Gewalt gegen OSD nimmt zu

 

 

    Mehr als 20 Mal standen Parksünder im vergangenen Jahr vor Richtern,

    weil sie städtische Kontrolleure angegriffen oder beleidigt haben.

    Es könnten noch mehr sein, aber die OSDler verzichten oft auf eine

    Konfrontation vor Gericht.

 

 

      VON JÖRN TÜFFERS

 

 

 

        Ein Ausraster wird für einen 36-Jährigen teuer. 1600 Euro

        Geldstrafe muss er zahlen, weil er einen Mitarbeiter des

        städtischen Ordnungs- und Servicedienstes (OSD) beleidigt hat.

        Der hatte ihn verwarnt, weil er mit seinem Rad auf dem

        Bürgersteig gefahren war. Dafür gibt es fünf Euro Bußgeld. Nach

        dem Urteil zeigte der 36-Jährige dem OSD-Mann auch noch den

        ausgestreckten Mittelfinger.

 

 

 

        Immer häufiger fühlen sich die OSD-Leute wie die Fußabtreter der

        Nation. Sie werden beschimpft, sie werden angepöbelt, sie werden

        angegriffen. Aber sie nehmen nicht alles klaglos hin. Sie wehren

        sich. Mehr als 20 Mal erstattete die Stadt im vergangenen Jahr

        Anzeige, nachdem ihre Mitarbeiter übelst beschimpft worden

        waren. Mit Worten, die alles andere als druckfähig sind. "Wenn

        dann noch Gewalt angedroht wird, hört der Spaß auf", sagt

        Norbert Preiwuß, Leiter der Verkehrsüberwachung. Auch

        Morddrohungen habe es schon gegeben. "Ich schlag' dich kaputt"

        hat mal einer gesagt, der beim Falschparken erwischt worden war

        und mit dem Knöllchen über 15 Euro nicht einverstanden war.

 

 

 

        Gemessen daran, dass die 151OSD-Mitarbeiter und ihre 30 Kollegen

        von der Rollerstaffel jährlich mehr als 500000 Knöllchen

        schreiben, sind solche Angriffe die Ausnahme. Aber sie führen

        dazu, dass Mitarbeiter des Ordnungs- und Servicedienstes immer

        häufiger mit einem mulmigen Gefühl ihren Dienst versehen.

        "Manche stecken das weg, anderen geht das richtig an die

        Nieren", sagt Preiwuß. "Ich sage ihnen dann immer: Das bist

        nicht du, der beschimpft wird. Das gilt deiner Uniform."

 

 

 

        Doch die Parkplatz-Kontrolleure können sich nicht sicher sein,

        ob nicht mal ein Verkehrssünder ihnen auflauert und

        herauskriegt, wo sie wohnen, sie und ihre Familie terrorisieren,

        um sich zu rächen. Um unerkannt zu bleiben, konnte die

        OSD-Mitarbeiterin, die sich bei ihrer Arbeit von der RP

        begleiten ließ, nur von hinten fotografiert werden.

 

 

 

        Für FDP-Ordnungs- und Verkehrspolitiker Manfred Neuenhaus kommt

        es bei diesen schwierigen Einsätzen aufs Fingerspitzengefühl an.

        Man müsse nicht immer direkt die Keule rausholen, meint er.

        Deshalb hat sich die FDP für eine bessere Ausbildung des OSD

        starkgemacht. Mit Erfolg. Neue Kräfte, die eingestellt werden,

        erhalten eine umfangreichere Schulung als die Ordnungskräfte der

        ersten Generation. Sie müssen eine Prüfung vor der Industrie-

        und Handelskammer ablegen.

 

 

 

        "Wir wollten die größtmögliche Qualifikation für die neuen Leute

        und nur diejenigen in den Außendienst schicken, die auch dafür

        geeignet sind", sagt Neuenhaus. Der OSD sei nicht mehr

        vornehmlich für Service zuständig, sondern in erster Linie ein

        Ordnungsdienst.

 

 

 

        Gegen Unbelehrbare, die ihr Mütchen an jemanden kühlen wollen,

        der eine Uniform trägt, sind auch die OSDler mit

        Zusatzausbildung nicht gefeit.

