Hartz
IV Studie räumt mit Vorurteilen auf
Eine Studie zu Hartz IV erkennt, dass Empfänger
eine hohe Arbeitsmotivation mitbringen - und eher bereit sind, bei Lohn oder
Arbeitsbedingungen Zugeständnisse zu machen.
Im Vergleich zur übrigen Bevölkerung haben
Empfänger von Hartz-IV-Leistungen eine hohe
Arbeitsmotivation. Sie messen der Arbeit einen höheren Stellenwert bei und sind
eher als andere Jobsuchende bereit, Zugeständnisse beim Lohn oder den
Arbeitsbedingungen zu machen. Das zeigt eine Umfrage des Nürnberger Instituts
für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).
Hartz-IV-Leistungen werden offiziell als
Grundsicherung bezeichnet und bestehen aus dem Arbeitslosengeld II (insgesamt
5,2 Millionen Empfänger zum Zeitpunkt der Umfrage im Jahr 2008) und dem
Sozialgeld (knapp zwei Millionen Empfänger, überwiegend Kinder). Rund drei
Millionen der Arbeitslosengeld-II-Empfänger im
erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und 64 Jahren sind verpflichtet, Arbeit zu
suchen. Etwa zwei Drittel von ihnen tun dies tatsächlich auf vielfältige Weise.
Dennoch seien die Erfolge bei der Jobsuche relativ bescheiden, stellen die
Forscher fest: Nur etwas mehr als ein Viertel der Suchenden war im Monat vor
der Befragung zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen gewesen.
Neben den Aktiven gibt es aber auch eher Passive: Etwa 350.000 der zur
Arbeitsuche verpflichteten Personen gehen weder einer beruflichen noch
familiären Tätigkeit nach, die von der Suchpflicht befreit (zum Beispiel Pflege
von Angehörigen). Diese Gruppe hat nicht in den vier Wochen vor der Befragung
nach Arbeit gesucht. Deshalb aber hier die Drückeberger zu vermuten, geht an
der Realität vorbei: Die Gruppe besteht zu Großteilen aus älteren und kranken
Hilfebedürftigen.
Die Mehrheit der Empfänger ist vor, nach oder während des Leistungsbezugs am
Arbeitsmarkt aktiv. Dabei sind sie häufig unterwertig
beschäftigt und beziehen oft nur niedrige Stundenlöhne.
Bei der Befragung gaben zehn Prozent an, sich in einer Ausbildung zu
befinden. Es handelt sich dabei vor allem um Schüler und Lehrlinge. Ein anderer
großer Teil sind die sogenannten Aufstocker,
deren Lohn zu niedrig ist. Fast 30 Prozent der 15- bis 64-jährigen
Leistungsempfänger sind in irgendeiner Form erwerbstätig, nur reicht das Geld
nicht für das Existenzminimum. Die meisten sind geringfügig beschäftigt aber
immerhin gut zehn Prozent üben eine Beschäftigung mit einem Zeitumfang von
mindestens 20 Stunden pro Woche aus. Vier von fünf Arbeitslosen sind zudem
bereit, auch eine Arbeit unterhalb des eigenen Qualifikationsniveaus
anzunehmen.
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