Jeder Zweite in NRW
fährt einmal jährlich schwarz
27.10.2011 | 08:04 Uhr ![]()
Essen. Die Zahl der Anzeigen
wegen Schwarzfahrens ist nach Informationen von DerWesten
drastisch gestiegen. Statistisch gesehen fährt inzwischen jeder zweite
NRW-Bürger einmal jährlich schwarz.
Bahn und Staatsanwaltschaften greifen härter gegen Schwarzfahrer durch. Die
Zahl der Anzeigen wegen Beförderungserschleichung ist nach Informationen von derWesten.de seit 2008 von 50 000 jährlich auf heute fast
350 000 gestiegen. Die Einstellungsquote ist bei den Ermittlungsverfahren von
teilweise 80 Prozent auf 20 Prozent gesunken.
Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), dem neben der Bahn-Tochter DBRegio auch 400 kommunale und private Betriebe angehören,
fordert aber noch weitere Schritte: Das „erhöhte Beförderungsentgelt“ soll beim
Erstverstoß von heute 40 Euro auf 60 Euro erhöht werden. In den
Bundestagsfraktionen von Union und SPD sei die Sympathie für eine solche
Gesetzesverschärfung groß, heißt es.
Die Bearbeitung von Strafanzeigen – sie erfolgen seit wenigen Jahren nach
der dritten entdeckten Schwarzfahrt binnen drei Monaten und dann bei jeder
weiteren – ist völlig umorganisiert worden und kann stringenter verfolgt
werden. Die wöchentlich rund 2200 Vorgänge aus dem Bereich DBRegio
in Nordrhein-Westfalen werden jetzt in einer Dienststelle der Bundespolizei in
Löbau in Sachsen bearbeitet. Dort tun 60 Mitarbeiter in zwei Schichten Dienst,
die früher an der Grenze zu Polen und Tschechien im Einsatz waren.
Bundespolizei-Einheiten im Ruhrgebiet und die Direktion in St. Augustin bei
Bonn werden so entlastet.
Den 21 mit solchen Fällen befassten Staatsanwaltschaften in NRW könne durch
die besser organisierte Bearbeitung eine „überzeugendere
Entscheidungsgrundlage“ geboten werden, heißt es bei der Bundespolizei: „Die
Zahl der Vollstreckungshaftbefehle wegen Fahrgelddelikten stieg deutlich“.
Die Bahn schätzt, dass alleine in NRW rund neun Millionen Fahrten pro Jahr
unbezahlt erfolgen – statistisch gerechnet also jeder zweiter Einwohner des
Landes einmal jährlich schwarz fährt. „Das ist ein
gesellschaftliches Problem“, heißt es in dem Unternehmen.
Die Verluste der öffentlichen und aus Steuergeldern bezuschussten Betriebe
durch Schwarzfahrer sind in der Folge gewaltig. Nach Angaben des VDV liegen sie
bei 300 Millionen Euro jährlich. Als „größtes Problem“ in diesem Zusammenhang betrachtet
der Verband jetzt Facebook-Seiten, auf denen
Schwarzfahrer vor Kontrolleuren gewarnt werden.
Über Gegenmaßnahmen wird nachgedacht: Kommunale Verkehrsbetriebe denken
dort, wo dies noch nicht der Fall ist, darüber nach, auch am Tag Fahrgäste nur
noch beim Fahrer einsteigen zu lassen und nicht mehr durch die Mitteltüren. So
plant zum Beispiel Hamburg.