 

 

          - /JÖRN TÜFFERS

 

 

Quelle:

Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH

Publikation: Rheinische Post Düsseldorf

Ausgabe: Nr.153

Datum: Montag, den 06. Juli 2009

Seite: Nr.25

 

 

Es braucht einen großen Plan


Gewalt gegen die Feuerwehr, Attacken gegen den OSD; Angriffe gegen die Polizei in der Altstadt und am Hauptbahnhof - die vergangenen Wochen haben viele erschreckende Signale für eine Verrohung in Düsseldorf geliefert. Zugleich liefern diese Meldungen aber auch Argumente, dass es dringend einen neuen übergeordneten Plan für die Einsätze von Ordnungshütern und Rettungskräften braucht. Die Betroffenen in Uniform geraten von einer gefährlichen Situation in die nächste, weil die Randalierer sich schnell eine neue Schwachstelle im Sicherheitssystem suchen können. Deshalb muss ein übergeordneter Plan Maßnahmen beinhalten, die die Gewaltursachen an allen Orten mindern und zugleich ausreichend Kräfte gegen mögliche Eskalationen bereitstellen. Das heißt: mehr Polizisten für die Landeshauptstadt und ein Alkoholverbot für die Alt- oder sogar die Innenstadt. Testkäufer werden jedenfalls niemanden davon abhalten, einen Polizisten mit einer abgebrochenen Flasche anzugreifen.

CHRISTIAN HERRENDORF

 

- /CHRISTIAN HERRENDORF


Quelle:
Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Düsseldorf
Ausgabe: Nr.155
Datum: Mittwoch, den 08. Juli 2009
Seite: Nr.20

 

 

Mehr Bundespolizei am Bahnhof

Schlägereien, Bedrohungen, aggressive Betrunkene: Was in der Altstadt seit Jahren zu den Wochenendnächten gehört, bekommt nun auch die Polizei im Hauptbahnhof zu spüren. Mit starker Präsenz sollen potenzielle Täter eingeschüchtert werden, damit sie friedlich nach Hause fahren.

VON STEFANI GEILHAUSEN


Laut grölend schwenkte der 25-Jährige eine Flasche in Richtung der Wartenden auf dem Bahnsteig. Die fühlten sich in der Nacht zu gestern massiv bedroht, einer alarmierte per Handy die Polizei. Doch nicht einmal die Bundespolizisten beeindruckten den aggressiven Betrunkenen. Im Gegenteil: Er bedrohte auch die Beamten mit der Glasflasche, war nur mit Hilfe von Handschellen zu bändigen.


Der wohnungslose Randalierer landete für die Nacht im Polizeigewahrsam. Kein Einzelfall, sagt Stefan Beckmann, Sprecher der Bundespolizeidirektion am Hauptbahnhof. „Die Gewaltbereitschaft gegen Polizisten steigt.“ Das ist kein Phänomen des Düsseldorfer Hauptbahnhofs und auch keine Spezialität der Landeshauptstadt: Bundesweit mehren sich die Körperverletzungs- und so genannten Rohheitsdelikte. Gewalt entlädt sich dabei auch gegen Sachen, im Hauptbahnhof vornehmlich gegen Fahrkartenautomaten und Glastüren. Vor allem wo Alkohol im Spiel ist, eskalieren aber auch harmlose Meinungsverschiedenheiten blitzschnell in handfeste Schlägereien. „Wenn unsere Leute auftauchen, kann es passieren, dass sich zwei erbitterte Kontrahenten dann ohne Worte zusammenschließen und die Polizisten angreifen“, so Beckmann.


