Frankfurt. Schießerei im Jobcenter. Am Donnerstagmorgen dreht eine Frau im Jobcenter Frankfurt durch. Ein Polizist wird schwer verletzt, die Frau angeschossen. Sie stirbt eine Stunde später im Hospital.

Abgesperrt: das Jobcenter an der Mainzer Landstraße.
Foto: dapd

Es müssen dramatische Minuten gewesen sein am Donnerstagmorgen im Haus Mainzer Landstraße 315-321. Den Mitarbeitern, die das Gebäude am Vormittag nach und nach verlassen, steht der Schrecken ins Gesicht geschrieben. „Kein Kommentar“, raunt einer, der von einem Kameramann abgepasst wird. Drinnen befragen Polizisten die Mitarbeiter des Jobcenters als Zeugen. Draußen wartet ein Dutzend Journalisten auf Neuigkeiten.

Die Informationen fügen sich im Laufe des Tages zusammen und ergeben das Bild einer Tragödie. Eine 28 Jahre alte Polizistin hat in dem Jobcenter im Gallus eine 39-jährige Frau erschossen. Vermutlich handelte sie in Notwehr, aber das werden erst die Ermittlungen von Landeskriminalamt und Staatsanwaltschaft belegen können. Ein 30 Jahre alter Polizist liegt mit schweren Verletzungen im Bauch und am Arm im Krankenhaus. Sein Zustand ist stabil. Wenigstens eine gute Nachricht an diesem Tag.

Bereits morgens war die 39-Jährige in das Jobcenter gekommen. Die Einrichtung kümmert sich vor allem um Wohnsitzlose und Flüchtlinge, sie ist angeschlossen an den „Besonderen Dienst 3“ der Stadt. Die Frau kommt ursprünglich aus Nigeria. Seit ihrer Hochzeit mit einem Deutschen hat sie einen deutschen Pass.

Die 39-Jährige ist nicht zum ersten Mal im Jobcenter. Am 10. Mai war sie schon einmal da und beantragte Hartz IV. Nun will sie einen Teil der Leistung – es soll um weniger als 50 Euro gehen – in bar mitnehmen. Das aber gehe nicht, erklärt ihr ein Mitarbeiter, das Geld werde ihr in den nächsten Tagen überwiesen.

20.5.11

http://www.fr-online.de/frankfurt/schiesserei-im-jobcenter/-/1472798/8466348/-/index.html

 

 

 

Gewerkschaften: Hartz IV-Gesetze schuld an Todesschüssen in Frankfurter JobCenter

Nach den tödlichen Schüssen in einem Jobcenter in Frankfurt am Main kritisieren die Angestellten-Gewerkschaft Komba und die Polizeigewerkschaft (DPolG) die umstrittenen Hartz-Gesetze. Immer wieder rasten Antragsteller aus, wenn Mitarbeiter der Jobcenter aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen ablehnende Bescheide erteilen müssen, sagt der Komba-Vizevorsitzende Ulrich Silberbach.

Dabei seien lautstarke Beleidigungen und Bedrohungen, Randalieren, Tritte gegen das Mobiliar und Geräte noch die harmloseren Vorfälle. Auch gegen Angriffe mit Fäusten, Messern und Gaspistolen müßten sich die Beschäftigten wehren. Sicherheitsdienste wurden schon engagiert, aber immer wieder muss auch die Polizei zur Hilfeleistung und zum Schutz der Beschäftigten anrücken. Bei einer Befragung von 500 Mitarbeitern im Jahre 2009 hätten knapp 25 % angegeben, bereits einmal Opfer eines solchen Übergriffs gewesen zu sein. Mehr als 10 % von ihnen haben bis heute mit psychischen Folgen zu kämpfen.

"Diese Probleme kann der Gesetzgeber zumindest mildern, wenn er endlich vernünftige Gesetze machen würde", meint auch der Chef der DPolG Rainer Wendt. "Rund 180.000 Klagen gegen Entscheidungen zeigen doch deutlich, dass da dringender Handlungsbedarf besteht. Wenn die Menschen das Handeln der öffentlichen Verwaltung nicht verstehen können und es gleichzeitig um ihre Existenz geht, dann sind Kurzschlusshandlungen aus Wut und Verzweiflung eben alles andere als unvorhersehbar."

Am Donnerstag hatte eine 28jährige Polizistin eine 39jährige "Kundin" des JobCenters erschossen – die Frau forderte offenbar eine Barauszahlung ihres ALG II, randalierte und ging mit einem Messer auf einen 30jährigen Polizisten los.

BERLINER UMSCHAU-Meldung vom 20.05.2011 - 18:26 Uhr

http://www.berlinerumschau.com/news.php?id=19677&title=Gewerkschaften%3A+Hartz+IV-Gesetze+schuld+an+Todessch%FCssen+in+Frankfurter+JobCenter&storyid=1001305881269