Hartz
IV wird teurer, die Stellen knapper
Düsseldorf, 13.01.2010, Jo Achim Geschke
nrz
Düsseldorf. Die Kosten für Langzeitarbeitslose, die Hartz IV bekommen, steigen weiter: Wurden voriges Jahr noch
54 Millionen Euro ausgegeben, sind für dieses Jahr bereits knapp 56 Millionen
Euro im Etat der Arge. Und Chef Werner Rous weiß
nicht genau, was alles noch in Folge der Krise dazu kommt.
Für die Arge, den Zusammenschluss von Arbeitsagentur und
Stadt, wirken sich Entlassungen aus dem Vorjahr erst nach einem Jahr aus. Rous stellte gestern das „Arbeitsmarktprogramm” für 2010 im
Sozialausschuss vor.
Rund 60 000 Menschen in mehr als 33 000
„Bedarfsgemeinschaften” zählen zu den Kunden der Arge. Drei Viertel von ihnen
gelten als „arbeitsmarktfern”, wie es im Behördendeutsch heißt: Sie haben
keinen Schulabschluss und keine Ausbildung, einige haben Suchtprobleme. Fast
ein Viertel ist über 51 Jahre alt und hat wegen des Alters wenig
Chancen auf einen neuen Job. Bei den unter 25-Jährigen Hartz-IV-Beziehern
hat immerhin fast ein Viertel keine Schule abgeschlossen.
Nur fünf Prozent Widersprüche
Die Arge will in diesem Jahr „vor allem mit Blick auf den
Facharbeitermangel”, so Rous, die Weiterbildung durch
1700 Bildungsgutscheine ausbauen, vor allem für Kaufleute und im Handwerk.
Doch selbst bei einer optimalen Förderung ist ein Job im
ersten Arbeitsmarkt nicht leicht zu ergattern: Im Zuge der Krise gingen die
gemeldeten offenen Stellen beispielsweise bei Metallbearbeitern um 78 Prozent,
bei Schlossern und Mechanikern um 53 Prozent zurück. Chancen gab es nur bei
Gesundheitsberufen und in der Nahrungsmittelbranche, etwa bei Bäckern und in
der Gastronomie.
Auf eine Nachfrage der Grünen betonte Rous, dass bei der Arge Düsseldorf lediglich fünf Prozent der Bescheide Widersprüche erhielten: „Bei insgesamt 120 000 Bewilligungen oder Ablehnungen kommen 6000 bis 7000 Widersprüche zu uns”, versicherte er.