Die Bundespolizei hat deshalb jetzt ihr Personal verstärkt. 70 Beamte sind ohnehin schon in fünf Dienstgruppen im Bahnhofseinsatz, jetzt werden sie vor allem an den Wochenenden von der Einsatzhundertschaft unterstützt, die sonst meist nur bei Demonstrationen oder Fußballeinsätzen nach Düsseldorf kommt. „Anlass dafür war die Auswertung unserer Einsätze in den vergangenen Wochen und Monaten“, sagt Beckmann. Und die hat ergeben: Mindestens zweistellig ist die Zahl der Einsätze, bei denen es um Streitschlichtung und Schlägereien ging. Oft sind daran nächtliche Heimkehrer aus der Altstadt beteiligt, die sich an den Kiosken noch mal mit Bier für die Fahrt mit der S-Bahn eingedeckt haben. „Im Bereich der S-Bahngleise haben wir sowohl auf den Bahnsteigen als auch in der Halle die meisten Zwischenfälle“, berichtet Beckmann. Seine Kollegen sollen gerade dort vor allem Präsenz zeigen und allein durch ihre Anwesenheit „Straftaten schon im Vorfeld verhindern“.


Die Maßnahmen ähneln denen der Landespolizei, die in der Altstadt Bereitschaftspolizisten zur Unterstützung einsetzt, seit im vorigen Herbst ein erfahrener Beamter vor einer Eskalation der Gewalt gewarnt hat. Die Verstärkung der Bundespolizei habe damit direkt nichts zu tun, betont Beckmann. Aber die Ursachen, nämlich die steigende Gewaltbereitschaft und der enorme Alkoholkonsum auch bei Jugendlichen, seien die selben.


Obwohl als Angst-Raum gefürchtet, ist der lange, schmale Nordtunnel im Hauptbahnhof übrigens kein Brennpunkt für die Polizei. Deren nächtliche Einsätze konzentrieren sich im Bereich der S-Bahn-Zugänge, denn die S-Bahnen sind in der Regel das Ziel der nächtlichen Störer. „Die kommen ja nicht als Störer, sondern wollen eigentlich nur nach Hause fahren.“ Doch im Bahnhof komme es dann immer öfter zu spontanen Rangeleien.


Die sind häufiger geworden, seit es im Düsseldorfer Hauptbahnhof ein rund um die Uhr geöffnetes Schnellrestaurant gibt. Dort legen seither viele Heimkehrer einen Zwischenstopp ein, und beim Zusammentreffen mit anderen Gästen entstehen dort immer wieder Konflikte, an deren Ende die Polizei gerufen werden muss. Das soll sich durch die Verstärkung ändern, hofft Beckmann: „Wir sind einfach schon vorher da.“

 

- /STEFANI GEILHAUSEN


Quelle:
Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Düsseldorf
Ausgabe: Nr.155
Datum: Mittwoch, den 08. Juli 2009
Seite: Nr.20

 

 

  Düsseldorf - Bundespolizei am Hauptbahnhof exp

  So werden wir die Gewalt stoppen

 

Von FREDY LANG

Immer mehr Gewalt im und am Hauptbahnhof.

 

Ein Trend, dem die Bundespolizei in Düsseldorf nicht länger zuschauen

wollte. Die Behörde hatte daher zum Ende des Frühjahrs angekündigt, die

Präsenz der Beamten im Bereich des Hauptbahnhofs zu erhöhen -- und

präsentierte jetzt die Ergebnisse.

 

Ulrike Herbold, stellvertretende Leiterin der Behörde, stellte am

Mittwoch das Resultat vor: "Wir können sehr zufrieden sein mit unserer

Aktion. Die Zahl der Straftaten ist klar zurückgegangen."

 

Waren es im Mai noch 13 Verfahren wegen Widerstands gegen

Vollstreckungsbeamte, ging die Zahl im Juni auf vier zurück. 64 leichte

und schwere Körperverletzungen im Mai stehen 44 im Monat Juni gegenüber.

Dazu kommen 29 Leute die vorübergehend in Polizeigewahrsam (meist wegen

übermäßigen Alkoholgenusses) genommen werden mussen. Im Vormonat waren

es nur halb so viele.

 

Ulrike Herbold erklärt: "Diese Zahlen belegen, dass wir vollkommen

richtig liegen, dass es die richtige Maßnahme war, mehr Kräfte am

Düsseldorfer Hauptbahnhof einzusetzen." Etwa 200 zusätzliche Beamte von

den Einsatz-Hundertschaften des Bundespolizeidirektion Sankt Augustin

waren zur Verstärkung nach Düsseldorf beordert worden.

