Kritik an Gutschein-Almosen
04.08.2010 / Inland / Seite 1Inhalt jw
Kirchen und
Sozialverbände fordern Erhöhung der Hartz-IV-Sätze
für Kinder
Die vom Bundesverfassungsgericht
angeordnete Neuregelung der Hartz-IV-Sätze sorgt
weiter für Kontroversen. Die großen Kirchen und der Paritätische
Wohlfahrtsverband forderten am Dienstag erneut mehr Geld für bedürftige Eltern
und Kinder. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, und der Vorsitzende des Diakonischen Rats,
Landesbischof Frank Otfried July, drängten die
Regierung dazu, die Sätze zu erhöhen. Zugleich kritisierten sie die von
Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) geplanten Gutscheine für die Kinder
von Langzeitarbeitslosen.
Höhere Hartz-IV-Sätze verlangte auch der
Hauptgeschäftsführer des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes (DPWV),
Ulrich Schneider. Er hält jedoch ein Gutscheinsystem bei der Leistungserhöhung
für Kinder für praktikabel. Gutscheine befürwortete – neben einer Erhöhung der
Kinderregelsätze – auch der Deutsche Caritasverband. Eine diskriminierungsfreie
Ausgestaltung sei beispielsweise über eine Chipkarte möglich. Die
stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Ingrid Fischbach (CDU) warnte
in der Rheinischen Post vor deutlichen Anhebungen der Regelsätze für Erwachsene
mit dem Verweis darauf, daß sich »das Leben in Hartz IV« nicht mehr lohnen dürfe als die Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit. Ähnlich äußerte sich der Präsident des Deutschen Instituts
für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann.
Das Bundesverfassungsgericht hatte der Regierung aufgegeben, bis Ende 2010 eine
nachvollziehbare Berechnungsgrundlage für die Hartz-IV-Sätze
vorzulegen und die Leistungen für rund 6,8 Millionen Hartz-IV-Bezieher
gegebenenfalls anzupassen. Dies will die Koalition bis zum Herbst tun. Der
Vorsitzende der Linkspartei, Klaus Ernst, forderte erneut eine
Regelsatzerhöhung auf 500 Euro. SPD-Chef Sigmar
Gabriel votierte für die Rückkehr zur unter SPD-Führung abgeschafften Gewährung
zusätzlicher Beträge für bestimmte Anschaffungen. (apn/jW)