Hartz-IV-Novelle beschlossen
26.02.2011 / Inland / Seite 2Inhalt
Parlament billigt Kompromiß. Sozialverband avisiert Verfassungsklage
Nach einem gut zweimonatigen Verhandlungsmarathon ist die Hartz-IV-Novelle unter Dach und Fach: Am Freitag stimmten
Bundestag und Bundesrat für die Neuregelung, mit der die Regelsätze bis Anfang
2012 um insgesamt acht Euro steigen. Im Bundestag votierten die Abgeordneten
von Union, FDP und SPD in namentlicher Abstimmung für den im Vermittlungsausschuß ausgehandelten Kompromiß,
Linke und Grüne dagegen. Von 567 Abgeordneten stimmten 433 mit Ja, 132 dagegen,
zwei enthielten sich. Im Bundesrat unterstützten jene Länder das Gesetz, die
von Union, FDP und SPD allein oder in Koalitionen regiert werden.
Grüne und Linke hatten sich gegen die Neuregelung gewandt. Grünen-Fraktionsvize
Fritz Kuhn sagte im Bundestag, die Regelsätze seien künstlich nach unten
gerechnet worden. Deshalb sei es gerechtfertigt gewesen, aus den Verhandlungen
auszusteigen. Linken-Fraktionschef Gregor Gysi erklärte, Schwarz-Gelb und SPD
hätten sich »auf dem Rücken der Ärmsten auf ein verfassungswidriges Gesetz
verständigt«.
Der Deutsche Städtetag begrüßte die Verabschiedung des Gesetzespaketes. Die
Zusage, die Kosten der Grundsicherung im Alter schrittweise von den Kommunen
auf den Bund zu übertragen, bringe eine »längst überfällige Entlastung der
Städte«, sagte die Präsidentin des Städtetages, die Frankfurter
Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU).
Der Deutsche Caritasverband kritisierte das Vorhaben, die Grundsicherung im
Alter durch Kürzung der Haushaltsmittel der Bundesagentur für Arbeit (BA) zu
finanzieren. »Die BA wird dies nur durch Einsparungen in der aktiven
Arbeitsmarktpolitik auffangen können«, hieß es in einer Erklärung. Der
Sozialverband Deutschland (SoVD) forderte eine rasche
verfassungsrechtliche Überprüfung des neuen Gesetzes. Es solle schnell in
Karlsruhe vorgelegt werden, »um eine erneute Flut von Massenklagen zu verhindern«,
hieß es in einer Erklärung.
Der Hartz-IV-Regelsatz für rund 4,7 Millionen
Erwachsene wird rückwirkend zum 1. Januar 2011 um fünf Euro von 359 auf 364
Euro erhöht und zum 1. Januar 2012 um weitere drei Euro. Die Sätze sollen
jährlich zum 1. Januar anhand der Preis- und Lohnentwicklung angepaßt werden.
(AFP/dapd/jW)
Linke wirbt für Hartz-IV-Klage
01.03.2011 / Inland / Seite 2Inhalt
Berlin. Die Linke appelliert an SPD und Grüne, sich einer
Klage vor dem Karlsruher Verfassungsgericht gegen die jüngst beschlossene Hartz-IV-Reform anzuschließen. »Ich fordere Grüne und SPD
auf, mit uns gemeinsam eine solche Normenkontrollklage einzureichen«, sagte der
Linken-Vorsitzende Klaus Ernst am Montag in Berlin. Die Linke sei bereits auf
die SPD in den Ländern zugegangen, in denen beide Parteien gemeinsam regieren.
Bislang hätten SPD und Grüne jedoch noch nicht auf die Forderung reagiert. Eine
Normenkontrollklage muß entweder von einem Viertel
der Bundestagsabgeordneten, einer Landesregierung oder der Bundesregierung
eingereicht werden. Union, FDP und SPD hatten sich vergangene Woche darauf
verständigt, den Regelsatz für Hartz-IV-Empfänger
minimal zu erhöhen. (dapd/jW)
http://www.jungewelt.de/2011/03-01/055.php