 

Stefan Beckmann, Sprecher der Behörde: "Wir haben auch 170 Einsätze zur

Gefahrenabwehr absolviert. Das waren teilweise Einsätze mit versteckter

Präsenz, wo wir im Zweifelsfall sehr schnell hätten reagieren können."

 

Polizeioberrätin Herbold: "Wir werden jetzt alles in Ruhe analysieren

und danach entscheiden, wie unsere künftige Einsatzstrategie aussieht,

ob wir weiter auf Kräfte aus Sankt Augustin zurückgreifen oder zu

unserer früheren Stärke zurückkehren."

 

[15.07.2009]

 

 

15. Juli 2009 - 18:54 Uhr wz

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Polizei: Erste Erfolge am Hauptbahnhof

von Juliane Kinast

Die Bundespolizei hat seit Juni ihre Kräfte im Hauptbahnhof massiv

aufgestockt. Krasse Gewalttaten gibt es bereits weniger.

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Bislang konnte die Bundespolizei am Wochenende maximal mit drei oder

vier Streifen im Bahnhof sein -- jetzt sind die Kräfte verstärkt.

(Archiv-Foto: Nanninga)

 

Es war ein krasses Beispiel für eine seit Monaten sichtbare Entwicklung:

Der Hauptbahnhof in der Nacht zu Dienstag, ein paar junge Männer

streiten sich. Es geht um Nichtigkeiten. Plötzlich schlagen vier 15- bis

19-Jährige auf einen Kontrahenten ein, bringen ihn zu Boden. Weiter

treten sie auf das wehrlose Opfer ein. Die brutalen Schläger werden

schließlich von der Bundespolizei in Gewahrsam genommen.

 

"Das ist ein typischer Fall", sagt der Bundespolizei-Sprecher Stefan

Beckmann. Seit Monaten verzeichnen die Beamten am Hauptbahnhof einen

Anstieg der Gewalttaten. Besonders die Fälle schwerer und sogar

gefährlicher Körperverletzung nehmen zu, aber auch der Widerstand gegen

die eingreifenden Polizisten -- die WZ berichtete mehrfach darüber. Der

Hauptbahnhof spiegelt Phänomene, die auch in der Altstadt und bundesweit

beklagt werden: Immer jüngere Menschen trinken immer mehr Alkohol -- und

schlagen immer schneller zu.

 

Umfrage

Fühlen Sie sich durch die verstärkte Polizeipräsenz am Hauptbahnhof

sicherer?

Abstimmen <http://www.wz-newsline.de/?redid=100160&poll_ident=3585>

 

Bereits bei Auswertungen der Straftaten im Frühjahr stellte die

stellvertretende Inspektionsleiterin Ulrike Herbold fest: "Es besteht

Handlungsbedarf." Jetzt hat die Behörde reagiert und das Personal im

Hauptbahnhof deutlich aufgestockt: Seit dem 25.Juni wurden über 200

zusätzliche Beamte dort eingesetzt.

 

 

      Die verstärkte Präsenz könnte langfristig fortgeführt werden

 

"Ziel dieser Maßnahme ist natürlich die konsequente Verfolgung von

Straftaten", sagt Herbold. "Wir wollen diese aber auch durch massive

Präsenz von vornherein vermeiden." Deshalb sind mehr uniformierte Kräfte

vor allem am S-Bahnkreuz eingesetzt. Es fahren aber auch Beamte in Zivil

in den Zügen mit, um dort bei aufkeimendem Ärger schnell einschreiten zu

können.

 

Die Bundespolizeiinspektion Düsseldorf zählt insgesamt 250 Beamte.

Die Düsseldorfer Inspektion ist für die Bahnstrecke und Bahnhöfe bis

nach Duisburg, Oberhausen, Wuppertal und Mönchengladbach zuständig.

Jeden Tag betreten 250 000 Menschen den Hauptbahnhof.

Bereits im Jahr 2008 verzeichnete die Bundespolizei einen Anstieg der

schweren und gefährlichen Körperverletzungen um 50 Prozent gegenüber 2007.

