekam er sofort von der SPD-Fraktion: „Das halte ich für einen richtigen Weg.“, lobt Ratsherr Martin Volkenrath.

Michael Mücke