 

Düsseldorf. Die ersten Zahlen sprechen für den Erfolg der verstärkten

Kräfte: Im Mai gab es 64 Fälle von Körperverletzung im Hauptbahnhof, im

Juni waren es noch 44. Auch die Fälle von Widerstand gegen die Beamten

gingen im selben Zeitraum zurück (von 13 auf vier). Gleichzeitig hat

sich die Zahl der Gewahrsamnahmen von Betrunkenen und Aggressoren seit

dem 25. Juni mehr als verdoppelt. "Oft haben wir Schlimmeres verhindern

können", sagt Ulrike Herbold. "Wir haben unser Ziel erreicht."

 

Die Maßnahme soll dennoch nicht beendet werden. Schließlich bleiben die

grundlegenden Probleme: Am Hauptbahnhof verweilen nachts die

verschiedensten Menschen -- oft stark alkoholisiert. Die Hemmschwelle zu

krasser Gewalt sinkt. Der Jüngste, den die Beamten seit dem Beginn der

Aktion in Gewahrsam nahmen, war erst 13. Seine Eltern reagierten laut

Bundespolizei vor allem genervt, als sie ihren Spross von der Wache

abholen sollten.

 

Mit nochmals verstärktem Personal soll die Maßnahme zur Rheinkirmes an

den kommenden beiden Wochenenden fortgeführt werden. Dann wird neu

ausgewertet, was die Aufstockung bringt. Bei der Planung werden auch die

anstehenden Zweitligaspiele von Fortuna eine Rolle spielen. "Wenn die

Notwendigkeit besteht, können wir die Aktion langfristig fortführen",

sagt Herbold. "Die Kräfte, die wir brauchen, bekommen wir."

 

 

19. Juli 2009 - 19:06 Uhr wz

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Sicherheit: Auf Nachtstreife im Hauptbahnhof

von Ulrich Hoeck

Die Bundespolizei hat ihre Einsatzkräfte am Bahnhof deutlich verstärkt.

Die Zahl der Straftaten geht zurück, wirklich friedlich ist es aber noch

immer nicht.

 

<http://wz-newsline.de/?redid=579924&b=2>

 

Festnahme von jugendlichen Intensivtätern in der U-Bahnstation. Die

beiden vorbestraften Täter hantierten mit verbotenen Waffen auf dem

Bahnsteig. (Fotos (3): Judith Michaelis)

 

Düsseldorf. Samstagnacht in der U-Bahnstation am Hauptbahnhof, 1.30 Uhr.

Zwei junge Männer spazieren mit einem Butterfly-Messer in der Hand

zwischen den auf ihre U-Bahn wartenden Menschen über den Bahnsteig. Der

Sicherheitsdienst der Rheinbahn alarmiert die Bundespolizei, Sekunden

später hallen die Stiefel der Beamten durch die U-Bahnröhre.

 

"Hände an die Wand, Beine nach hinten" -- einen Moment später klicken

die Handschellen auf dem Rücken der beiden Männer, die polizeibekannten

Täter werden abgeführt. Butterfly-Messer sind verboten, das Mitführen

ist ein Verstoß gegen das Waffengesetz und damit eine Straftat. Die für

einen der Männer im Gefängnis enden kann. Er hat noch Bewährung.

 

    * Bundespolizei <http://wz-newsline.de/?redid=579924#info1>

    * Inspektion <http://wz-newsline.de/?redid=579924#info2>

 

Seit Juli sind am Hauptbahnhof über 200 zusätzliche Beamte eingesetzt

worden. Die Präsenz der Einsatzkräfte zeigt offenbar auch präventive

Wirkung. Die Zahl der Körperverletzungen ist von 64 Fällen im Mai auf 44

Fälle im Juni zurückgegangen. Bei besonderen Lagen wie dem Kirmesbeginn

am Wochenende kann auch auf die Einsatzhundertschaft zurückgegriffen werden.

Zur Düsseldorfer Bundespolizeiinspektion gehören auch die Reviere in

Duisburg, Oberhausen, Mönchengladbach und Wuppertal sowie die

Streckenabschnitte dazwischen.

 

Zwischen Eingehen der Meldung und dem Aus-dem-Verkehr-ziehen der

Gefährder vergeht nur ein Augenblick, gleich mit sechs Beamten ist die

Bundespolizei vor Ort. Auch zur eigenen Sicherheit. Denn immer öfter

werden die Bundespolizisten selbst angegriffen.

 

Dass sie jetzt so schnell reagieren konnten, liegt auch am neuen

Einsatzkonzept für den Hauptbahnhof. Seit Juni wurden über 200

zusätzliche Beamte eingesetzt. Grund für die Personalaufstockung ist ein

Gewaltphänomen, ähnlich dem in der Altstadt. Die Fälle von

Körperverletzungen haben seit 2007 um 50 Prozent zugenommen.

 

 

      Kleinste Banalitäten können die Körperverletzungen auslösen

 

An diesem Samstagabend unterstützt die Einsatzhundertschaft aus Sankt

Augustin die Düsseldorfer Bundespolizei. "Auch die Gewalt gegen

Polizeibeamte hat spürbar zugenommen -- durch die Präsenz der

Einsatzhundertschaft geht sie jetzt aber wieder zurück", sagt

Dienstgruppenleiterin Maria Behnke (27). Viele Straftaten werden so

bereits im Vorfeld verhindert.

 

Die Auslöser für die Gewalt sind oft Kleinigkeiten. "Es kann ein Blick

sein, eine Beleidigung, ganz banale Gründe", sagt Behnke. Wir begleiten

die beiden Bundespolizisten Gerd Dücker (41) und Moritz Liebermann (24)

auf Streife durch den nächtlichen Bahnhof (Namen geändert, Anm. d.

Red.). Die beiden sind ein eingespieltes Team. "Das ist wichtig, das

gibt Sicherheit", sagt Liebermann. Genauso wie die Einsatzhundertschaft,

die im Hintergrund bereit steht.

 

Es ist 24 Uhr, der Bahnhof ist belebt, unruhig. Immer wieder

kontrollieren die beiden die neuralgischen Punkte zwischen dem

S-Bahnkreuz, dem Schnellrestaurant und der Diskothek auf dem

Bahnhofsvorplatz. Greifen sie ein, geht es fast immer um Gewalt, Raub,

Drogen oder illegale Einwanderung.

 

Unterhält man sich mit den beiden, wirken sie oft ein bisschen abwesend.

Mit einem Auge beobachten sie das Geschehen um sich herum. Im

Zweifelsfall müssen sie in der Lage sein, die Nuancen, die zwischen

einem Angst- und einem Freudenschrei liegen, auf einem inneren Radar

unterscheiden zu können.

 

 

      Zur "Kundschaft" gehören Trinker, Obdachlose, Dealer und Junkies

 

Dücker und Liebermann kennen ihre "Kundschaft" inzwischen teilweise

persönlich. "Wir sind bis zu zehn Stunden am Tag hier, da bleibt das

nicht aus", sagt Dücker. Der Hauptbahnhof ist ein soziologischer

Mikrokosmos von Leuten, die in oder von ihm leben. Dazu gehören Dealer

und Hehler genauso wie Obdachlose, Trinker, Junkies oder geistig

verwirrte Menschen.

 

Was genau den Ausschlag für Liebermann gibt, den jungen Mann, der um die

wartenden Diskobesucher schleicht, zu kontrollieren, weiß er selber

nicht. Es kann ein ausweichender Blick sein oder Schweiß auf der Stirn.

"Nachdem man drei Sätze mit den Leuten gesprochen hat, weiß man meistens

schon, ob da noch mehr ist", sagt er. Die Kontrolle ergibt, dass der

Mann öfter wegen Drogenbesitzes mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist.

"Mit der Zeit entwickelt man ein psychologisches Gespür dafür", sagt er.

 

Der Schichtdienst und die Erlebnisse im Revier können belastend sein.

Der Hauptbahnhof ist ein hartes Pflaster. "Ich liebe Düsseldorf. Ich

habe mich mal mit einem Kollegen aus Sylt unterhalten, die kennen unsere

Probleme da gar nicht. Tauschen möchte ich mit denen trotzdem nicht",

sagt Dücker und ist zufrieden.